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Das britische BIP-Wachstum fällt im Jahr 2018 auf das niedrigste Niveau seit 2012.
Das britische BIP-Wachstum fällt im Jahr 2018 auf das niedrigste Niveau seit 2012.(Foto: imago/Winfried Rothermel)
Montag, 11. Februar 2019

Einbruch bei Investitionen: Brexit bremst Großbritanniens Wirtschaft aus

Ein drohender Brexit ohne Abkommen verunsichert britische Unternehmen. Die Wirtschaft wächst im vergangenen Jahr so schwach wie seit sechs Jahren nicht. Die Investitionen gehen sogar so stark zurück wie zuletzt kurz nach Ende der Finanzkrise.

Die britische Wirtschaft verliert vor dem näher rückenden Brexit deutlich an Schwung. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Oktober bis Dezember nur noch um 0,2 Prozent zum Vorquartal zu, wie das britische Statistikamt mitteilte. Im Dezember schrumpfte das BIP im Vormonatsvergleich um 0,4 Prozent. In allen Bereichen - Bau, Industrieproduktion, Dienstleistungen - ging die Geschäftstätigkeit demnach zurück, "das erste Mal seit September 2012", wie die Statistiker erklärten.

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Zudem sanken die Investitionen im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,7 Prozent. So stark waren sie seit Anfang des Jahrzehnts nicht mehr gesunken, als sich das Vereinigte Königreich gerade aus der Rezession löste.

Im gesamten Jahr 2018 fiel das Plus beim BIP mit 1,4 Prozent auf das niedrigste Niveau seit 2012. In diesem Jahr könnte es noch weniger werden: Die Notenbank rechnet wegen der Brexit-Unsicherheiten nur noch mit einem Wachstum von 1,2 Prozent. Damit würde die Wirtschaft auf der Insel auf das schwächste BIP-Plus seit der Finanzkrise vor zehn Jahren zusteuern.

Britische Wirtschaft nicht vorbereitet

Großbritannien will die EU Ende März verlassen. Ob es zu einem geregelten Austritt kommt oder zu einem sogenannten harten Brexit ist auch wenige Wochen vor dem geplanten Ausstieg noch völlig unklar. Die britische Wirtschaft sei für einen ungeordneten EU-Austritt nicht gerüstet, warnte Notenbank-Chef Mark Carney vergangene Woche. "Obwohl viele Unternehmen ihre Notfallplanungen verstärkt haben, ist die Wirtschaft als Ganzes weiterhin noch nicht vorbereitet auf einen übergangslosen Brexit ohne Abkommen." Der "Nebel des Brexits" sorge für Unsicherheit.

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Von einem ungeordneten Brexit könnten einer Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) in Deutschland mehr als 100.000 Arbeitskräfte betroffen sein, allein 15.000 Beschäftige in der Autoindustrie.

Allerdings bekommt derzeit nicht nur Großbritannien eine schwächelnde Konjunktur zu spüren. Das gesamte Weltwirtschaftsklima hat sich im ersten Quartal dieses Jahres deutlich abgekühlt - der Indikator sank von minus 2,2 Punkten auf minus 13,1 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte. Damit ging der Indikator zum vierten Mal in Folge zurück und war so niedrig wie seit Ende 2011 nicht mehr.

USA stechen heraus

Die Weltkonjunktur schwäche sich zunehmend ab und das Klima verschlechtere sich "insbesondere in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften", erklärte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Demnach verschlechterten sich auch die Beurteilung der aktuellen Lage und die Erwartungen an die kommenden sechs Monate deutlich.

Bei den Industrienationen stachen besonders die USA mit einem Einbruch der Erwartungen und der Lagebeurteilung heraus, wie das Wirtschaftsforschungsinstitut weiter mitteilte. Jedoch revidierten die Experten auch für die EU ihre Einschätzungen deutlich nach unten. Dagegen blieb das Wirtschaftsklima dem Institut zufolge in den Schwellen- und Entwicklungsländern weitgehend unverändert, nachdem es in den zwei Quartalen zuvor jeweils stark rückläufig war.

Quelle: n-tv.de