Der Goldpreis ist derzeit unter Druck.
Der Goldpreis ist derzeit unter Druck.(Foto: picture alliance / dpa)

Trotz Italien keine Flucht in Sicherheit: Goldpreis mit neuen Tiefschlägen

Von Egmond Haidt und Benjamin Feingold

Der Goldpreis ist auf ein Zehn-Monats-Tief abgerutscht. Zuletzt gab es Gegenwind vom Rentenmarkt. Wie geht es weiter, nicht zuletzt nach dem bevorstehenden Referendum in Italien?

Der Kursrückgang des Goldpreises beschleunigt sich: Seit dem Wahlsieg von Donald Trump ist die Notierung um knapp zehn Prozent gesunken. Gegenüber dem Jahreshoch vom Juli steht damit ein Minus von insgesamt 15 Prozent zu Buche. Investoren erwarten, dass Trump mit einem billionenschweren Konjunkturprogramm die US-Wirtschaft kräftig ankurbeln und damit die seit Jahren lahmende Inflation deutlich anheizen wird.

Daher schießen die Zinsen nach oben und ziehen im Fahrwasser den Dollar mit nach oben. Steigende Zinsen bedeuten kräftigen Gegenwind für Gold, denn das Edelmetall wirft keine Zinserträge ab und hat daher einen erheblichen Zinsnachteil.

China und Indien belasten Goldpreis

Außerdem sorgten zuletzt Nachrichten, China könnte die Goldimporte begrenzen, für zusätzlichen Druck auf die Edelmetall-Notierung. Nachdem der chinesische Renminbi auf ein Acht-Jahres-Tief gegenüber dem Dollar abgerutscht war, versucht die chinesische Regierung, die Kapitalflucht aus dem Land einzudämmen. Daher bekommen Banken Probleme bekommen, eine Genehmigung für den Import von Gold zu bekommen. Sollte China die Goldimporte verringern, hätte das erheblichen Einfluss auf den Preis des Edelmetalls, ist das Land doch mit rund 1000 Tonnen pro Jahr der größte Nachfrager nach Gold. Die weltweite Nachfrage liegt bei rund 4200 Tonnen.

Zuvor war bei Investoren bereits die Sorge hochgekocht, dass Indien den Import von Gold einschränken könnte. Ministerpräsident Narendra Modi will Indien zu einer bargeldlosen Gesellschaft machen und hat dazu am 8. November in einer Nacht- und Nebelaktion alte Scheine mit einer Stückelung von 500 Rupien (7,3 Dollar) und 1000 Rupien abgeschafft. Die Inder müssen daher die alten Scheine umtauschen, oder das Geld auf Konten einzahlen. Etliche Investoren befürchten, dass Indien, den Import von Gold deutlich einschränken könnte, um zu verhindern, dass die Sparer auf Gold ausweichen. Das hätte erhebliche Auswirkungen auf den Preis, ist das Land doch mit einer Nachfrage von rund 850 Tonnen pro Jahr die weltweite Nummer zwei.

Designierter US-Finanzminister treibt Dollar an

Kurzfristig dürfte die Entwicklung des Goldpreises aber weiterhin stark vom Dollar und damit von den US-Zinsen abhängen. Sie waren deutlich nach oben geklettert, nachdem der designierte US-Finanzminister Steven Mnuchin angedeutet hatte, dass er über die Ausgabe von sehr langlaufenden US-Anleihen mit einer Laufzeit von 50 oder 100 Jahren nachdenkt.

Hochrechnungen zufolge werden Trumps Pläne für ein Infrastrukturprogramm von einer Billion Dollar und billionenschwere Steuersenkungen dafür sorgen, dass die US-Staatsschulden in den nächsten zehn Jahren um zusätzliche 5,3 Billionen Dollar steigen werden. Dabei klettern die Schulden derzeit um rund 75 Milliarden Dollar pro Monat, also rund 900 Milliarden pro Jahr. Mnuchin will sich die trotz des jüngsten Anstiegs immer noch sehr niedrigen Zinsen für 50 oder gleich 100 Jahre sichern. Nach seinen Andeutungen waren die Zinsen für zehnjährige Anleihen auf mehr als 2,4 Prozent nach oben gehüpft, und jene für 30jährige auf mehr als drei Prozent.

"Das stärkt den Dollar, weil die Zinsen in Europa oder Japan langsamer steigen", erklärt Dr. Klaus Bauknecht, Chef-Volkswirt der IKB, Deutsche Industriebank. "Dadurch wird der Zinsaufschlag für US-Anleihen gegenüber Papieren aus der Euro-Zone oder Japan immer größer, wodurch die Nachfrage nach US-Anleihen und damit dem Dollar zunimmt", so Bauknecht weiter. Bislang hat das US-Finanzministerium noch nie eine Anleihe mit mehr als 30 Jahren Laufzeit emittiert, wobei die durchschnittliche Laufzeit der US-Staatsanleihen derzeit bei 5,7 Jahren liegt.

Blicke gehen nach Italien

Viele Gold-Fans warten nun gespannt auf das Referendum in Italien am Sonntag. Sollte der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi verlieren, - wovon zunehmend mehr Investoren ausgehen -, könnte der Goldpreis kurz steigen. Allerdings dürfte die EZB auf die Turbulenzen am Anleihenmarkt reagieren und verstärkt italienische Anleihen kaufen. Daraufhin könnte der Euro gegenüber dem Dollar weiter fallen. Ein steigender Dollar bedeutet aber Gegenwind für den Goldpreis, weshalb er selbst bei einer Niederlage Renzi’s, abgesehen von einem kurzen Ausreißer, unter Druck bleiben könnte.

Sollte es nach der Dollar-Rally der vergangenen Monate zu einer Korrektur des Greenbacks kommen, dürfte sich der Goldpreis wieder erholen. Wie nachhaltig die Erholung sein wird, dürfte neben der Entwicklung des Dollar auch von den Nachrichten aus China und Indien abhängen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen