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Die Akzeptanz für Kryptowährungen wächst.
Die Akzeptanz für Kryptowährungen wächst.(Foto: REUTERS)
Samstag, 09. September 2017

Bitcoin-Hype: Gibt es eine Blase bei Kryptowährungen?

Von Benjamin Feingold und Nicolas Saurenz

Die jüngste Bitcoin-Korrektur wird von Anlegern sofort zum Einstieg genutzt. Die Kursfantasie ist auch nach 600 Prozent in einem Jahr noch nicht erschöpft. Wie lange kann die Rally so noch weitergehen?

Die Kurse der Kryptowährungen kannten in diesem Jahr bislang nur eine Richtung - nach oben. Mit 5000 US-Dollar je Bitcoin Anfang September nahm die größte digitale Währung die nächste große Hürde. Für Analysten ist die Lage damit klar. Sie wenden für Blasen die "1000 Prozent in zehn Jahren-Regel" an. Demnach haben zahlreiche Basiswerte wie die US-Technologiebörse Nasdaq ausgehend vom Jahr 1990, der Ölpreis seit 1998 oder Silber seit 2001, ziemlich genau zehn Jahre gebraucht bis die Blase platzte.

Chart

Auf dem Weg dorthin kletterten die Kurse rund 1000 Prozent. Bitcoin hat diese Marke schon - je nachdem, welches  Anfangsdatum man zugrunde legt - innerhalb von nur zwei oder drei Jahren genommen. Damit übertrifft die Bitcoin-Entwicklung jede Blase, die es überhaupt jemals gegeben hat. Entsprechend volatil geht es auch am Markt für digitale Währungen zu. Nicht nur die Performance, sondern auch die Kursschwankungen sind nicht vergleichbar mit anderen Assetklassen - ausgenommen sind Phasen der Übertreibungen. Die Frage ist daher, wie groß die Blase bei Bitcoin inzwischen ist?

Misstrauische Staaten

Die Rally wird langsam auch Regierungen unheimlich, wie der jüngste Kursrücksetzer zeigt. Er ging auf ein Verbot der chinesischen Regierung zurück, Initial Coin Offerings (ICO), mit denen Unternehmen aus der Krypto- und Blockchain-Branche frisches Kapital werben, zurück. Dieses Verfahren ist vergleichbar mit einem klassischen Börsengang (IPO). Die Maßnahme dürfte Krypto-Fans zunächst einmal nicht überrascht haben, denn das Bitcoin-Protokoll wurde ins Leben gerufen, um ein dezentrales Zahlungssystem zu schaffen, das unabhängig von einzelnen Regierungen oder Währungen ist. Konflikte mit Staaten, die traditionell die Hoheit über das Geldsystem beanspruchen, sind damit programmiert. Aber kann der Siegeszug der digitalen Währungen durch das Einschreiten von Regierungen aufgehalten werden?

Wenn es nach der Social Tradingplattform etoro geht, dann wohl kaum. Dort können Anleger nicht nur auf die Kursbewegungen von zahlreichen digitalen Währungen setzen, sondern diese auch direkt kaufen und in einem elektronischen wallet verwahren. Etoro erwartet durch die rasant gestiegene Nachfrage, dass die Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen bis zum Jahr 2020 eine Billion Dollar erreicht. Zum Vergleich: Im August kletterte der Wert aller Kryptowährungen erst auf über 150 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Apple ist alleine etwas über 800 Milliarden Dollar wert.

So werden die Staaten wohl auch weiter versuchen, einem unregulierten Florieren dieser enormen Summen einen Riegel vorzuschieben. Einerseits steigt mit jedem Kursrekord die Notwendigkeit von staatlicher Seite, aktiv zu werden. Andererseits begreifen immer mehr Menschen auf der ganzen Welt aber auch, dass sie schnell und kostengünstig mit diesen Währungen bezahlen können und dass der Nutzen für sie groß ist. Solange die Marktkapitalisierung im Vergleich zum Aktienmarkt so klein ist, können Kryptowährungen der Nische entwachsen und nicht nur ein alternatives Zahlungsmittel, sondern auch eine interessante Anlagealternative sein. Anleger sollten aber in jedem Fall die hohe Volatilität beachten. Auch die Fallhöhe wird mit jedem Rekord höher.

Wilder Handel mit Bitcoin-Aktien

Welche Ausmaße die Bitcoinentwicklung angenommen hat, konnte man zuletzt auch auf dem Frankfurter Börsenparkett bestaunen. Die Aktie der Bitcoin-Group, Betreiber eines deutschsprachigen Bitcoin-Handelsplatzes, kletterte Anfang vergangener Woche innerhalb von wenigen Stunden von knapp 50 Euro auf 85 Euro in der Spitze. Damit betrug der Marktwert zeitweise über 400 Millionen Euro bei einem Halbjahresgewinn von 1,22 Millionen Euro in diesem Jahr.

Selbst in der Bitcoin-Welt war das wohl zu viel des Guten, denn die Aktie halbierte sich kurz danach. Entsprechend viel haben Banken und Broker zu tun gehabt.

Quelle: n-tv.de

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