Rohstoffe
(Foto: REUTERS)

Sicherer Hafen gesucht: Im Crash beginnt Gold zu glänzen

Von Egmond Haidt

Während die Aktienmärkte rund um den Globus kräftig einbrechen, wird der Goldpreis seinem Ruf als sicherer Hafen gerecht und klettert auf ein Mehrwochenhoch. In den vergangenen Jahren waren solche Erholungen nur ein Strohfeuer – diesmal dürfte es anders sein.

Jetzt schlägt die Stunde der Goldfans. Auf ein Neun-Wochen-Hoch von rund 1.000 Dollar je Unze ist der Goldpreis geklettert: Das Edelmetall kommt damit seiner Bedeutung als sicherer Hafen in Krisenzeiten eindrucksvoll nach. Und die dunkelroten Börsenampeln zeigen unmissverständlich an, dass es am Finanzmarkt etliche Brandherde gibt. Wegen der schwachen Konjunktur wertet China den Renminbi immer weiter ab. Das belastet andere exportabhängige Volkswirtschaften Asiens, aber auch Deutschland.

Dass die Weltwirtschaft alles andere als rund läuft, zeigt der Ölpreis, der sich nun der 30 Dollarmarke annähert. Die in diesem Sektor aktiven Unternehmen und Länder streichen die Investitionen zusammen, was die daran hängenden Branchen, wie den Immobilien- oder Autosektor, schwer belasten. Für die weitere Entwicklung hängt vieles an der Geldpolitik, insbesondere in den USA.

Was macht die Fed?

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Denn die Chefin der US-Notenbank Fed, Janet Yellen, hat just zu dem Zeitpunkt die Leitzinsen das erste Mal erhöht, als viele Konjunkturdaten auf Talfahrt gegangen sind und teilweise schon seit etlichen Quartalen unter dem Vorjahresniveau liegen. Die schwachen Zahlen deuten darauf hin, dass die US-Wirtschaft bereits in der Rezession ist.

Bislang sind viele Analysten davon ausgegangen, dass die Fed im laufenden Jahr die Zinsen um insgesamt 50 Basispunkte anheben wird. Sollte der Kursrückgang am US-Aktienmarkt aber weitergehen und der Dollar weiter kräftig aufwerten, womit sich die Exportperspektiven der US-Unternehmen noch stärker eintrüben, dürfte Yellen innerhalb weniger Monate umschwenken und bei der übernächsten Notenbanksitzung am 16. März die Zinsen nicht ein zweites Mal erhöhen, sondern Zinsanhebungen auf Eis legen. Eine komplette Trendwende in der Geldpolitik ist sogar möglich, selbst der Beginn eines neuen Anleihenkaufprogramms. Das wäre dann QE4.

Schutz im Bärenmarkt

Die Analysten der UBS erwarten mittelfristig ein solches Gelddruckprogramm und kurzfristig einen Kurseinbruch am US-Aktienmarkt. Daraufhin werde Yellen eine Kehrtwende einläuten. "Selbst wenn wir im ersten Halbjahr 2016 eine oder zwei weitere Zinserhöhungen sehen werden, sowie einen Bärenmarkt von 20 bis 30 Prozent (bei US-Aktien) gegen Ende 2016 oder Anfang 2017, ist es sehr wahrscheinlich, dass die US-Notenbank eine große Kehrtwende einleiten wird. Anfänglich sollten die Zinserhöhungen zurückgedreht werden und wir gehen davon aus, dass die Fed schließlich und endlich QE4 starten wird", schreiben die Analysten.

"Wir erwarten, dass Gold und Goldminen 2016 den Boden eines achtjährigen Zyklus erreichen werden und die Basis für den nächsten mehrjährigen Bullenmarkt legen werden. Anfänglich dürfte Gold als sicherer Hafen profitieren und ab 2017 davon, dass der Dollar einen bedeutenden Höhepunkt erreicht und anschließend einen Bärenmarkt startet." Ein Bärenmarkt ist ein Rückgang um mehr als 20 Prozent gegenüber dem vorherigen Hoch.

Ein deutlicher Rückgang des Dollar sollte den Goldpreis nachhaltig beflügeln. Sollte der Wert des Dollar nämlich sinken, müssen Anleger immer mehr Dollar für eine Unze Gold auf den Tisch legen.

Pessimistische Spekulanten

Die kurzfristige Entwicklung des Goldpreises wird aber am Derivate-Markt entschieden. In den vergangenen Monaten haben die Spekulanten die Zahl der Futures und Optionen, mit denen sie auf steigende Kurs (Long) setzen, drastisch abgebaut, während die Zahl auf sinkende Kurse (Short) immer weiter aufgestockt worden ist. Inzwischen gibt es eine Rekord-Netto-Shortposition von 24.243 Unzen, das heißt, dass mit viel mehr Derivaten auf fallende als auf steigende Kurse bei Gold gesetzt wird. Üblicherweise gibt es aber eine deutliche Netto-Long-Position. Sollte die Erholung des Goldpreises weitergehen, wären die Spekulanten gezwungen, ihre Verluste zu begrenzen und sich einzudecken. Das würde der Notierung des Edelmetalls einen zusätzlichen Schub geben.

Anhaltende Turbulenzen an den Aktienmärkten dürften also den Goldpreis weiter stützen. In den nächsten Monaten wird aber die Fed für den Preis des gelben Metalls entscheidend sein. Wenn sie umschwenkt und innerhalb weniger Monate QE4 startet, woraufhin der Dollar aufgrund der Geldschwemme nach unten drehen sollte, dürfte es beim Goldpreis eine nachhaltige Trendwende nach oben geben.

Quelle: n-tv.de

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