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Was passiert mit den hunderten Milliarden?
Was passiert mit den hunderten Milliarden?(Foto: picture alliance / dpa)
Montag, 19. März 2012

Geldschwemme befürchtet: Bundesbank spielt Kassandra

Die expansive Geldpolitik der EZB wird bei der Bundesbank bereits seit Monaten argwöhnisch beäugt. Diesmal mahnt nicht Bankchef Weidmann, sondern Vorstandsmitglied Nagel vor zu großen Risiken dieser Politik. Seiner Meinung nach ist ein allmählicher Geldentzug nötig. Dieser müsse frühzeitig mit klaren Ansagen vorbereitet werden.

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Bundesbank-Vorstand Joachim Nagel hat vor der Geld flutet den Wohnungsmarkt durch die Weidmann gegen Draghi gewarnt. Es bestehe "die Gefahr, dass die Banken Risiken eingehen, die wir eigentlich nicht sehen wollen", sagte Nagel dem "Spiegel". Für die Bundesbank sei deshalb wichtig, "dass wir jetzt schon über Ausstiegsszenarien reden". Den Märkten müsse signalisiert werden: Es sei nicht selbstverständlich, "dass es so wie in den letzten Monaten weitergeht".

Weil einige Banken Probleme beim Zugang zum Markt hatten, liehen die Notenbanken der Eurozone ihnen im Dezember und Februar insgesamt mehr als eine Billion Euro zu besonders günstigen Konditionen über einen ungewöhnlich langen Zeitraum von drei Jahren. "Noch parken die Institute einen Großteil bei den Notenbanken, aber dafür bekommen sie nur 0,25 Prozent Zinsen", sagte Nagel: "Da sie selbst ein Prozent Zinsen bezahlt haben, ist das für sie auf Dauer ein schlechtes Geschäft."

Das erhöhe die Gefahr, dass Banken Risiken eingehen. Daher müsse die Bundesbank aufmerksam beobachten, was mit dem Geld passiert. Ob die Geschäftsbanken das billige Geld in Staatsanleihen investieren und einen kräftigen Gewinn einstreichen, könne noch mit belastbaren Zahlen belegt werden, sagte Nagel: "Aber es ist naheliegend, dass Banken, die sich das Geld bei den Notenbanken besorgt haben, damit auch Staatsanleihen kaufen."

Kein Glaube an Finanzmarkt-Effizienz

Noch ist das Vertrauen der Geschäftsbanken untereinander laut Nagel nicht wieder ganz zurückgekehrt. Aber bald müssten die Institute "wieder die Kraft haben, sich selbst am Markt zu refinanzieren". Sie dürften sich an die überreichliche Versorgung mit Geld nicht gewöhnen. "Die Banken müssen sich darauf einstellen, dass es damit irgendwann wieder vorbei sein wird."

Nötig sei ein allmählicher Entzug, den man frühzeitig mit klaren Ansagen vorbereiten müsse, sagte der Bundesbank-Vorstand: "Die Finanzmärkte schreien sonst immer nach mehr Geld und tun so, als würde die Welt zusammenbrechen, falls sie es nicht bekommen."

Nagel hat nach eigener Aussage den Glauben an die Effizienz der Finanzmärkte verloren. "Wir dachten, die Risiken wären kontrollierbar", sagte er mit Blick auf die seit Jahren dauernde Krise. "Wir haben an die Effizienz der Finanzmärkte geglaubt. Die Theorie, dass jeder Investor immer rational entscheidet, hat uns geprägt. Heute wissen wir, dass das alles nicht stimmt."

Quelle: n-tv.de