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Hat eine "phänomenale" Steuerreform angekündigt: Donald Trump.
Hat eine "phänomenale" Steuerreform angekündigt: Donald Trump.(Foto: AP)
Dienstag, 14. November 2017

Aktien können steigen: Jetzt ist Zahltag für Trump

Ein Gastbeitrag von Carsten Riehemann

Dax, Dow & Co. befinden sich auf Rekordniveau. Kann das so weitergehen? Ja. Das heißt aber nicht, dass sich Anleger keine Sorgen machen müssen.

Ganz klar: Mit der Rekordjagd der Aktien ist auch deren Fallhöhe gestiegen. Je höher die Kurse notieren, desto schwerer fällt es, einzusteigen oder nachzukaufen - vor allem die psychologischen Hürden sind hoch. Vor diesem Hintergrund ist es nur allzu verständlich, dass Anleger den Risiken große Beachtung schenken. Sinnvoll ist das grundsätzlich immer.

Die größten Gefahren für Aktienengagements gehen derzeit auf den ersten Blick von den USA aus. Hier ist der Zinserhöhungszyklus definitiv eingeläutet. Die amerikanische Notenbank Fed wird voraussichtlich noch im Dezember ein weiteres Mal die Leitzinsen um einen viertel Punkt auf dann 1,25 bis 1,5 Prozent erhöhen. Höhere Zinsen sind generell schlecht für Aktien. Historisch betrachtet handelt es sich aber auch nach dem nächsten Zinsschritt weiterhin um ein extrem niedriges Niveau.

Anleger sollten sich in Erinnerung rufen, dass die Leitzinsen in den USA 2007 nur ein paar Monate vor der Lehman-Pleite bei mehr als fünf Prozent standen. Vor dem Platzen der Internetblase in den Jahren 2000 bis 2003 notierten die amerikanischen Leitzinsen sogar bei 6,5 Prozent - also vier bis fünf Mal so hoch, wie sie wahrscheinlich Ende dieses Jahres sein werden. Die Zinsseite sieht somit immer noch unbedenklich aus.

Trump muss liefern

Carsten Riehemann ist Geschäftsführender Gesellschafter bei der Vermögensverwaltung Albrecht, Kitta & Co. und seit Mitte der 90er Jahre als Vermögensverwalter und Vermögensberater für Unternehmer, Privatkunden und Stiftungen tätig.
Carsten Riehemann ist Geschäftsführender Gesellschafter bei der Vermögensverwaltung Albrecht, Kitta & Co. und seit Mitte der 90er Jahre als Vermögensverwalter und Vermögensberater für Unternehmer, Privatkunden und Stiftungen tätig.

Anders stellt sich die Lage bei der Politik von Donald Trump dar. Für den US-Präsidenten ist Zahltag, hatte er doch vollmundig eine Steuerreform angekündigt. Erste Details kristallisieren sich langsam heraus. So geht es vor allem darum, Unternehmen in den USA, die im internationalen Vergleich hoch besteuert werden, zu entlasten. Außerdem sollen im Ausland angefallene Gewinne steuerlich günstig behandelt werden, wenn US-Firmen diese wieder ins Heimatland transferieren - im Fachjargon heißt das repatriieren.

Das Problem ist jedoch die Finanzierung dieser Maßnahmen. Es könnte durchaus sein, dass Trump mit diesem Vorhaben im Senat scheitert, wo die Republikaner nur über eine Zwei-Stimmen-Mehrheit verfügen.

Trotzdem steigen die Kurse an den Aktienmärkten weiter nach oben. Denn bislang haben die sie solche Rückschläge problemlos weggesteckt - beispielsweise die im Sand verlaufene Reform der kostspieligen Krankenversicherung Obamacare. Für das politische Säbelrasseln zwischen den USA und Nordkorea gilt das sowieso.

Wahrscheinlich werden sich die Marktteilnehmer auch in den kommenden Monaten schwerpunktmäßig auf die fundamentalen Daten fokussieren. Und die liefern weiter Unterstützung. Weltweit wächst die Wirtschaft - dieses Mal sogar ungewöhnlich synchron. Nicht nur die USA und China, die beiden größten Volkswirtschaften der Welt, sondern auch Japan und Euroland erfreuen sich hoher und derzeit stabiler Wachstumsraten. Davon profitieren die Unternehmensgewinne, die der Hauptmotor für steigende Aktienkurse sind. Neue Rekorde sind also auch 2018 denkbar.

Keine Angst vor Höchstkursen

Vor allem die amerikanischen Technologiewerte haben sich im laufenden Jahr extrem gut entwickelt und die Indizes mit nach oben gezogen. Die starke Performance ist aber kein Grund, sich jetzt schon aus dem Tech-Sektor zu verabschieden. Innovative Unternehmen haben ganze Wirtschaftsbereiche durchdrungen und radikal verändert. Dabei haben sie sich zu mächtigen Gelddruckmaschinen entwickelt, deren Marktmacht kaum mehr zu verdrängen ist. Das gilt gleichermaßen für chinesische Tech-Konzerne wie.

Keine Angst vor Höchstkursen gilt auch, weil wir nicht nur technologisch, sondern auch gedanklich einen tiefgreifenden Wandel erleben. Der Einfluss von Emotionen auf die Finanzmärkte war vielleicht noch nie größer als heute. Auffällig ist dabei, dass die Schwankungen gerade an den Aktienmärkten seit rund zweieinhalb Jahren kontinuierlich zurückgehen.

Natürlich gibt es auch gute Gründe dafür, die jüngste Börsenhausse kritisch zu betrachten und im Portfolio nicht zur Sorglosigkeit zu neigen. Aber so lange der Schwung nach oben weiter anhält und die Volatilität an den Aktienbörsen dadurch so niedrig bleibt, sollten Anleger investiert bleiben. Aktives Management in den richtigen Branchen sowie Risikomanagement in den Aktienquoten sorgen für die richtige Mischung der Aktien im Portfolio.

Quelle: n-tv.de

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