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Derzeit ist es für viele Anleger nicht leicht, die Orientierung zu behalten.
Derzeit ist es für viele Anleger nicht leicht, die Orientierung zu behalten.(Foto: AP)

Zinsen, Hauskauf, Aktienmarkt : So geht Geldanlage 2017

Von Daniel Saurenz und Franz-Georg Wenner

Unterschiedlicher kann die Geld- und Finanzpolitik in Europa und den USA derzeit kaum sein. Um den Durchblick bei der Geldanlage zu behalten, sollten Anleger einige Grundregeln beachten.

Für viele Anleger ist das Jahr 2017 in Sachen Geldanlage viel zu dynamisch und vor allem kaum noch zu überblicken. Die europäische Zentralbank hält die Zinsen bei null, einzelne Direktbanken verlangen Negativzinsen, gleichzeitig erhöht die US-Notenbank ihre Zinsen, und am Immobilienmarkt schießen die Preise durch die Decke, während parallel die Finanzierung für den Hauskauf teurer wird. Im Gewühl muss man den Durchblick behalten und vor allem beachten, was teuer und was billig ist.

Beginnen wir mit dem US-Anleihemarkt. Die jüngste Entscheidung der US-Notenbank ist wie erwartet ausgefallen und hat am Aktienmarkt nahezu keine Reaktion ausgelöst. Die Zinsen in den USA steigen behutsam, für zehnjährige Bonds bekommt man 2,5 Prozent, für deutsche sind es 0,5 Prozent. Die Zinsen können noch ein klein wenig steigen, doch eine Explosion der zehnjährigen auf fünf oder gar sechs Prozent ist kaum zu erwarten.

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Im Wettstreit mit Anleihen stehen für Investoren stets Aktien. Ein sehr aussagekräftiger Indikator ist der Quotient aus dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für die 500 Aktien im US-Index S&P 500 geteilt durch den VIX, das Volatilitäts- und Angstbarometer in den USA. Das KGV liegt momentan bei rund 19, der VIX liegt mit rund 11 auf dem tiefsten Stand der letzten zehn Jahre. Auch bei den Tech-Aktien im Nasdaq ist man ähnlich sorglos. Der Quotient von 19 durch 11 ergibt also 1,7. So hoch lag der Wert nur zu den Börsenblasen im Jahr 2000 und im Übergang des Jahres 2007 zu 2008. Ein halbes Jahr später kündigte sich Lehman an. Zum Vergleich - im Frühjahr 2016 lag der Quotient bei einem KGV von 15 und einem VIX von 50 bei 0,5. Das war damals ein Einstiegssignal: Aktien waren günstiger und die Angst größer. Unsere Idee im aktuell hoch bewerteten Umfeld: Man kann sich mit einem lang laufenden Put wie der WKN GL89SK absichern.

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Und der sehr wichtige Devisenmarkt? Der US-Dollar ist nach der jüngsten Fed-Entscheidung sowohl gegenüber dem Euro als auch gegenüber dem japanischen Yen unter Druck geraten, und dies zeigt, dass eben viel Positives zugunsten des Dollar eingepreist war. Weitere Überraschungen lieferte die Notenbank nicht, auch wurde keine Verschärfung der Geldpolitik für 2017 und 2018 in Aussicht gestellt. Das Momentum kippt daher in Richtung Euro und Yen.

Interessant dabei ist, dass die von vielen beschriebene Parität des Euro zum Dollar immer weiter in die Ferne rückt. Im Gegenteil, die pessimistischen Aussagen gegen den Euro vor einigen Wochen waren einmal mehr ein antizyklisches Einstiegssignal. Verläuft die Frankreich-Wahl nach Wunsch und Frau Le Pen erhält keinen wesentlichen Zulauf, so könnte danach eine Erleichterung sowohl europäische Aktien wie auch den Euro stützen, obwohl dies aufgrund der Export-Orientierung erst einmal paradox klingt. Das Werkzeug für Euro-Anhänger? Ein Turbo-Call, beispielsweise WKN CX6VW8 (Hebel 17).

Nach der Wahl in Holland ist vor der Wahl in Frankreich, und bis dahin dürften noch einige Irrungen am Zinsmarkt auftreten. Nach der Frankreich-Wahl ist jedoch zu erwarten, dass der Unterschied bei kurzlaufenden Anleihen deutscher und französischer Art geringer wird. Denn dann schlägt das Pendel eher in Richtung Unsicherheit für Deutschland aus. Man vergisst es manchmal, aber im September wird auch hierzulande gewählt, und Rot-Rot-Grün könnte zumindest ein paar Dinge ändern. Investoren könnten diese Unsicherheit mit Aufschlägen bei Bundesanleihen beantworten. Für Hauskäufer bedeutet dies, dass auch ohne EZB die Verzinsung teurer werden könnte. Die EZB selbst wiederum schielt auf die auch zuletzt gestiegene Inflation, und dort gibt es zwei Seiten. Fiskalpolitische Aktionen könnten die Inflation in Europa anheizen, gleichsam spricht der Ölpreis momentan dafür, dass dessen Basiseffekt im Sommer nachlässt und den Inflationsdruck wieder geringer ausfallen lässt.

Fazit: Bei jedem Investment muss man 2017 mindestens zweimal nachdenken, welche Querverbindungen es geben kann. Aktien sind teuer, doch sie müssen deshalb noch nicht sofort fallen. Die Inflation steigt, doch deshalb müssen die Zinsen noch nicht anziehen. Und nur weil eine Währung positiv besprochen wird, muss sie im Anschluss noch lange nicht klettern. Fragen Sie bei denen nach, die vor Wochen den Euro weit unter die Parität geredet haben.

Disclaimer: Dieser Beitrag stellt keinerlei Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Aktien oder Anlageprodukten dar. Für die Richtigkeit der Daten wird keine Haftung übernommen.

Quelle: n-tv.de

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