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Dienstag, 20. Dezember 2016

Düstere Aussichten für US-Börsen: Zinsen steigen, Aktien fallen

Ein Gastbeitrag von Willi Ufer

Die Börsen feiern die Wahl von Donald Trump zum nächsten US-Präsidenten. Das könnte sich bald ändern. Denn es drohen höhere Zinsen – und die sind Gift für höhere Aktienkurse.

Donald Trump will als US-Präsident in den kommenden zehn Jahren für Investitionen von 1000 Milliarden Dollar in die marode amerikanische Infrastruktur sorgen. Doch schon heute ist die Bauwirtschaft in den USA weitgehend ausgelastet. Gut erkennbar ist das an den Löhnen: Die sind in den USA zuletzt um fast drei Prozent gestiegen. Außerdem hat Trump im Wahlkampf angekündigt, bis zu drei Millionen Mexikaner aus den Vereinigten Staaten ausweisen. Doch schon heute mangelt es in den Vereinigten Staaten an Fachkräften. Sollte Trump seine Ankündigung wahrmachen,  dürfte das für weiter steigende Löhne und damit für mehr Inflation sorgen.

Dazu kommt, dass der wieder erholte Ölpreis zumindest im Januar und Februar die Teuerungsrate zusätzlich anheizen wird. So kostete Öl der Referenzsorte WTI Anfang 2016 im Tief nur 26,21 US-Dollar pro Fass. Heute notiert es in etwa doppelt so hoch. Dieser Basiseffekt wird Anfang 2017 auf die Inflationsrate durchschlagen

Gleichzeitig will der künftige US-Präsident die Steuern für Unternehmen und Privatleute um insgesamt 5000 Milliarden Dollar senken. Da nach dem jetzigen Stand nur ein Teil dieser Maßnahme durch Einsparungen gegenfinanziert werden soll, dürfte die Staatsverschuldung wieder stärker steigen. Bis zur vereinbarten Obergrenze besteht noch Luft. Und die Republikaner verfügen sowohl im Abgeordnetenhaus als auch im Senat über die Mehrheit, so dass sich eine möglicherweise notwendige Anhebung der Schuldenobergrenze ohne Probleme bewerkstelligen ließe.

Inflation kommt

Willi Ufer agiert bei der Wertefinder Vermögensverwaltung als CEO und verantwortet das Portfoliomanagement und die Kundenbetreuung. Zuvor verwaltete der Diplom-Kaufmann Fonds mit einem Volumen von vier Milliarden Euro.
Willi Ufer agiert bei der Wertefinder Vermögensverwaltung als CEO und verantwortet das Portfoliomanagement und die Kundenbetreuung. Zuvor verwaltete der Diplom-Kaufmann Fonds mit einem Volumen von vier Milliarden Euro.

Steigende Löhne, teureres Öl und daraus resultierend eine höhere Inflationsrate sowie wachsende Staatsschulden – in Summe sind das handfeste Gründe für die amerikanische Notenbank Fed, die Leitzinsen weiter zu erhöhen. Nach dem Zinsschritt im Dezember liegen diese jetzt im Bereich von 0,5 bis 0,75 Prozent. Nach dem derzeitigen Stand will die Fed die Leitzinsen im kommenden Jahr drei weitere Mal erhöhen. Ende 2017 sollen sie im Bereich von 1,4 Prozent liegen. Absolut betrachtet ist das noch nicht viel. Der relative Anstieg hat es aber in sich. Und vielleicht steigen die Zinsen ja noch stärker als gedacht.

Bei US-Hypothekendarlehen haben die Konditionen bereits kräftig angezogen. Und zehnjährige amerikanische Staatsanleihen rentieren mit 2,6 Prozent in etwa doppelt so hoch wie im Tief Anfang Juli. Negativ-Zinsen gehören erst einmal der Vergangenheit an.

Da sich die Kurse von Anleihen und deren Rendite in entgegengesetzter Richtung entwickeln ist klar, dass steigende Zinsen an den Rentenmärkten für Verluste sorgen. Davon sind auch Renten- und Mischfonds betroffen, die in Anleihen investieren.

Auch Aktien leiden

Höhere Zinsen sind – zumindest mittelfristig – jedoch auch für Aktien Gift. Denn erstens erhöhen steigende Zinsen die Kosten für Kredite, was zu Lasten der Unternehmensgewinne geht. Außerdem sorgen – zweitens - höhere Zinsen für eine Aufwertung des US-Dollars. Ein hoher Dollarkurs sorgt insbesondere für Probleme bei den exportorientierten US-Unternehmen, da der starke Dollar die Preise für amerikanische Produkte im Vergleich zu den Konkurrenten aus Asien und Europa verteuert und diese damit Aufträge verlieren.

Drittens werden künftige Gewinne stärker abgezinst, was den Unternehmenswert mindert. Dieser wird häufig aus den in der Zukunft erwarteten Unternehmensgewinnen errechnet. Und viertens steigt mit höheren Zinsen die Attraktivität von Anleihen im Vergleich zu Aktien.

Abgesehen von diesen rationalen Gründen, die 2017 in den USA für ein schwieriges Börsenjahr sprechen, bedeutet Trump ein höheres Maß an Unsicherheit. Mit seinen auf Twitter geäußerten Anmerkungen zu Boeing und seinem Angriff auf Lockheed Martin hat der künftige US-Präsident an den Börsen bereits zwischenzeitlich Unternehmenswerte in Milliardenhöhe zerstört. Trump scheint – möglicherweise sogar mit Absicht – unberechenbar zu bleiben. Und Unsicherheit ist etwas, was Finanzmärkte gar nicht mögen.

Eine schwache US-Börse hätte auch Folgen für deutsche Anleger, selbst wenn sie nicht in den USA investiert sind. Denn langfristig werden sich auch die europäischen Märkte nicht von steigenden Zinsen und fallenden Aktienkursen in den USA abkoppeln können. Es kann also durchaus sein, dass die längste Aktienrally seit dem 2. Weltkrieg nach acht Jahren sein vorläufiges Ende findet.

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Quelle: n-tv.de

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