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Mario Draghi.
Mario Draghi.(Foto: imago/Xinhua)
Samstag, 24. Januar 2015

EZB öffnet die Geldschleusen: Was Anleger tun sollen - und was nicht

Von Daniel Saurenz

Das muss man erst einmal schaffen! Dank Mario Draghi ist das Interesse an den Finanzmärkten groß ist wie lange nicht. Kein Wunder, schließlich ist die geldpolitische Offenbarung des EZB-Chefs außerordentlich wuchtig ausgefallen.

Knapp 400 Punkte hat der Dax nach der Ankündigung der EZB zugelegt, die Zentralbank werde mindestens 1,14 Billionen Euro in die Märkte pumpen, um das Risiko einer Deflation abzuwenden Doch bei aller Euphorie und einer angesichts eines Dax bei fast 10.700 Punkten ausufernden Aktienparty sollte man kühlen Kopf behalten. Wer angetrieben durch die italienische Kurspower dabei sein möchte, sollte den steigenden Kursen nicht blind hinterherkaufen, sondern strategisch vorgehen - und mit Augenmaß.

Denn gerade jetzt gilt es, zwischen langfristigem Investieren und kurzfristigem Spekulieren zu unterscheiden. Fast könnte man nämlich meinen, dass Mario Draghi Geld druckt, weil er vor Freude kaum laufen kann. Dabei hat er den Middelhoff gemacht und liefert den geldpolitischen Offenbarungseid – mit Folgen für Aktionäre von Deutsche Bank bis Metro, von Axa bis ENI. Besonders die Kurse exportabhängiger Titel werden angetrieben, auch Banktitel schnellen nach oben. Doch unvorsichtig agieren könnte kurzfristig teuer werden.

Denn auf der kurzen Frist hat Draghi den Dax innerhalb weniger Wochen von 9600 auf 10.700 Punkte geschoben. Diese 1100-Punkte-Rally kann man wohl ohne Zweifel ihm zuschreiben. Inwiefern die Hausse der vergangenen Jahre auf gute Unternehmensdaten oder Notenbankpolitik gestützt ist, ist eigene Interpretationssache. Fest steht, dass der Dax ohne Nullzinsen und dem Mangel an Alternativen wohl nicht da wäre, wo er ist. Und es gibt durchaus ein paar Störfeuer, die momentan ignoriert werden. So läuft die Quartalssaison in den USA keinesfalls überragend, China wächst schwächer als gedacht, der Kupferpreis implodiert, Brasilien schrumpft auf europäische Wachstumsraten und vieles mehr. Deshalb kann es jetzt, mitten in der Partylaune, nicht schaden, etwas Tempo rauszunehmen und das eigene Depot vorsichtiger aufzustellen, vielleicht sogar eine Absicherung beizumischen.

Eine Anlagestrategie sollte nicht ausschließlich darauf aufgebaut sein, dass man den Notenbanken 100 Prozent vertraut. Auf den ersten Blick sind die Weichen dafür gestellt, dass in den kommenden Jahren Dividendenpapiere in Europa erste Wahl bleiben müssen, da Draghi alle anderen Anlagemöglichkeiten im Zinsbereich de facto uninvestierbar gemacht hat. Doch Draghi löst nicht die Probleme in Russland, schiebt das Geld nicht direkt in die Kasse bei Metro oder Adidas. Wie also können Anleger agieren?

Gold bleibt als Alternative, wenn man die Karte Sicherheit spielen will. Doch auch eine Absicherung ist und bleibt ein Muss als Beimischung. Nicht dann, wenn sie teuer ist wie bei 8400 Dax-Zählern im Herbst, sondern gerade jetzt! Jetzt ist es günstig, sich zu versichern und abzusichern. Möglich ist dies beispielsweise mit Put-Optionsscheinen wie dem Papier mit WKN TD1255. Hiermit bauen Anleger einen Puffer in ihr Depot ein, denn ein solcher Put wirkt bei einer Korrektur als Absicherung.

Doch auch wer jetzt noch in den Markt einsteigen möchte, jedoch das volle Risiko scheut, findet Alternativen. Sehr gut geeignet sind im Zertifikatebereich Discountzertifikate oder Bonuspapiere ohne Aufgeld. Beide sind in der Risikoklassifizierung sogar etwas unterhalb des Direktinvestments in den Dax anzusiedeln, dazu springt auch dann eine Rendite raus, wenn der Dax eine zeitlang per Saldo seitwärts läuft. Interessante Möglichkeiten in diesem Bereich sind bei den Discountern Papiere mit Laufzeitende im Dezember 2015 und Obergrenze nah am gegenwärtigen Dax-Stand – so zum Beispiel die CF8LU0 mit einer Renditechance von 7,5 Prozent.

Unter den Bonuspapieren mit Cap bietet sich die PS1VP8 mit ähnlicher Renditechance und Barriere bei 9.200 Punkten an. Wer es offensiver mag aber dennoch Seitwärtsrenditen erzielen möchte, der kann beispielsweise zu Discount-Call-Optionsscheinen greifen. Diese Papiere bergen ein Totalverlustrisiko, falls der Markt abstürzen sollte, erlauben zugleich bei einer Seitwärtsbewegung oder einem nur kleinen Rücksetzer trotzdem ordentliche Seitwärtsrenditen. Ein Beispiel wäre das Papier mit WKN HY59K8 und einem Cap, der Obergrenze, bei 10.000 Zählern. Zu guter Letzt bleibt natürlich der kontinuierliche Einstieg in den Markt, den Anleger sehr gut mit Sparplänen, speziell aus dem ETF-Bereich nachvollziehen können. Dann setzt man einen Fuß in die Tür, aber eben nur Schritt für Schritt.

Dieser Text stellt keinerlei Empfehlung zum Kauf der genannten Produkte dar.

Quelle: n-tv.de

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