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Ein Pumping-Jack in der Nähe von Denver, Colorado.
Ein Pumping-Jack in der Nähe von Denver, Colorado.(Foto: REUTERS)

Ölpreis fällt wieder ins Minus: Ist die Mini-Rally schon vorbei?

Von Samira Lazarovic

Der Jubel kam zu früh: Der Ölpreis bricht seinen Höhenflug nach einem Plus von 19 Prozent in vier Tagen ab. Lässt die Bodenbildung weiter auf sich warten? Nicht unbedingt, wenn man einem Opec-Mitglied Glauben schenkt.

Das Ende vom vermeintlichen Ende der monatelangen Talfahrt: Die Ölpreise sind zur Wochenmitte nach vier aufeinanderfolgenden Tagesgewinnen wieder gefallen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete 57,74 Dollar und damit 16 Cent weniger als am Dienstag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate, WTI, fiel gar um 64 Cent auf 52,39 Dollar.

Grund für die Rückkehr der Zweifler am Ölmarkt waren unter anderem die hohen Lagerbestände in den USA. Laut dem American Petroleum Institute (API) stiegen die US-Rohölbestände in der abgelaufenen Woche um rund sechs Millionen Barrel und damit fast doppelt so stark wie gedacht. Zum anderen kamen aus der chinesischen Wirtschaft schlechte Nachrichten. Die Aktivität auf dem chinesischen Dienstleistungssektor ist im Januar auf das schwächste Niveau seit sechs Monaten abgerutscht. Der von HSBC ermittelte Einkaufsmanagerindex sank auf 51,8 Punkte. Damit ist er zwar noch auf Wachstumskurs, jedoch bedeutend schwächer als im Dezember mit 53,4 Punkten.

Analysten glauben nun, dass die Anlegergemeinde die zurückgefahrenen Investitionen der Ölriesen und den Effekt auf den Markt überbewertet haben. "Die Produzenten haben ihre am wenigsten produktiven Öltürme abgestellt – das bedeutet aber, dass die produktivsten weiterhin das Öl pumpen", heißt es nun. Zudem schlössen Raffinerien üblicherweise im Februar und März ihre Anlagen, um Wartungsarbeiten durchzuführen.

Was weiß die Opec?

Muss sich der Markt nun von der Idee der Bodenbildung wieder verabschieden? Nicht, wenn es nach Opec-Generalsekretär Abdullah al-Badri geht. Der Markt müsse beim Ölpreis nicht nach dem Boden suchen, weil die Bodenbildung bereits abgeschlossen sei, zitierte CNN Money al-Badri. "Mit Preisen um 45 bis 55 US-Dollar werden wir schon bald einen Rebound sehen", so der Opec-Vertreter. Der Libyer al-Badri schließt selbst künftige Preise von 200 Dollar pro Barrel nicht aus.

Allerdings will die mächtige Opec nicht eingreifen, um den Markt zu retten. Sprich: Das Kartell hält an seiner Entscheidung, die Produktion nicht zu drosseln, fest. Die Opec-Länder hatten bislang trotz der rasant fallenden Ölpreise ihre Förderung hoch gelassen. Es wurde vermutet, dass die Länder unter der Führung von Saudi-Arabien die US-Schieferölindustrie mit Kampfpreisen aus den Markt drängen und/ oder das bereits durch Sanktionen geschwächte Russland weiter unter Druck setzen wollen. Die Opec wies bislang politische Absichten zurück. Auch al-Badri versicherte, dass die Opec lediglich auf die selbstregulierenden Kräfte des Marktes setze. Auf die Nachfrage des CNN-Money-Moderators, ob die Opec hier nicht ein hartes Spiel spiele, lachte der Generalsekretär nur freundlich: "Vielleicht tue man dies."

Bis sich der Markt von alleine berappelt, könnte es eine Weile dauern. Die Chartanalysten von Wellenreiter-Invest erwarten derzeit eine Entwicklung wie 1985/1986. Damals fiel der Preis von über 30 auf unter 10 Dollar je Barrel. Nach einem ersten Tief im April 1986 tendierte der Ölpreis dann unter hohen Schwankungen zwischen knapp 10 und gut 15 Dollar seitwärts, ehe nach einem zweiten Tief im Juli eine gut einjährige Erholungsphase einsetzte, in der sich der Ölpreis mehr als verdoppelte. Bis dahin können sich die Anleger mit den günstigen Benzinpreisen an der Tankstelle trösten.

Quelle: n-tv.de

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