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(Foto: imago/CHROMORANGE)

Geldtipps fürs neue Jahr : Wie wird 2015, Herr Riße?

Auch wenn "das Geld noch keinen reich gemacht hat", suchen Sparer verzweifelt nach rentablen  Geldanlagen. Doch wohin geht die Reise? Inflation, Deflation, Börsencrash? Finanzexperte, Buchautor und Fondsmanager Stefan Riße gibt Antworten.

n-tv.de: Aus aktuellem Anlass: Erwarten Sie größere weltwirtschaftliche Turbulenzen im Rahmen der  Russland-Krise?

Stefan Riße: Die Krise hat schon jetzt Auswirkungen. Allerdings werden sie durch den fallenden Ölpreis aufgefangen. Weil der zu einem Wirtschaftswachstum in der westlichen Welt führt, da die Konsumenten für andere Dinge Geld in der Tasche haben. Auch wenn Prognosen hier schwerfallen, glaube ich nicht, dass der Ölpreis noch viel weiter sinkt. Die Opec wird das dauerhaft nicht zulassen. Darüber hinaus ist die Gefahr bei weiterer politischer Eskalation virulent.    

Was konnten Anleger und Sparer 2014 lernen?

Dass die Börse keine Einbahnstraße ist und es auch mal wieder runtergehen kann. Dass die Prognosen der Analysten selten genug stimmen – vor einem Jahr war die Stimmung für den Aktienmarkt sehr optimistisch, was sich so in der Entwicklung der Märkte nicht wiedergespiegelt hat. Und auch, dass die Zinsen immer noch weiter fallen können. Mittlerweile haben wir ein Niveau, was kaum vorstellbar ist. Gemeint sind hier die langfristigen Zinsen für 10-jährige Bundesanleihen aus Deutschland die bei 0.6 Prozent liegen.

Was müssen Anleger und Sparer 2015 lernen?

Dass die Zinsen lange niedrig bleiben werden, selbst wenn sie im neuen Jahr vermutlich etwas steigen – allein weil mittlerweile alle denken, dass die Zinsen weiterhin so niedrig bleiben.  Der Anstieg wird allerdings nicht so hoch sein, dass der Sparer wirklich einen Ertrag daraus ziehen kann. Ansonsten wird 2015 ein weiteres Lehrjahr für die Deutschen werden.  Nämlich dahingehend, dass sie Risiken eingehen müssen, wenn sie ein Rendite auf ihr Eigenkapital erzielen möchten. Wer weiter ausschließlich an seinem Festgeld festhält, wird dieses Ziel nicht erreichen.

Wie entwickeln sich denn die Märkte?

Stefan Riße ist Buchautor, Finanzexperte und Fondsmanager.
Stefan Riße ist Buchautor, Finanzexperte und Fondsmanager.

Ich bin was den Aktienmarkt angeht nicht so optimistisch, weil es Enttäuschungen aus den USA geben könnte. Dieses Wirtschaftswunder dort wird meiner Meinung nach überschätzt. Denn eine Komponente dort stimmt nicht mehr – das Einkommen der Mittelschicht, welches seit Jahren nicht mehr wächst. Noch wird das durch den niedrigen Ölpreis und die niedrigen Zinsen – zumindest soweit man Kredite aufnimmt, kaschiert.  Aber wenn das Einkommen der Mittelschicht nicht wächst, ist das kein gesundes Wirtschaftswachstum. Auch das Wachstum in den Schwellenländern lässt nach. Insofern sehe ich eher ein schwieriges erstes Halbjahr für Aktien und könnte mir gut vorstellen, dass der Dax noch einmal auf 8500 Punkte zurückfällt.

Wie sollten Anleger also ihr Kapital investieren beziehungsweise ihr Depot strukturieren?

Wer noch gar keine Aktien hat, der sollte jetzt welche kaufen, da auch ich mich natürlich in meiner Prognose irren kann. Ungeachtet dessen gehören sie aber in jedes zukunftssichere Depot. Genauso wie Gold.   2015 könnte hier zu einer Renaissance führen. Gerade weil keiner mehr an das Edelmetall glaubt. Die Probleme die in die Finanzkrise geführt haben, sind nicht gelöst, sondern nur verschoben.  Irgendwann wird der große Showdown in Form von Inflation kommen und spätestens dann ist Gold tatsächlich Gold wert. Darüber hinaus sollte auch genügend Cash vorhanden sein, um bei fallenden Börsen nachkaufen zu können. Aktuell würde ich eine Aktienquote von 40 - 50 Prozent wählen, 10 – 15 Prozent in Gold anlegen und den Rest als Barreserve bereithalten.

Was halten Sie von Spekulationen auf gefallene Größen wie Gazprom?

Wer spekulieren mag, sollte das tun, sich aber auch bewusst sein, dass damit auch Spekulationen auf den Rubel verbunden sind. Für mich ist die politische Lage in Russland viel zu unsicher, als das ich auf ein Unternehmen wie Gazprom setzen würde. Allerdings habe ich eine Sache vom alten Kostolany (verstorbener Börsen- und Finanzexperte, Anmerkung der Redaktion) gelernt: Die Russen sind hervorragende Schuldner, die historisch immer, wirklich immer ihre Schulden bedient haben und das meiner Meinung auch weiter tun werden. Insofern könnten russische Staatsanleihen lohnend sein – allerdings dann auf Euro oder Dollar lautend, um das Währungsrisiko auszuschließen. Dies wäre zwar auch eine Spekulation, aber eine mit  begrenztem Risiko.

Mit Stefan Riße sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de

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