Rohstoffe
Kann sich der Ölpreis aus dem schwarzen Loch hervorarbeiten?
Kann sich der Ölpreis aus dem schwarzen Loch hervorarbeiten?(Foto: imago/ZUMA Press)

Es geht abwärts: Ölpreis sucht Weg aus schwarzem Loch

Von Egmond Haidt

Der Ölpreis ist auf ein Mehrjahrestief abgeschmiert und sendet damit starke Warnsignale in Sachen Zustand der Weltwirtschaft. Die ölproduzierenden Länder finden keine gemeinsame Linie – bleibt auch 2016 der Ölpreis unter Druck?

Der Verfall des Ölpreises scheint kein Ende zu nehmen: Gegenüber dem Stand von vor einem Jahr ist er um rund 35 Prozent eingebrochen und notiert damit auf dem Niveau von Anfang 2009. Beschleunigt hat sich der Abwärtstrend nach dem Treffen der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) am 4. Dezember in Wien. Denn sie hatte die Obergrenze für die Fördermenge von 30 auf 31,5 Millionen Barrel erhöht. Damit hat die Opec zwar nichts anderes getan, als die Grenze auf das Niveau anzupassen, auf dem die Förderung ohnehin bereits liegt – nämlich bei 31,5 Millionen Barrel. Die Opec pumpt schon länger mehr von dem Rohstoff als eigentlich anvisiert war.

Dennoch ist das eine schlechte Nachricht für den Ölmarkt, denn viele Investoren hatten gehofft, dass sich die Opec angesichts des enormen Überangebots und des Preisverfalls zumindest auf eine leichte Drosselung der Produktion einigen könnte. Der Großteil der Anbieter auf dem Weltmarkt habe "überhaupt keine Obergrenze", sagte der irakische Ölminister Adel Abdul Mahdi. "Amerika hat keine Obergrenze, Russland hat keine Obergrenze. Warum soll die Opec eine haben?"

Nach der Entscheidung der Opec "macht jeder was er will", sagte sein iranischer Kollege Bijan Namdar Zanganeh. Dabei gibt es derzeit schon ein weltweites Überangebot von rund zwei Millionen Barrel pro Tag. Das belastet neben den Opec-Mitgliedern auch Länder wie Russland, das eine bedeutende Ölindustrie hat.

Damit nicht genug: Jüngst gab die Opec bekannt, dass die Förderung im November um 0,2 auf 31,7 Millionen Barrel gestiegen war, was für neue Schockwellen am Ölmarkt gesorgt hat. Denn das war der höchste Wert seit April 2012. Verantwortlich für das Plus war die Rekordförderung im Irak.

Das enorme Überangebot führt dazu, dass die weltweiten Öllager immer voller werden. Derzeit liegen die Lagervorräte mit rund drei Milliarden Barrel bereits auf einem Rekordhoch. Das führt dazu, dass zusehends Öl auf Schiffen gelagert wird. Nachdem die Kosten für die Tankerraten aber nach oben geschossen sind, rechnet sich das immer weniger, zumal der Ölpreis weiter fällt.

Eine Entspannung der Lage am Ölmarkt ist nicht in Sicht. Denn der Iran will nach dem möglichen Ende des Ölembargos ab Anfang nächsten Jahres die Produktion zügig um bis zu eine Million Barrel erhöhen. Der Ölpreis kommt damit von zwei Seiten in die Klemme: Einerseits steigt das Angebot immer weiter. Andererseits dämpft die schwache Weltwirtschaft die Nachfrage nach Öl.

In dem schwierigen Umfeld kommt auf Saudi-Arabien eine große Bedeutung zu, verfügt das Land doch über hohe Währungsreserven, um kurzfristig weitere Einnahmeausfälle verkraften zu können. Ein weiterer Rückgang des Ölpreises hätte jedoch massive Folgen für das Land. Weil die Einnahmen aus dem Ölgeschäft fast 80 Prozent der Steuereinnahmen ausmachen, und sie deutlich sinken, soll das Haushaltsdefizit im laufenden Jahr auf fast 20 Prozent der Wirtschaftsleistung nach oben schießen. Entsprechend schmelzen die Währungsreserven des Landes dahin wie Eis in der Wüstensonne. Nachdem sie Mitte 2014 noch bei rund 730 Milliarden Dollar lagen, sind es aktuell nur mehr rund 650 Milliarden Dollar.  

Renminbi-Abwertung birgt enormes Risiko

Von großer Bedeutung für die Entwicklung des Ölpreises ist zudem, ob China den Renminbi weiter kräftig gegenüber dem Dollar abwertet. Das würde zwar der chinesischen Wirtschaft helfen, aber die Weltwirtschaft weiter schwächen und damit für neue Turbulenzen am Aktien-, Währungs- und Rohstoffmarkt sorgen.

China kann seine Produkte billiger auf dem Weltmarkt anbieten, womit andere exportstarke Länder, etwa aus Asien oder Deutschland, noch mehr unter Druck kommen würden. Die Analysten der Bank of America Merrill Lynch sehen hierin einen Risikofaktor für 2016 und schreiben: "Sollte China seine Währung stärker abwerten als derzeit am Markt eingepreist ist, könnte der Ölpreis weiter fallen. Entsprechend könnte sich der Rückgang der saudischen Währungsreserven auf 18 Milliarden Dollar pro Monat beschleunigen, falls der Preis der Nordsee-Sorte Brent auf 30 Dollar im Schnitt fallen sollte. Das würde die Möglichkeit des Königreichs, die Kopplung des saudischen Rial an den Dollar aufrecht zu halten, erheblich reduzieren", so die Finanzprofis.

Der Rial ist zu einem Kurs von 3,75 Rial je Dollar an den Dollar gekoppelt. "Eine Abwertung des Renminbi könnte schlussendlich die Saudis zum Handeln zwingen. Eine Abkoppelung des Rial ist der größte schwarze Schwan für den weltweiten Ölmarkt im Jahr 2016." Falls es zu einer Abkoppelung kommen sollte, "könnte der Ölpreis auf 25 Dollar je Barrel kollabieren", meinen die Analysten. Die Perspektiven für den Ölpreis bleiben daher trüb. ein Boden bei der Öl-Notierung des Rohstoffs ist noch nicht zu erkennen.

Quelle: n-tv.de

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