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(Foto: REUTERS)
Dienstag, 22. Dezember 2015

Schwarze Schwäne im Anflug : Diese Dax-Katastrophen sind 2016 denkbar

Von Egmond Haidt und Daniel Saurenz

Die Märkte sind nervös und unberechenbar: Auf die Anschläge in Paris reagiert der Dax eher gelassen, dafür reißt die Geldpolitik der EZB den Index in die Tiefe. Vor allem zwei Szenarien könnten im nächsten Jahr dafür sorgen, dass die Börsenparty einen Dämpfer bekommt.

Wer sich die verschiedenen Prognosen der Analysten für den Dax anschaut, trifft überwiegend auf optimistische Stimmen. Es herrscht zwar keine Euphorie, meist werden moderate Kurssteigerungen vorhergesagt. In den Rechnungen der Analysten sind kaum böse Überraschungen enthalten, doch ganz ausschließen lassen sie sich für 2016 nicht. Im achten Jahr der Hausse seit der Finanzkrise lauern unerwartete Ereignisse, die als "schwarze Schwäne" bezeichnet werden und das Börsenklima empfindlich treffen könnten.

Geht der Ölpreis durch die Decke?

Einer dieser "schwarzen Schwäne" könnte eine Ölpreisrally sein, beispielsweise auf 70 oder 75 Dollar je Barrel. Angesichts vieler schwacher Konjunkturdaten aus den USA, China oder den Emerging Markets, kämpft der Ölpreis derzeit zwar mit der Marke von 35 Dollar je Barrel der US-Sorte WTI. Einen wichtigen Einfluss auf den Ölpreis haben aber nicht nur die Konjunkturdaten, sondern vor allem die Dollar-Schwemme.

Als nämlich das Gelddruckprogramm der US-Notenbank im Oktober 2014 auslief, beschleunigte sich in den Folgemonaten die Talfahrt des Ölpreises. Zuvor erreichte der Ölpreis im Juli 2014 noch die 100-Dollarmarke. Sollte die Fed entgegen den Erwartungen vieler Experten auf die anhaltend schwachen Konjunkturdaten regieren und möglicherweise schon ab Frühjahr 2016 andeuten, dass die Geldpressen wieder angeworfen werden, könnte der Ölpreis schnell wieder nach oben schießen. In den Zeiten ultra-lockerer US-Geldpolitik floss das Geld auch in Richtung Ölpreis, was wohl wieder der Fall wäre, wenn die US-Notenbank zu einer solchen Politik zurückkehren würde.

Ölpreise von 70 Dollar oder mehr wären ein enormer Belastungsfaktor für die Weltwirtschaft. Denn bei höheren Spritpreisen bleibt den Konsumenten weniger Geld in der Tasche, weshalb sie beim Konsum auf die Ausgabenbremse treten könnten. Das würde die ohnehin schwache Weltwirtschaft weiter belasten - und damit auch den Aktienmarkt.

Anleger können sich vor solchen Überraschungen schützen, indem sie Knock-out-Bull-Papiere auf den Ölpreis erwerben, etwa die WKN PB11SY. Hiermit profitieren Anleger gehebelt von steigenden WTI-Ölpreisen. Der Hebel ist mit 5,2 zwar moderat, dennoch eignet sich das nicht-währungsgesicherte Papier nur für risikofreudige Anlegernaturen. Zur Absicherung vor einem Dax-Verfall bietet sich dagegen ein Knock-out-Bear-Papier an, etwa die WKN HY6GGB, Hebel: 4,5. Dieser Knock-out legt zu, wenn der Dax den Rückwärtsgang einschaltet und gleicht damit mögliche Verluste in einem Dax-Depot aus.

Überraschend zeigende Zinsen

Ein anderer schwarzer Schwan wären überraschend steigende Zinsen in der Eurozone. Viele Investoren gehen davon aus, dass mit der zunehmenden Geldschwemme von der EZB die Zinsen im gemeinsamen Währungsraum immer weiter sinken werden. Inzwischen werfen Staatsanleihen im Volumen von 2,6 Billionen Euro Strafzinsen ab.

Könnte es aber passieren, dass trotz der stärkeren Geldschwemme die Zinsen steigen? Durchaus. Das zeigt das Beispiel Schweden eindrucksvoll. Weil die EZB mit der ständigen Lockerung der Geldpolitik die schwedische Notenbank dauernd unter Zugzwang bringt, lockert auch sie die Geldpolitik immer weiter und kauft immer mehr Staatsanleihen. Dennoch waren die Zinsen für zehnjährige schwedische Anleihen zwischen April und Juni von 0,21 Prozent auf 1,09 Prozent nach oben geschossen. Der Grund: Weil durch die massiven Käufe der Notenbank die Liquidität am Markt deutlich gesunken war, haben Investoren einen Zinsaufschlag dafür verlangt, dass sie in einem wenig liquiden Markt die Papiere halten. Ende Oktober hat die schwedische Notenbank ihr Anleihenkaufprogramm zum vierten Mal seit Februar aufgestockt, diesmal um 65 Milliarden Kronen (7,6 Mrd. Dollar) auf 200 Milliarden Kronen bis Mitte 2016.

Trotz der zunehmenden Anleihenkäufe der Notenbank tendieren die Zinsen seit vier Monaten lediglich seitwärts im Bereich von 0,75 Prozent. Bei verstärkten Anleihenkäufen durch die EZB könnte es zu ähnlichen Effekten wie in Schweden kommen – sprich die Zinsen könnten völlig überraschend deutlich steigen. Angesichts der hohen Schulden, die viele Verbraucher und Unternehmen der Eurozone haben, wären deutlich steigende Zinsen, selbst von dem aktuell sehr niedrigen Niveau aus, für den privaten Sektor ein enormes Problem. Hiervor können sich Anleger mit einem K.o.-Bear-Papier auf den Bund-Future schützen, etwa mit der WKN VS6URE. Das Papier legt an Wert zu, wenn der Bund-Future fällt, die Rendite also steigt - und zwar mit einem für Zinspapiere moderaten Hebel von 18.

Dieser Text stellt keinerlei Empfehlung da, die genannten Produkte zu kaufen oder zu verkaufen.

Quelle: n-tv.de

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