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(Foto: REUTERS)

Trübe Perspektiven: Der Bärenmarkt bei Öl hat erst begonnen

Von Egmond Haidt

Nach dem rasanten Anstieg korrigert der Ölpreis wieder kräftig. Dafür gibt es etliche Gründe. Investoren am Ölmarkt dürften vor allem eine Zahl im Auge behalten.

Gute Nachrichten für Autofahrer: Just zu Ferienbeginn in etlichen Bundesländern beschleunigt sich der Abwärtstrend beim Ölpreis. Für neuen Verkaufsdruck haben zuletzt die Daten des US-Energieministeriums gesorgt. So waren in der vergangenen Woche die US-Öllagervorräte um 1,7 Millionen Barrel gestiegen, anstatt wie von Volkswirten vorhergesagt, um 2 Millionen zu sinken. Die Lagervorräte sind damit auf 521,1 Millionen Barrel geklettert und liegen um mehr als 100 Millionen Barrel über dem Fünfjahresschnitt.

"Verschärft wird der Preisdruck dadurch, dass die Vorräte nicht nur in den USA, sondern weltweit extrem hoch sind", erklärt Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets. "Laut den Daten der International Energy Agency (IEA) sind die Vorräte in den Industriestaaten zuletzt mit 3,07 Milliarden Barrel auf neue Rekordhochs gestiegen", so Stanzl weiter. Wurde vor Jahren noch ein Versiegen der Ölquellen als Krisenszenario ausgemalt, ist heute das Gegenteil der Fall – Öl im Überangebot.

Anleger schauen auch sorgenvoll auf die Benzinvorräte der USA, die immer weiter anschwellen. In der vergangenen Woche waren sie um 0,5 Millionen Barrel auf 241 Millionen geklettert und liegen damit auf dem für diese Jahreszeit höchsten Niveau seit 1984. Weil die Benzinlager zunehmend voller werden, müssten die US-Raffinerien eigentlich die Produktion drosseln.

Stattdessen stellen sie bereits jetzt und damit etwas früher als üblich die Produktion auf Wintersorten um. Damit "lösen" die Raffinerien ihre Probleme zwar kurzfristig. Auf mittlere Sicht werden sie aber verschärft, weil je früher die Raffinerien auf Wintersorten umstellen, umso schneller werden diese Lager volllaufen - und umso größer werden die Probleme der Raffinerien im weiteren Verlauf des Jahres und verstärken damit den Druck auf den Ölpreis.

Anleger setzen auf sinkende Ölpreise

Diese Sorgen spiegelt die Notierung des Rohstoffs zusehends wider. Gegenüber dem 52-Wochen-Hoch vom Juni ist der Preis um mehr als 20 Prozent gesunken und befindet sich damit offiziell im Bärenmarkt. Der Abwärtstrend dürfte weitergehen. Einerseits ist die US-Ölproduktion zuletzt auf 8,52 Millionen Barrel pro Tag gestiegen und sorgt damit für ein anhaltendes Überangebot. Andererseits sinkt die Ölnachfrage in den USA üblicherweise ab Mitte Juli bis Ende September aus saisonalen Gründen deutlich.

Anleger reagieren daher zusehends auf die sich eintrübenden Perspektiven für den Ölpreis. Daher sind in der vergangenen Woche die Zahl der Futures und Optionen, mit denen Anleger auf sinkende Kurse (Short-Positionen) setzen, um insgesamt 27.701 auf 141.237 gestiegen. Wenn man von den Long-Positionen (auf steigende Kurse) die Short-Positionen abzieht, ist die Netto-Long-Position auf nur mehr 156.804 gesunken. Diese für Investoren so bedeutende Zahl liegt um rund ein Drittel unter dem Rekordhoch von Ende April. Sollte der Trend zu noch mehr Short-Positionen an Dynamik gewinnen, könnte der Ölpreis auch bald Kurse von unter 40 US-Dollar wieder in Angriff nehmen.

Quelle: n-tv.de

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