Rohstoffe
Wohon entwickelt sich der Ölpreis?
Wohon entwickelt sich der Ölpreis?(Foto: REUTERS)

Verlierer ist nicht nur Russland: Wehe, wenn der Ölpreis fällt

Von Egmond Haidt und Benjamin Feingold

Der Ölpreis bricht ein und das belastet die russische Wirtschaft erheblich. Doch inzwischen stehen auch andere Länder kräftig unter Druck. Förderprojekte werden unrentabel.

Deutliche Entspannung an der Sprit-Front: Nachdem der Preis für einen Liter Super im Juni deutschlandweit noch bei rund 1,60 Euro lag, kostet er aktuell nur mehr 1,45 Euro. Grund ist der Verfall der Ölpreise. Gegenüber dem 52-Wochen-Hoch aus dem Juni ist die Notierung der Nordöl-Sorte Brent um rund 25 Prozent gefallen auf 85,50 Dollar je Barrel. Der Rückgang ist den Regierungen der USA und anderer westlicher Länder nicht unwillkommen, bringt er doch Russland deutlich unter Druck - und verstärkt die beschlossenen Sanktionen.

Das Land erzielt rund die Hälfte seiner Steuereinnahmen aus dem Geschäft mit Öl und Gas. Laut den Schätzungen von Experten braucht Russland einen Preis von rund 100 Dollar je Barrel Öl, um den Staatshaushalt im nächsten Jahr auszugleichen. Die russische Sberbank hat ausgerechnet, dass ein Ölpreis von durchschnittlich 90 Dollar zu einem Haushaltsdefizit von 1,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts führen würde. Ein weiterer Rückgang um zehn Dollar, würde das Haushaltsdefizit um weitere rund 1,2 Prozentpunkte vergrößern. Je nachdem, wie tief der Preis weiter fällt, oder wie lange er auf dem niedrigen Niveau bleibt, könnte Russland gezwungen sein, die Staatsausgaben zu kürzen oder auf die eiserne Reserve aus dem Vermögen des heimischen Staatsfonds zurückzugreifen.

Norwegen unter Druck

Der Verfall des Ölpreises belastet allerdings nicht nur Russland, sondern auch Länder wie Norwegen. Die Ölförderung ist seit geraumer Zeit rückläufig, und bei einem niedrigen Ölpreis lohnt sich die Ölproduktion in manchen Gebieten nicht mehr. Außerdem drücken die hohen Lohnkosten in dem skandinavischen Land auf die Profitabilität von Förderprojekten, was der Staatskonzern Statoil zu spüren bekommt. Der Ölförderer steht für mehr als 70 Prozent der Öl- und Gasproduktion Norwegens. Statoil hatte bereits im Februar angekündigt, bei den Investitionen für den Zeitraum bis 2016 auf die Bremse zu treten und weitere Vermögenswerte zu verkaufen, um sich auf die profitabelsten Projekte zu fokussieren.

Interimschef Eldar Saetre hat zuletzt bekräftigt, dass der Ölmulti trotz des Wechsels des Ex-Vorstandschefs Helge Lund zum britischen Konkurrenten BG Group weiter an den bisherigen Kostensenkungsprogrammen festhalten werde. Dass Statoil kräftig auf die Bremse drückt und bis zu 1900 Jobs abbaut, bekommen auch Zulieferfirmen wie die norwegische Aker Solutions zu spüren. Nach dem Rückgang des Ölpreises dürften etliche Ölförderer neue Projekte erst einmal auf Eis legen. Die Statistikbehörde erwartet, dass die in Norwegen aktiven Unternehmen im nächsten Jahr die Ausgaben um 18 Prozent gegenüber dem 2014er-Rekord von 227 Milliarden Kronen (34 Mrd. Dollar) kürzen werden. Laut den Berechnungen des französischen Researchhauses IFP Energies Nouvelles könnte der Sektor seine Investitionen 2015 weltweit um acht Prozent senken. Der französische Ölmulti Total hat bereits im September angekündigt, dass die Investitionen im Jahr 2017 um elf Prozent unter dem 2013er-Niveau liegen sollen.

Bumerang erreicht die USA

Die Sanktionen des Westens gegen Russland sowie der Verfall der Ölpreise bekommen inzwischen auch die US-Ölindustrie und die kanadischen Ölsandförderer deutlich zu spüren. Einerseits profitiert die USA zwar von dem Rückgang des Ölpreises, weil die Importe günstiger werden. Andererseits bringt aber der niedrige Ölpreis die Unternehmen, die auf das Fracking setzen, erheblich unter Druck.

Laut den Berechnungen der Analysten des Brokers Sanford C. Bernstein wäre bei einem Preis von 80 Dollar je Barrel rund ein Drittel der Produktion aus dem Fracking-Bereich unwirtschaftlich. Der Traum vieler Experten, wonach die Produktion aus Fracking in den nächsten Jahren weiter nach oben schießen und damit die gesamte Öl-Produktion kräftig steigern werde, wäre damit ausgeträumt. Da der niedrige Ölpreis auch die großen Ölmultis in den USA belastet, bleibt fraglich, ob die Notierung auf Dauer auf dem aktuellen Niveau bleiben wird. Noch aber können Verbraucher die niedrigen Spritpreise genießen.

Quelle: n-tv.de

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