Private Finanzen

"Die China-Krise ist real": Gibt es den großen Knall?

Es besteht Hoffnung, dass es nicht so weit kommt.
Es besteht Hoffnung, dass es nicht so weit kommt.(Foto: imago/blickwinkel)

Zu Jahresbeginn rutschen die Börsen tief ins Minus. Wie besorgniserregend die Entwicklung in China ist und wie es für deutsche Anleger weiter geht, verrät der Ökonom und Fondsmanager Professor Dr. Max Otte.  

n-tv.de: Gibt es eine China-Krise und wenn ja, wie gefährlich ist sie?

Max Otte: Ja, die China-Krise ist real. Nach einem jahrzehntelangen Investitionsboom muss das Land nun auf Binnenkonsum umstellen. Auch die Verschuldung ist hoch. Insgesamt wird das Thema aber in den Medien übertrieben. Auch die USA stecken in einer tiefen gesellschaftlichen und ökonomischen Krise, über die kaum berichtet wird. Da ist China eine willkommene Ablenkung.

Wieso Ablenkung? Es ist doch kein Pappenstiel, dass in China erneut nach nur 30 Minuten aufgrund massiver Kursverluste der Handelstag beendet wurde?

China hat Probleme, aber auch gewaltige Devisenreserven und relativ niedrige Staatsschulden. Die Staatsschulden sind in den Industrienationen wesentlich höher. Wir stützen unsere Wirtschaft durch Niedrigzinsen. Wenn nun die Börse in China verrückt spielt, so ist es legitim, kurzfristige Maßnahmen zu Krisenbekämpfung einzuleiten.

Den großen Knall erwarten Sie aber durch China nicht?

China kann sich - im Zusammenhang mit der ökonomischen Schwäche des Westens - zu einer großen Weltwirtschaftskrise ausweiten. Es besteht aber Hoffnung, dass es nicht so weit kommt.

Ist denn die "Flüchtlingslawine" eine Chance für Deutschland oder der Untergang des Abendlandes?

So dilettantisch, wie das gehandhabt wird, ist es eine große Belastung für Deutschland. Die Integration in Arbeitsmarkt und Gesellschaft wird - wenn überhaupt - nur mit größten Anstrengungen gelingen. Kontrollierte Zuwanderung - wie zum Beispiel nach dem australischen oder kanadischen Modell - wäre hingegen eine große Chance.

Wie geht es mit der Weltwirtschaft weiter?

Dr. Max Otte ist Wirtschaftsprofessor, Fondsmanager und Buchautor.
Dr. Max Otte ist Wirtschaftsprofessor, Fondsmanager und Buchautor.

Europa, die USA, die BRIC-Staaten - alle haben ihre eigenen Probleme. Und besonders die USA als Führungsmacht versuchen immer mehr, ihre Probleme zu exportieren und auf Kosten anderer zu leben. Das ist eine sehr instabile Lage, wie wir sie zuletzt nach 1929 und besonders nach 1931 hatten. Hoffen wir, dass sich die Regierungen zusammenreißen und kooperieren.

Gibt es denn Hoffnung auf höhere Zinsen?

Wir leben ja in einer völlig irrealen, manipulierten Welt ohne Zinsen. Sogar Strafzinsen werden teilweise verlangt. Nun gab es in den USA eine erste zaghafte Zinserhöhung. Es mögen weitere zögerliche Schritte folgen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass der Westen und Japan auf das Dopingmittel der Niedrigzinsen verzichten können.

Sollte sich die Krise weiter zuspitzen: Können wir gegebenenfalls auf Öl aus Saudi-Arabien verzichten?

Ja, das können wir. Es ist schon erstaunlich, dass wir bei Assad - mit dem und dessen Vater der Westen vier Jahrzente ausgekommen ist und deren Regierung viel liberaler war als die Saudi-Arabiens - von einem "Diktator" sprechen und das mittelalterlich-brutale Regime in Saudi- Arabien gewähren lassen.

Wo sehen Sie denn den Dax in drei Jahren?

Wenn es keinen großen Unfall in der Weltwirtschaft gibt, ist da noch viel Luft. 14.000 Punkte sind drin.

Ist es für den Immobilienkauf zu spät?

Tendenziell ja. Vor allem sollten Sie beachten, dass der deutsche Immobilienmarkt zweigeteilt ist: gute Lagen und Regionen werden, obwohl teuer, halbwegs ihren Wert halten. In den strukturschwachen Gebieten wird es weiter abwärts gehen.

Und Gold?

Gold und Silber sind wieder sehr billig. Sie bringen keine Rendite, sondern sind eher als Versicherung zu betrachten. Wer noch keins hat, sollte jetzt zugreifen.

Wie sollten 50.000 Euro jetzt angelegt werden?

30.000 Euro investiert in zwei globale Misch- oder Multi-Asset-Fonds von Managern des Vertrauens: 10.000 Euro auf dem Konto und 10.000 Euro in Gold und Silber.

Mit Max Otte sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen