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Janet Yellen
Janet Yellen(Foto: AP)
Sonntag, 06. August 2017

Yellen steckt in der Klemme: Gehen die Zinserhöhungen nach hinten los?

Von Egmond Haidt und Benjamin Feingold

Die Chefin der US-Notenbank Janet Yellen möchte die Geldpolitik weiter verschärfen, doch der Anleihenmarkt sendet Warnsignale. Wie sehen die nächsten Schritte aus?

Janet Yellen ist in ihrer Zuversicht unerschütterlich. Bei jeder Gelegenheit betont die Chefin der US-Notenbank, dass die US-Wirtschaft stark sei und daher eine weitere Verschärfung der Geldpolitik verkraften könne. Dabei senden einige Daten ein ganz anderes Signal.

So war beispielswiese der Autoabsatz im Juli um 6,4 Prozent auf eine Jahresrate von 16,73 Millionen Einheiten gesunken. Damit hat sich der Abwärtstrend der vergangenen Monate am Automarkt beschleunigt. Etliche andere Konjunkturdaten deuten genau in die gleiche Richtung. So hat das Wirtschaftsministerium zuletzt die Daten zur Sparquote revidiert. Nachdem sie laut den ursprünglichen Angaben im Juni bei 5,5 Prozent lag, wurde sie auf nur mehr 3,8 Prozent revidiert. Das ist selbst für US-Verhältnisse ein sehr niedriger Wert und liegt nur minimal über dem Niveau von 3,7 Prozent für August 2008, also wenige Wochen vor der Pleite von Lehman Brothers. Wenn die Konjunktur so florieren würde, wie Yellen meint, könnten die Amerikaner deutlich mehr sparen.

Mit einer baldigen Konjunkturbelebung ist daher in den USA kaum zu rechnen, nachdem auch der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor im Juli viel stärker als erwartet gesunken ist. Der vielbeachtete Frühindikator notiert nun am Elf-Monats-Tief. "Die Märkte machen sich Sorgen über den mittelfristigen Inflations- und Konjunkturverlauf", schlussfolgert Klaus Bauknecht, Chef-Volkswirt der IKB Deutsche Industriebank. "Sie erwarten keinen nachhaltigen Anstieg der Zinsen und deshalb liegen zehnjährige US-Renditen bei knapp über 2,2 Prozent obwohl die US-Kapitalmärkte im Gegensatz zu denen der Euro-Zone durch kein Aufkaufprogramm verzerrt werden", ergänzt Bauknecht. Damit zeigen die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen die Eintrübung der Konjunkturperspektiven klar an. In dem Umfeld ist die US-Inflation auf 1,6 Prozent zurückgegangen. Das ist das niedrigste Niveau seit Oktober 2016.

Kommt noch ein Zinsschritt in diesem Jahr?

Wegen der schwächelnden Konjunktur und der gesunkenen Inflationsraten bezweifeln Investoren zusehends, ob Yellen ihren eingeschlagenen Kurs fortsetzen wird. Zwar dürfte die Fed-Chefin bei der nächsten Sitzung am 20. September ankündigen, dass die Bilanzsumme der Notenbank ab Oktober um zehn Milliarden Euro durch den Verkauf von Staats- und Hypothekenanleihen abgebaut werden soll. Alle drei Monate sollen weitere zehn Milliarden hinzukommen. Damit will Yellen für zusätzlichen Aufwärtsdruck bei den Zinsen sorgen.

Fraglich ist jedoch , ob es der Fed darüberhinaus gelingen wird, im laufenden Jahr ein weiteres Mal die Zinsen anzuheben. So ist die Wahrscheinlichkeit für eine Erhöhung bei der Sitzung am 13. Dezember auf 44,4 Prozent gesunken. Das zeigt, dass Investoren davon ausgehen, dass die jüngste Erhöhung vom 14. Juni erst einmal die letzte gewesen ist.

Sollte Yellen trotz der sich eintrübenden Konjunkturperspektiven die Geldpolitik weiter verschärfen, dürften die Sorgen der Investoren über eine weitere Abkühlung der Wirtschaft zunehmen, woraufhin die Anleger in Anleihen flüchten könnten. In dem Umfeld würden die Zinsen für zehnjährige Anleihen weiter sinken, was im Gegenzug den S&P 500 wiederum beflügeln könnte, er ist mit einer Dividendenrendite von 2 Prozent attraktiver als die Zinsen am Geldmarkt.

Entgegen ihrer Absicht könnte Yellen mit weiteren Zinserhöhungen aber den Aktienmarkt weiter stützen. Yellen und ihre Kollegen haben wiederholt gesagt, dass die hohe Bewertung von Vermögenswerten, sprich vor allem von Aktien, ein wichtiger Grund für die Verschärfung der Geldpolitik sei. Immerhin ist der S&P 500 mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 17,7 so hoch bewertet, wie selten zuvor. Yellen versucht mit Zinserhöhungen, etwas Luft aus der Blase zu lassen. Weil bei dem Versuch aber die Zinsen für zehnjährige Anleihen unter Druck sind, wird die Bewertung am Aktienmarkt weiter aufgepumpt, womit Yellen ihr eigenes Ziel konterkariert. Die niedrigen Zinsen für zehnjährige Anleihen zeigen klar an, wie skeptisch Anleger die langfristigen Perspektiven für die US-Wirtschaft sehen – egal wie sich Janet Yellen windet.

Quelle: n-tv.de