Rohstoffe
Gold gewinnt wieder an Dichte.
Gold gewinnt wieder an Dichte.(Foto: REUTERS)

Hilfe aus der Schweiz und China : Goldpreis stabilisiert sich

Von Daniel Saurenz

Am 30. November findet in der Schweiz die Volksabstimmung "Rettet unser Schweizer Gold" statt. Auch wenn die Erfolgsaussichten gering sind, ist es eines der Topthemen am Rohstoffmarkt. Unterstützung bekommt der Goldpreis jedoch auch von ganz anderer Seite.

Am Dienstag gab Gold minimal nach und hielt damit das Gros der jüngsten Gewinne. Der Preis für die Feinunze notierte mit 1.197 Dollar rund 3 Dollar unter dem Schlusskursniveau vom Freitag. "Der Goldpreis hat die Gewinne aus der Vorwoche größtenteils verteidigt", merkten die Heraeus-Analysten an. Auch die Unterstützung bei 1.180 Dollar erweise sich weiter als tragfähig.

Viele Investoren am Goldmarkt warten nun gespannt auf den 30. November. "Nur Gold kann das Fundament eines stabilen Frankens sein", argumentieren die Initiatoren der Volksinitiative "Rettet unser Schweizer Gold". Die Macher der Volksbegehrens haben Sorge, dass das kräftige Gelddrucken der Schweizer Notenbank (SNB) den Franken langfristig schwächen wird, zumal die SNB bei einer anhaltend schwachen Wirtschaft in der Euro-Zone noch mehr Franken drucken könnte, um eine Aufwertung des Franken zu verhindern. Wenn das Volksbegehren Erfolg hat, darf die SNB künftig kein Gold mehr verkaufen. Zudem hat die SNB zwei Jahre Zeit, um das im Ausland gelagerte Gold zurück in die Schweiz zu holen.

Kaufdruck für die Schweizer Nationalbank

Die SNB muss außerdem künftig 20 Prozent ihrer Vermögenswerte in Gold halten. Um diesen Wert zu erreichen hat die SNB insgesamt fünf Jahre Zeit. Nachdem die SNB in den vergangenen Jahren im Milliarden-Volumen Euro gekauft hatte, ist die Bilanzsumme der Notenbank auf 522 Milliarden Franken hochgeschossen. Der Anteil des Goldbestands ist dabei auf weniger als acht Prozent gesunken. Laut den Berechnungen von Analysten müsste die SNB je nach Goldpreis in den nächsten fünf Jahren insgesamt 1500 bis 1800 Tonnen des Edelmetalls kaufen. Das wären mindestens 300 Tonnen im Schnitt pro Jahr. Angesichts einer weltweiten Nachfrage von 4000 Tonnen pro Jahr wären die potenziellen Käufe der SNB eine ganze Menge. Zumal die Bestände sämtlicher weltweiten Gold-ETCs wegen der massiven Verkäufe auf nur mehr rund 1600 Tonnen gesunken sind. Bei einem Erfolg der Gold-Initiative gäbe es praktisch immer Nachfrage nach physischem Gold. Das könnte für einen kräftigen Anstieg des Preises sorgen.

Banken sind gegen die Initiative

Die SNB stemmt sich mit aller Macht gegen das Volksbegehren, denn es würde den Handlungsspielraum der SNB einengen. Sie hätte künftig nicht mehr die Möglichkeit unbegrenzt Franken zu drucken und so den Franken zu schwächen. Etliche Banken stoßen in das gleiche Horn. "Was bedeutet das Zusammenspiel aus Verkaufsverbot und 20-Prozent-Pflichtgoldanteil für die Geldpolitik der SNB? Diese beiden Punkte grenzen den Handlungsspielraum der SNB bedeutend ein und erschweren es der SNB, ihr Mandat zu erfüllen: Preisstabilität im Sinne eines Anstiegs der Konsumentenpreise von weniger als 2 Prozent pro Jahr", schrieben die Analysten der Commerzbank zuletzt. Die Kollegen von Swiss & Global Asset Management hauen in die gleiche Kerbe: ein "Erfolg der Goldinitiative würde den Handlungsspielraum der SNB stark einschränken." Die 8,2 Millionen Schweizer dürften allerdings kein Interesse daran haben, dass die SNB den Wert des Franken künstlich drückt, denn dann müssen die Schweizer mehr Geld für den Import ausländischer Güter auf den Tisch legen. Daran können die Verbraucher kein Interesse haben. Allerdings stehen die Chancen für das Volksbegehren derzeit schlecht, eine Ablehnung ist daher sehr wahrscheinlich.

Honig saugt der Goldpreis zurzeit aus einer anderen Quelle. Denn die EZB hat weitere geldpolitische Lockerungsschritte – womöglich noch auf der Dezembersitzung – angekündigt. Das heizt die Inflation an und stützt den Goldpreis, der die psychologisch wichtige Marke von 1200 US-Dollar zu überwinden versucht.

China hilft dem Goldpreis

Die Erholung beim Goldpreis hat aber noch einen anderen Grund: Zuletzt stärkte die chinesische Notenbank ihm den Rücken durch die überraschende Maßnahme vom Freitag, die Zinsen zu senken. Der Schritt zeigt, dass sich das Wirtschaftswachstum im Reich der Mitte deutlich abgekühlt hat und die Notenbank alles tun wird, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. In den vergangenen zwei Jahren hat man eher moderate geldpolitische Schritte unternommen, um die chinesische Konjunktur zu stützen. Das könnte dem Goldpreis mittelfristig auf die Sprünge helfen, denn neben der japanischen Notenbank und der EZB dürfte nun auch die chinesische Notenbank weiter Gas geben und die Geldmenge kräftig ausweiten. Dann rückt Gold als Wertaufbewahrungsmittel wieder stärker in den Fokus der Investoren.

Quelle: n-tv.de

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