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(Foto: picture alliance / Jens Kalaene/)
Samstag, 14. Oktober 2017

Hype um Kryptowährungen: Die wichtigsten Antworten zu Bitcoin

Von Daniel Saurenz und Egmond Haidt

JP Morgan-Chef Jamie Dimon bezeichnete Bitcoin vor kurzem als Betrug. Danach ging die Rally weiter, nun will sich lieber nicht mehr zur Cyberwährung äußern. Was ist dran am Bitcoin-Hype?

Bitcoin nähert sich der Marke von 6000 Dollar. Was ist der jüngste Auslöser für den Kurssprung?

Das ist schwer zu sagen. Es sieht so aus, dass die Banken verstärkt in den Bereich hineindrängen, weil das Interesse ihrer Kunden, wie Hedgefonds, stark steigt. So denkt beispielsweise Goldman Sachs über einen Einstieg in den Handel mit Kryptowährungen wie Bitcoin und Ether nach. Zudem hat der renommierte US-Investor Michael Novogratz angekündigt, dass er einen Fonds von 500 Mio. Dollar auflegen will, um in den Bereich zu investieren.

Bitcoin

Hinter der digitalen Währung Bitcoin steht die komplexe Blockchain-Technologie. Sie funktioniert wie ein virtuelles Kassenbuch, über das sich Geschäfte direkt zwischen den Parteien durchführen lassen. Einen Abwickler für die Geschäfte wie etwa eine Börse braucht es nicht mehr.

Das Prinzip einer Blockchain ist, dass verschlüsselte Daten über alle Transaktionen auf mehreren Rechnern gespeichert werden. Dabei werden neue Informationen wie weitere Blöcke in chronologischer Reihenfolge an die Kette vorheriger Daten angehängt - daher auch der Name (etwa: Blockkette). Da die gesammelten Informationen an vielen Orten aufbewahrt und jedes Mal von verschiedenen Rechnern abgeglichen werden, fallen Manipulationen sofort auf.

Im Gegensatz zu den offiziellen Währungen wie Euro und Dollar steht hinter den Bitcoins keine Zentralbank. Vielmehr wird das Cyber-Geld von Nutzern selbst an leistungsstarken Rechnern produziert. Die Geldmenge ist begrenzt, irgendwann soll es maximal 21 Millionen Bitcoins geben, die für Zahlungen gestückelt werden können.

Wie hoch ist die "Marktkapitalisierung" von Bitcoin mittlerweile?

Der Börsenwert von Bitcoin liegt bei 95,5 Milliarden Dollar.

Wie relevant ist Bitcoin aktuell im Vergleich zu Gold oder Dollar?

Das Handelsvolumen von Bitcoin liegt je nach Handelstag bei 100.000 bis 200.000 Bitcoin, also bei einem Preis von 5000 Dollar zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Dollar pro Tag. Das Handelsvolumen von Gold-Futures an der New York Commodities Exchange (COMEX), einer Tochter der CME Group, erreicht je nach Kurs rund 22,5 Milliarden Dollar pro Tag.

Wer ist führend?

Knapp 60 Prozent des weltweiten Handels finden in Japan statt, 25 Prozent in den USA und 10 Prozent in Südkorea.

Bitcoin läuft merklich besser als Ethereum. Warum?

Weil zuletzt Investoren Geld von Ethereum in Bitcoin umgeschichtet haben. Bitcoin ist quasi der "Gold-Standard" unter den Kryptowährungen. Investoren steigen verstärkt in Bitcoin ein, weil der Börsenwert viel größer ist als der von Ethereum (31,2 Milliarden Dollar). Beim Investieren fließt das Geld üblicherweise in die größeren Werte, so ist es auch am Aktienmarkt.

Welche Risiken bestehen, dass der Hype abrupt endet?

Der Hype würde beispielsweise enden, wenn Japan oder die USA nicht nur den Handel mit Bitcoin verbieten würden, sondern auch den Besitz unter Strafe stellen würden.

Die Notenbanken halten an ihrer lockeren Geldpolitik fest. Hilft das Kryptowährungen?

Ja. Bitcoin spiegelt auch das Misstrauen von Investoren gegenüber den Fiat-Währungen wie dem Dollar, Euro, oder Yen wider. Es ist nicht verwunderlich, dass der Großteil des weltweiten Handels von Bitcoin in Japan stattfindet, wo die Notenbank viel Geld druckt. Bei einer Staatsverschuldung von rund 240 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung – der mit weitem Abstand weltweit höchste Wert -, gibt es für den Staat scheinbar keinen anderen Ausweg mehr außer gigantischem Gelddrucken. Die Verschuldung der USA liegt bei 106 Prozent, die der Eurozone bei 90 Prozent.

Ist Bitcoin eine Glaubensfrage?

Bitcoin kann man nicht bewerten, allerdings dürfte der Aufstieg von Bitcoin wegen der zahlreichen Einsatzmöglichkeiten der Blockchain-Technologie nicht aufzuhalten sein. Gleichzeitig ist der Börsenwert von Bitcoin im Verhältnis zu dem von Gold weiterhin sehr gering. So belaufen sich die weltweit bereits geförderten Goldbestände auf rund 180.000 Tonnen. Sie haben einen Wert von 7,5 Billionen Dollar. Damit hat Bitcoin noch eine Menge Aufholpotenzial.

Quelle: n-tv.de