Rohstoffe
(Foto: REUTERS)

Anomalie lädt zum Einstieg ein: Platin ist preiswerter als Gold

Ein Gastbeitrag von Marco Garzetti

Platin kostet deutlich weniger als Gold. Das ist absolut ungewöhnlich. Der ultratiefe Preis spricht für den Kauf des Edelmetalls. Sportliche Anleger setzen auf Minenaktien.

Eine Feinunze Platin kostet zurzeit 1098 US-Dollar. Das ist so wenig wie seit gut sechs Jahren nicht mehr. Noch auffälliger ist, dass der Preis von Platin rund 6,3 Prozent unter dem von Gold notiert. In den vergangenen Jahren war es fast immer umgekehrt. Nur 2011 wurde Platin mit einem noch größeren Abschlag gehandelt. In der Spitze betrug er damals zwölf Prozent. Nach der Jahrtausendwende hatte das Edelmetall noch deutlich mehr als Gold gekostet. Auf dem Höhepunkt belief sich der Aufschlag auf rund 200 Prozent. Auch in den anderen Jahren war Platin fast immer teurer als Gold - im Durchschnitt rund 40 Prozent. Seit 1968 gab es nur sechs Jahre, in denen Platin tiefer als Gold notierte.

Die Konstellation, dass Platin weniger als Gold kostet, kommt nicht nur historisch betrachtet selten vor, sie ist auch fundamental kaum nachzuvollziehen. Während Gold gewissermaßen nicht verbraucht wird, – das Edelmetall wird zu fast 100 Prozent rezykliert – ist dies bei Platin sehr wohl der Fall. Das Edelmetall kommt außer bei der Schmuckherstellung vor allem in der Produktion von Fahrzeugkatalysatoren sowie bei der Herstellung von Laborgeräten und Zahnimplantaten zum Einsatz. Für Fantasie sorgt zudem die Verwendung in Elektroautos und in Fahrzeugen mit Brennstoffzelle. Das Edelmetall ist ausgesprochen korrosionsbeständig und lässt sich gut verarbeiten. 

Marco Garzetti verfügt über 15 Jahre Erfahrung als Investmentberater und Vermögensverwalter. Er ist Gründer und CEO der Swiss Fund Management AG und managt seit 2008 den flexiblen Mischfonds „Swiss Strategie – dynamisch“.
Marco Garzetti verfügt über 15 Jahre Erfahrung als Investmentberater und Vermögensverwalter. Er ist Gründer und CEO der Swiss Fund Management AG und managt seit 2008 den flexiblen Mischfonds „Swiss Strategie – dynamisch“.

Außerdem kommt Platin geologisch gesehen weitaus seltener vor als Gold. Die weltweite Produktion liegt nur bei etwa sechs Prozent der globalen Goldförderung. Der Markt ist also ausgesprochen überschaubar, was zu heftigen Preissprüngen führen kann. Schließlich lassen auch die enormen Probleme der Bergbauunternehmen einen höheren Platinpreis erwarten. Regelmäßige Streiks in Südafrika und stetig steigende Förderkosten sorgen für eine immer höhere Gewinnschwelle der Platin-Produzenten. Zurzeit kostet die Förderung von Platin in etwa 1150 US-Dollar pro Feinunze. Das sind rund fünf Prozent mehr als der aktuelle Platinpreis. Übersteigen die Förderkosten die Verkaufspreise auch längerfristig, führt dies wahrscheinlich zur Schließung unrentabler Minen und zur Verschiebung neuer Förder-Projekte. In Südafrika schreibt schon jetzt jeder zweite Platinproduzent rote Zahlen. Vom Kap stammen rund 60 Prozent der weltweiten Förderung. Sollte es hier zu Engpässen kommen, ist es fraglich, ob Russland, der zweitgrößte Platinförderer der Welt, in der Lage wäre, die Lücke zu schließen.

Gold short, Platin long

Noch ist von einer Verknappung nichts zu spüren. Anleger können aber schon heute darauf setzen, dass sich die Preisdifferenz zwischen Platin und Gold wieder normalisiert. Das würde entweder einen sinkenden Gold- und/oder einen steigenden Platinpreis bedeuten. Am einfachsten lässt sich Platin über einen mit dem Edelmetall unterlegten ETC kaufen – zum Beispiel über den von ETFS Metal Securities (WKN A0N62D). Dabei sollten Anleger unbedingt den Wechselkurseffekt beachten. Denn Platin wird in US-Dollar gehandelt. Da der Greenback gegenüber dem Euro seit Mitte 2014 spürbar aufgewertet hat, fielen die Verluste von Platin-Investments, die wie der genannte ETC auf Euro lauten, geringer aus als beim Edelmetall selbst. Für Anleger, die den Schweizer Franken als Referenzwährung bevorzugen, kommt der ZKB Platinum ETF infrage (WKN A1JXTM). Sein Preis von rund  317 Schweitzer Franken entspricht in etwa dem von neun Gramm Platin. Auch hier sind mögliche Wechselkursschwankungen zwischen Schweizer Franken und US-Dollar zu beachten.

Anlegern mit höherer Risikotoleranz bietet sich auch ein Einstieg in die Minengesellschaften an. Da der südafrikanische Rand und der russische Rubel zuletzt deutlich abgewertet haben, sind die Förderkosten zumindest nicht noch stärker gestiegen als dies schon ohnehin der Fall war. Zu den bekanntesten Platinproduzenten zählen Anglo American Platinum (WKN 856547), Impala (WKN 164676) und Lonmin (WKN 856046). Die drei Gesellschaften sollten von einer möglichen Erholung des Platinpreises überproportional profitieren.

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Quelle: n-tv.de

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