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EZB will unbedingt Inflation: Gold schützt gegen die Geldflut

Ein Gastbeitrag von Martin Mack und Herwig Weise

Währungshüter Mario Draghi versucht, in Europa die Geldentwertung regelrecht zu erzwingen. Die Chancen, dass dies gelingt, stehen nicht schlecht. Gegen die Gefahr einer hohen Inflation schützt den Anleger vor allem Gold.

In Europa geht das Deflationsgespenst um! Die Preise stiegen im Juli nur noch um weniger als 0,4 Prozent, im August sogar nur noch um 0,3 Prozent. Für die Inflationsverursacher der EZB ist das viel zu wenig. Sie streben eine jährliche Geldentwertung von "unter, aber nahe zwei Prozent" an und definieren das beschönigend als Preisstabilität. "Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln" versprach zuletzt EZB-Chef Mario Draghi soll die durch die momentane Beinahe-Preisstabilität gefährdete EZB-Preisstabilität wieder mandatsgetreu hergestellt werden. Obwohl die Währungshüter seit der Einführung des Euros im Jahr 1999 diesem bereits offiziell rund 30 Prozent der ursprünglichen Kaufkraft genommen haben, soll sich die Bevölkerung ausgerechnet nun vor Deflation fürchten!

Zur den vermeintlich drohenden Gefahren sinkender Preise müssen aber drei Dinge klargestellt werden.

Martin Mack und Herwig Weise verantworten gemeinsam den antizyklisch investierenden Aktienfonds M&W Capital sowie den vermögensverwaltenden Mischfonds M&W Privat. www.mack-weise.de
Martin Mack und Herwig Weise verantworten gemeinsam den antizyklisch investierenden Aktienfonds M&W Capital sowie den vermögensverwaltenden Mischfonds M&W Privat. www.mack-weise.de(Foto: Bodo Dretzke / Mack & Weise)

Erstens: Deflation ist nicht per se schlecht. Es ist eine Mär, dass die Verbraucher massenhaft Käufe verschieben, weil sie darauf setzen, dass die Preise künftig niedriger sind als heute. In der Unterhaltungselektronik fallen die Preise seit Jahren - trotzdem boomt die Branche. Es gibt offenbar immer genug Kunden, die die neueste Spielekonsole oder das aktuellste Smartphone sofort und nicht erst in einem Jahr haben möchten.

Dass Deflation und Wirtschaftswachstum entgegen dem verbreiteten Schreckensbild zusammenpassen, fand schon 1932 der deutsche Ökonom Arthur Salz heraus: "Die Wirtschaftsgeschichte lehrt, dass stärkster wirtschaftlicher Verfall in Zeiten steigender Preise fällt und dass wirtschaftliche Blütezeiten gerade durch sinkende Preise charakterisiert sind." Auch eine 2004 veröffentlichte Studie der Ökonomen Andrew Atkeson und Patrick Kehoe (US-Notenbank of Minneapolis) belegt diese Aussage.

Beide Fed-Ökonomen haben 17 Länder über einen Zeitraum von mehr als 180 Jahren hinweg untersucht und kommen zu einem die heutige Ökonomen-Meinungsmehrheit klar widerlegenden Fazit: "Insgesamt gab es viel mehr Deflationen, die mit kräftigem Wachstum statt mit einer schrumpfenden Wirtschaft verbunden waren."

Dass Deflation und Depression zwingend zusammengehören und deshalb mit aller monetären Kraft - wie aktuell von den Notenbanken vorgetragen - zu bekämpfen sind, lassen die Ökonomen ebenfalls nicht gelten: "Depressionen sind häufiger mit Inflation statt mit Deflation verbunden."

Zweitens: Es droht im Moment gar keine Deflation, denn auf den Euroraum bezogen ist kein signifikant und anhaltend sinkendes allgemeines Preisniveau feststellbar, und schon gar nicht auf breiter Front. Der schwache Preisauftrieb hängt maßgeblich mit den günstigeren Energiepreisen zusammen. Diese sind im August im Jahresvergleich um zwei Prozent gefallen. Durch das Fracking in den USA, welches die US-Rohölimporte von einst 11,9 auf zuletzt 7,7 Millionen Barrel pro Tag sinken ließ, wird weltweit genug Öl und Gas angeboten - trotz der Kriege und Krisen im Nahen Osten und der Ukraine.

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Drittens: Die Vermögenspreise sind bereits stark gestiegen. In den deutschen Ballungsgebieten gehen die Immobilienpreise regelrecht durch die Decke. Der Dax ist gerade einmal drei Prozent von seinem Allzeithoch entfernt. In den USA notieren sowohl der S&P 500 als auch der Nasdaq-Index bereits auf Rekordniveau. Wir haben also Inflation, aber eben nicht bei den Verbraucher-, sondern bei den Vermögenspreisen. Das ist ein bedeutender Unterschied.

Nur mit dem Aufblähen (lat.: inflare = aufblasen) der Verbraucherpreise lässt sich die fortgesetzte Schuldenorgie in Europa finanzieren, wachsen doch trotz aller propagierten Sparbemühungen die Schuldenberge bisher ungebremst weiter. Tatsache ist: Alleine vom ersten Quartal 2012 bis zum ersten Quartal 2014 haben die Staaten der Euro-Zone neue Schulden von 711 Milliarden Euro angehäuft. Damit ist die öffentliche Verschuldung noch einmal um 8,5 Prozent auf 9056 Milliarden Euro gewachsen.

Das Wirtschaftswachstum ist gleichzeitig so gut wie zum Erliegen gekommen, mit der Folge, dass sich die in Relation zum Brutto-Inlands-Produkt (BIP) ermittelten staatlichen Verschuldungsquoten immer weiter von der (willkürlich) als "gesund" festgelegten 60-Prozent-Maastricht-Quote entfernen. Doch obwohl das BIP niemals Schulden bezahlen kann, machen Ökonomen und Politiker die Verschuldungsfähigkeit eines Staates aus gutem Grunde dennoch daran fest.

Taschenspielertricks zur Verschleierung

Denn würden die Schuldenberge in Relation zu den Steuereinnahmen, mit denen sich Schulden letztlich nur bezahlen lassen, gesetzt werden, ließe sich die längst eingetretene Pleite der Staaten gegenüber der Bevölkerung nicht mehr verheimlichen. Zur Wahrung des Scheins können aber stagnierende oder gar schrumpfende BIP-Daten nicht akzeptiert werden. Deshalb sollen nun Taschenspielertricks helfen, das BIP der exponentiell wachsenden Verschuldungsausweitung kreativ anzupassen.

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Seit Neuestem zählen die staatlichen Statistiker nun auch Prostitution, Mafia-Aktivitäten, Drogenhandel, illegalen Zigarettenkonsum und Militär-, Forschungs- und Entwicklungsausgaben zum BIP. Damit wird die Vergleichsbasis künstlich vergrößert - mit dem Nebeneffekt, dass so die staatlichen Verschuldungsquoten sinken sollen und damit ein neuer, der Bevölkerung vermittelbarer Aufschuldungsspielraum kreiert wird!

Mittelfristig lässt sich der wachsende Schuldenberg aber nur finanzieren, wenn das Geld immer weniger wert wird, das heißt, wenn die Miesen weginflationiert werden. Genau darauf zielt die Geldpolitik von Draghi & Co. Den Preis für Geld, und nichts anderes sind Zinsen, hat der EZB-Chef bereits abgeschafft. Und jetzt will er zudem den Banken (faule) Unternehmenskredite (ABS-Pakete) und Staatsanleihen gegen neues Papiergeld abkaufen und so der Logik der Druckerpresse Geltung verschaffen.

Die Risiken der Gelddruckmaschine

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Mit dem geplanten Anwerfen der Druckerpresse seitens EZB, die den maroden Banken und Staaten abermals Insolvenzverschleppungszeit verschaffen soll, baut sich ein entsprechendes Inflationspotenzial auf. Das Geld wird wertloser, was die Sparneigung begrenzen und den Konsum, aus Angst vor weiteren Kaufkraftverlusten, anheizen soll. Auch sollen die Ersparnisse in Billionenhöhe so in den Konsum gelenkt werden. Genau darauf zielt die Geldpolitik der EZB. Das große Problem ist, dass aus der gewünschten moderaten Inflation schnell eine unerwünscht hohe Inflation werden kann – einen solchen Prozess zu steuern, ist so gut wie unmöglich.

Gold ist Geld, alles andere ist Kredit (Schulden)!

Vor dem Hintergrund des Kaufkraftentwertungsmandats der planwirtschaftlich agierenden Notenbanken ist es entscheidend, sein Geldvermögen nicht in den permanent inflationiert werdenden Papierwährungen aufbewahren zu wollen.

Gold erweist sich im Gegensatz zu den staatlichen "Blüten" bereits seit Jahrtausenden als stabiler Wertspeicher. Denn bei dem Edelmetall handelt es sich in erster Linie um eine nicht durch Druckerpressen inflationierbare, das heißt, nicht beliebig entwertbare Währung. Da Gold aber auch als einzige Währung der Welt frei von Schulden und jeglichem Emittentenrisiko ist, sollte dieses in der Vermögensplanung entsprechend gewichtet werden. Von den aktuell unter Druck stehenden Preisen sollte sich der vorausschauende Investor nicht verunsichern lassen, sondern diese Notierungen zum Bestandsaufbau/-ausbau nutzen.

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Quelle: n-tv.de

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