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Draghis Entscheidungen dürfte auch bei der EZB in Frankfurt für Geschäftigkeit gesorgt haben.
Draghis Entscheidungen dürfte auch bei der EZB in Frankfurt für Geschäftigkeit gesorgt haben.(Foto: dpa)
Sonntag, 30. April 2017

EZB-Chef Draghi bleibt hart: Für deutsche Sparer kommt es noch dicker

Von Egmond Haidt

Die EZB will die aktuelle Geldpolitik nicht lockern, obwohl die Inflation auf dem Vormarsch ist. Das hat ihr Präsident Draghi unmissverständlich klargemacht. Für deutsche Sparer kann es daher noch schlimmer kommen.

EZB-Chef Mario Draghi ist immer für eine Überraschung gut. Während viele Investoren mit einer relativ langweiligen Pressekonferenz nach der Sitzung am Donnerstag gerechnet hatten, sorgte Draghi mit etlichen Aussagen für Kursausschläge beim Euro. Zwar gab er sich zuversichtlich, dass die wirtschaftliche Erholung solide sei und an Breite gewinne, was den Euro anfangs beflügelt hatte.

Allerdings machte Draghi einmal mehr klar, dass eine weitere Verschärfung der Geldpolitik für die EZB derzeit kein Thema sei, weil der Inflationsdruck weiterhin gering sei. Daher glaubt Klaus Bauknecht, Chef-Volkswirt der IKB Deutsche Industriebank, dass die EZB die geldpolitischen Zügel noch nicht anziehen kann: "Die EZB bleibt bei ihrem Standpunkt, dass sich erst ein nachhaltiger Anstieg in der Inflationsrate durch Zahlen und nicht Vermutungen zeigen muss, bevor sie eine Veränderung in ihrer Geldpolitik verfolgen wird. Und dies scheint noch lange nicht der Fall zu sein."

In der Zwischenzeit könnten sogar noch weitere Lockerungsschritte folgen wie der Pressemeldung der EZB zu entnehmen ist. Fall sich der Inflationsausblick verschlechtern sollte, sei die EZB bereit, das bis Dezember 2017 laufende Anleihenkaufprogramm aufzustocken beziehungsweise zu verlängern. Seit April kauft die EZB für netto 60 Milliarden Euro pro Monat Anleihen. Inklusive der alten, auslaufenden Anleihen, die in neue umgetauscht werden, beläuft sich das Volumen auf rund 70 bis 75 Milliarden Euro monatlich.

Sparer bleiben die EZB-Verlierer

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Damit dürfte klar sein, dass Draghi alles unternehmen wird, um die Zinsen unten zu halten. Zwar sind die Renditen für einjährige Bundesanleihen seit Mitte Februar etwas gestiegen. Dennoch liegen sie mit minus 0,75 Prozent nicht weit vom Rekordtief von minus 0,95 Prozent aus dem Februar entfernt. Das und der jüngste Anstieg der Inflation sorgt für erheblichen Druck auf die Sparer. Sie war in Deutschland im April von 1,6 Prozent auf 2,0 Prozent gestiegen. Damit liegt der Realzins - er wird berechnet, wenn man von den nominellen Zinsen die Inflationsrate abzieht - derzeit bei minus 2,75 Prozent. So stark sinkt der Wert jedes Euros.

Weiterer Zinsrückgang könnte bevorstehen

In den nächsten Monaten könnte es für die Sparer sogar noch ungemütlicher werden. Das dürfte vor allem daran liegen, dass die Zinsen wieder sinken. Nachdem US-Finanzminister Steven Mnuchin mit der Vorlage der Steuerreform Investoren enttäuscht hat, weil die Steuerreform keinerlei Details enthält und nicht erklärt, wie zumindest ein Teil der Steuersenkungen gegenfinanziert werden soll, zweifeln Investoren zusehends, dass es Trump gelingen wird, die Reform durch den Kongress zu bringen. Mnuchin hat gesagt, es werde etliche Monate dauern, bis Details der Reform veröffentlicht werden sollen. In der Zwischenzeit dürfte die Ernüchterung über die Politik von US-Präsident Donald Trump weiter zunehmen.

Immerhin würde durch die Reform das Haushaltsdefizit kräftig steigen. Laut den Schätzungen des Committee for a Responsible Federal Budget (CRFB), einem überparteilichen Thinktank, würden Trumps Pläne die Staatsschulden in den nächsten zehn Jahren zusätzlich um drei bis sieben Billionen Dollar erhöhen. Dabei klettern die Schulden derzeit um knapp eine Billion Dollar pro Jahr und liegen nun bei knapp 20 Billionen Dollar. Gleichzeitig dürften sich die Demokraten energisch gegen die Reform stemmen, weil von ihr vor allem die Reichen profitieren würden, während auf viele Durchschnittsamerikaner höhere Steuern zukommen könnten, weil ein Teil der bisherigen Steuerabzüge künftig wegfallen sollen.

Je länger es dauert, bis die Steuerreform verabschiedet wird, umso länger fehlen der zusehends schwächelnden Wirtschaft die dringend notwendigen Konjunkturimpulse. In dem Umfeld dürften Investoren verstärkt zu US-Anleihen greifen, woraufhin die Renditen, gerade für zehnjährige Anleihen, trotz der Zinserhöhungsserie der US-Notenbank sinken dürften. Fallende Renditen in den USA würden diese im Rest der Welt und damit auch in Deutschland nach unten drücken.

Von der Inflationsseite her dürfte es ebenfalls keine Entspannung für die hiesigen Sparer geben. In den nächsten Monaten dürfte die Rate in der Nähe des aktuellen Niveaus bleiben. Zwar dürfte bei weiter sinkenden Ölpreisen der Inflationsdruck aus dieser Richtung nachlassen. Allerdings bleiben die Preise in anderen Bereichen auf dem Vormarsch, wie etwa Mieten. Anleger kommen also auch im aktuellen Umfeld nicht an Aktien und Dividendenerträgen vorbei. Wer dann noch die Kosten niedrig halten will, sollte die Angebote der verschiedenen Onlinebroker wie zum Beispiel comdirect, Degiro oder flatex prüfen.

Quelle: n-tv.de