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Heiße Eisen: Aktivistische Investoren fordern einen viel weitergehenden Umbau bei Thyssenkrupp als der Vorstand es bislang plant.
Heiße Eisen: Aktivistische Investoren fordern einen viel weitergehenden Umbau bei Thyssenkrupp als der Vorstand es bislang plant.(Foto: dpa)
Sonntag, 12. August 2018

Investoren für Chef von außen: Fonds wollen neuen Thyssen-Boss stürzen

Nach der Revolte ist vor der Revolte für Hedgefonds und andere Investoren bei Thyssenkrupp. Mit dem Sturz von Vorstandschef Hiesinger geben sie sich nicht zufrieden. Sie wollen auch dessen engen Vertrauten Kerkhoff nicht als Nachfolger akzeptieren.

Der amtierende Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff soll laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" nicht dauerhaft den Konzern führen. Dies schreibt das Blatt unter Berufung auf maßgebliche Aktionäre. Die Finanzinvestoren Cevian und Elliott, die beide den Sturz von Vorgänger Heinrich Hiesinger betrieben haben, sprechen sich demnach auch gegen Kerkhoff als dauerhafte Lösung für die Konzernspitze aus.

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Mit einer neuen Strategie verlangen sie einen neuen Vorstandsvorsitzenden. Kerkhoff wird von Investoren angelastet, dass er im Vorstand jahrelang den aus ihrer Sicht falschen Kurs von Heinrich Hiesinger mitgetragen hat, wenngleich er jetzt in die Offensive geht und am vergangenen Freitag professionellen Investoren in Frankfurt einen Antrittsbesuch abgestattet hat.

Auch die Fondsgesellschaft Union Investment hält trotz der neuen Linie von Kerkhoff einen Führungswechsel und Strategieschwenk bei dem kriselnden Konzern für unverzichtbar. "Ich plädiere dafür, einen Chef von außen zu holen", sagte Union-Portfoliomanager Ingo Speich der Nachrichtenagentur Reuters. Kerkhoff sei der engste Vertraute des zurückgetretenen Vorstandschefs Heinrich Hiesinger gewesen. "Er steht damit für die alte Strategie. Allein als Signalwirkung für den Kapitalmarkt wäre es besser, wenn der neue Chef von außen käme."

Union ist damit der erste größere Investor, der Stellung zu der von Kerkhoff am Donnerstag vorgestellten Ziel-Offensive bezieht. Die Fondsgesellschaft hält rund 0,2 Prozent der Anteile an dem Traditionskonzern mit knapp 160.000 Mitarbeitern.

Kerkhoff hatte dem Konzern neue Ziele verpasst und den einzelnen Sparten klare Vorgaben gemacht, welche Rendite sie bis 2020/21 erreichen müssen. Union-Fondsmanager Speich, der sich auch seit Jahren auf den Hauptversammlungen kritisch zu Wort meldet, hatte schon früh eine schärfere Strategie gefordert.

"Es ist prinzipiell positiv, dass es jetzt Zielvorgaben mit Zeithorizont gibt", sagte er nun. "Die Ziele sind aber nicht extrem ambitioniert und weit in der Zukunft." Sie seien allerdings wichtig, um den operativen Einheiten und den Mitarbeitern eine Orientierungshilfe zu geben. "Am Kapitalmarkt werden sie nichts bewirken. Da wird gefragt, wer wird der neue Chef und wie sieht die Strategie aus."

Quelle: n-tv.de