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(Foto: imago/McPHOTO)

Frauen und Finanzen: Weg mit dem inneren Schweinehund

Von Birgit Haas

Es ist eine alte Leier, dass sich Frauen besser um ihre Finanzen kümmern sollten, weil es sonst im Alter ein böses Erwachen gibt. Trotzdem befassen sich die wenigsten damit, es scheint mühsam und unweiblich. Das ist Unsinn.

"Es muss sich etwas bewegen", sagt Anne Connelly. "Die Barrieren müssen abgebaut werden", kommt von Martina Palte. "Vielleicht brauchen wir eine eigene Ansprache", meint Susana Penarrubia. Die drei Frauen arbeiten in der Finanzbranche. Und alle sind darüber besorgt, dass sich Frauen zu wenig um ihr Geld kümmern. Was Frauen verdienen oder erben liegt oft auf dem Tagesgeldkonto oder fließt in eine Lebensversicherung. An Immobilien und Gold wagen sich einige noch heran, aber in Aktien, Fonds oder anderes zu investieren – das machen die wenigsten.

Frauen lassen viel Geld liegen – das Männer ungeniert einsacken.  Dabei hätten sie es eigentlich nötiger: Frauen verdienen in Deutschland immer noch 22 Prozent weniger als Männer. Und mit Teilzeitjobs und Babypause verringern sie nicht nur ihr Einkommen sondern auch die Rente. "Den jungen Frauen heute ist zudem klar, dass ein Mann keine verlässliche Altersabsicherung ist", sagt Connelly, die beim Researchhaus Morningstar das europaweite Marketing leitet. Trotzdem würden sie immer wieder in die Falle tappen.

Gründe zum Investieren gäbe es also genug. Woran hapert es also? Eine Studie von Comdirect, der Direktbank bei der Martina Palte im Vorstand sitzt, hat ergeben, dass die meisten Männer und Frauen denken, Finanzen seien ein Männerthema, weil diese weniger Berührungsängste mit dem Markt hätten. Palte selbst sagt: "Ich glaube, da steht ein großer Schweinehund im Weg. Dabei ist es für mich eine Frage der Selbstbestimmung." Viele Frauen hätten auch Hemmungen, sich öffentlich als diejenigen zu präsentieren, die auf Geld aus sind – gierig zu wirken ist ihnen unangenehm.

Anlegerinnen kommen besser durch Krisen

Dennoch schwebt die Altersarmut wie ein Damoklesschwert über dem weiblichen Geschlecht. Ein großes Problem sei, dass viele Frauen glaubten, dass sie zumindest keinen Fehler machten, wenn sie nichts tun. "Sie überschätzen den Zins, den sie auf das Tagesgeldkonto erhalten und unterschätzen, was sie mit einem bewussten Investment erreichen könnten", sagt Palte. Es ist ein böses Erwachen, wenn die Frauen bemerken, dass ihnen im Ruhestand monatlich mehrere hundert Euro fehlen.

Dabei sind Frauen, die ein Depot führen und ihr Geld aktiv einsetzen durchaus erfolgreich. Sie arbeiten viel genauer, analysieren gründlicher und haben eine ruhigere Hand. In heißen Marktphasen reagieren sie ruhiger, weshalb Frauen auch in Krisenzeiten eine anständige Rendite erwirtschaften. Manchmal ist das die bessere Strategie: Eine Kundenerhebung der Direktbank DAB ergab, dass Männer im schweren Jahr 2014 4,5 Prozent und Frauen 3,4 Prozent erwirtschaftet haben. 2012 etwa lagen beide Geschlechter gleichauf. Allerdings sind lediglich 27 Prozent der Depotinhaber weiblich und das hat sich in den letzten Jahren auch kaum verändert.

Vorbilder ermutigen

Dass Frauen grundsätzlich Risiken scheuen, entpuppt sich allerdings als Klischee. Der Verband Fondsfrauen haben einen Vergleich der Arbeit von männlichen und weiblichen Fondsmanagern auf Basis von Morningstar-Daten erstellt, der zeugt, dass sich Profis in Risiko und Performance, also in der Wertentwicklung eines Fonds, nicht nach Geschlechtern unterscheiden.  Dass Anlegerinnen sich lieber für den Fonds entscheiden, statt für eine Aktie, bei der die Wahrscheinlichkeit eines Verlusts höher ist, liegt vor allem daran, dass ihnen weniger Geld zur Verfügung steht und sie es vorsichtiger verwalten – laut Direktbank DAB lag das Depotvolumen der Frauen im vergangenen Jahr rund 35 Prozent unter dem der Männer.

Das größte Problem ist jedoch, dass Vorbilder fehlen. Sobald Frauen die Möglichkeit haben, erfolgreiche andere zu beobachten, trauen sie sich viel mehr zu,  hat die Finanzwissenschaftlerin Alexandra Niessen-Ruenzi bei Studien herausgefunden. "Wird ihnen aber suggeriert, dass Männer in diesem Bereich ohnehin besser sind, sind sie schnell entmutigt", sagt Niessen-Ruenzi.

Doch woher sollen die Vorbilder kommen? Connelly von Morningstar hat da eine Idee. Würden weibliche Fondsmanagerinnen häufiger im Rampenlicht stehen, könnten sie diese Funktion übernehmen. Davon würden nicht nur Privatanlegerinnen oder Brancheneinsteigerinnen profitieren, sondern auch die Managerinnen selbst. Seit Jahren, das hat Niessen-Ruenzi, Professorin der Uni Mannheim, herausgefunden, dümpelt die Quote der Fondsmanagerinnen bei etwa 10 Prozent.

Und männliche Investoren bevorzugen Portfolios, die von Männern geführt werden, wohl auch, weil die männlichen Kollegen ein viel dichteres Netzwerk pflegen und man(n) sich gegenseitig empfiehlt. Zudem gilt: "Je größer die Vorurteile der Männer gegen Frauen im Finanzbereich sind, desto weniger investieren sie. Der Begriff "Frau" wird einfach nicht mit dem Finanzmarkt assoziiert", sagt Niessen-Ruenzi.

Um das zu ändern hat Connelly Ende des vergangenen Jahres die "Fondsfrauen" gegründet. Knapp 500 Damen aus der Branche haben sich bereits registriert. Die Fondsfrauen sind aber mehr als ein Netzwerk. "Wir wollen uns künftig in Seminaren, Webinaren und auf unserer Homepage um karriererelevanten Fragen kümmern. Etwa, wie man sich in einem Meeting durchsetzt, aber auch, wie man sich idealerweise kleidet und wie man mit Avancen von Männern umgeht", sagt Connelly.

Vor allem sollen Vorbilder für Frauen entstehen, die in die Branche einsteigen wollen. "Eigentlich ist es ein optimales berufliches Umfeld für Frauen, weil sie so viele Freiräume haben." Was Susana Penarrubia, Fondsmanagerin bei der Deutschen Asset & Wealth Management nur bestätigen kann: "Ich habe das Glück, dass meine beiden Chefs Frauen sind. Beide Kolleginnen sind Vorbilder für mich, nicht nur in ihrem Erfolg als Managerinnen, sondern auch im Umgang mit den Mitarbeitern. Da lerne ich sehr viel. Natürlich ist es auch von Vorteil, dass sie beide Kinder haben und bestimmte Situationen anderes einschätzen können.2

Bis die künftigen Vorbilder allerdings die Bühne geentert haben werden und auch für Privatanlegerinnen sichtbar werden, ist noch ein Stück Weg zu gehen. Bis dahin müssen sich die Frauen wohl oder übel durchbeißen und den inneren Schweinehund überwinden. Sie haben allerdings einen Vorteil: In den Banken zerbricht man sich den Kopf, wie Kundinnen angeworben werden können. So hat etwa die Hypovereinsbank ein Internetportal gestartet, das neutral Finanzwissen vermitteln will.

Quelle: n-tv.de

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