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Trügerische Ruhe: Die Aktien-Risiken sind enorm gestiegen

Ein Gastbeitrag von Martin Mack und Herwig Weise

An den Aktienmärkten herrscht eine fast grenzenlose Sorglosigkeit. Doch Niedrigzinsen und Massen virtuellen Geldes haben die Risiken stark wachsen lassen. Die BIZ warnt bereits vor einem Crash.

Martin Mack und Herwig Weise verantworten gemeinsam den antizyklisch investierenden Aktienfonds M&W Capital sowie den vermögensverwaltenden Mischfonds M&W Privat. www.mack-weise.de
Martin Mack und Herwig Weise verantworten gemeinsam den antizyklisch investierenden Aktienfonds M&W Capital sowie den vermögensverwaltenden Mischfonds M&W Privat. www.mack-weise.de(Foto: Bodo Dretzke / Mack & Weise)

Seit fast zwei Jahren notiert der VDax New im Bereich von 20 Punkten - an den meisten Handelstagen etwas darunter. Im laufenden Monat bewegte sich der Volatilitätsindex sogar mehrfach unterhalb von 15 Zählern. Der VDax New gibt an, mit welchen Schwankungen die Marktteilnehmer in den kommenden Handelstagen rechnen, also wie hoch sie die Risiken einschätzen - der Index wird deshalb auch Angstbarometer genannt. Mit seinem rekordtiefen Niveau signalisiert das Frühwarnsystem, dass am Aktienmarkt so gut wie keine Risiken eingepreist werden. In den USA liefert der Volatility S&P 500, kurz VIX genannt, ein nahezu identisches Bild. Diese ungewöhnliche Ruhe ist trügerisch.

Tatsächlich haben sich an den Finanzmärkten Gefahren mit erheblicher Sprengkraft aufgebaut. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) sorgt sich vor allem um das niedrige Zinsniveau und dessen Folgen. Da es bei Staatsanleihen höchster Bonität so gut nichts mehr zu verdienen gibt, werden selbst konservative Investoren immer stärker in risikoreiche Anlagen getrieben. Nur so können die großen Pensionskassen, Versicherungen und Vermögensverwalter ihre Renditeversprechen einhalten. Als risikoreich gelten beispielsweise Aktien und Anleihen mit niedriger Bonität. Diese Ramschanleihen wurden vor der Finanzkrise weltweit für rund 30 Milliarden US-Dollar pro Quartal gehandelt. Zuletzt stieg das Handelsvolumen der Junk-Bonds auf das Dreifache.

Immer weniger Realitätsbezug

Gleichzeitig entfernen sich die Finanzmärkte immer weiter von der Realwirtschaft. Der Derivatehandel ist im vergangenen Jahr auf ein unglaubliches Handelsvolumen von 710 Billionen US-Dollar gestiegen. Das ist fünf Mal so viel wie vor zehn Jahren.

Was das bedeutet, wissen wir vom Goldhandel. Dort bestimmen mittlerweile vor allem die Terminmärkte die Preisentwicklung des Edelmetalls und weniger das physische Angebot und die Nachfrage. Die Terminmärkte sind wesentlich spekulativer und weniger transparent als die Spotmärkte, an denen Rohstoffe oder Aktien in Echtzeit den Eigentümer wechseln.

Gleichzeitig wird wieder immer mehr auf Kredit spekuliert - oder sollten wir besser gezockt sagen? Hier ist das Volumen auf rund 464 Milliarden US-Dollar gestiegen. Damit ließen sich immerhin die sieben kleinsten Werte des Dow Jones vollständig aufkaufen. Zwar gingen die Wertpapierkredite zuletzt etwas zurück. Doch das ist alles andere als eine beruhigende Entwicklung - denn dies geschah vor dem Crash zur Jahrtausendwende.

Hochfrequenzhandel nicht zu stoppen

Noch gefährlicher als ausufernder Derivatebereich und kreditfinanzierte Wertpapierkäufe ist der Hochfrequenzhandel (high-frequency trading - HFT). Hier versuchen Händler, mit extrem leistungsfähigen Systemen blitzschnell Informationsvorsprünge auszunutzen. In Deutschland stehen die automatisierten Kauf- und Verkaufsprogramme auf Xetra oder an der Terminbörse Eurex schon für 20 bis 25 Prozent der Handelsumsätze. An anderen Börsen liegt der HFT-Anteil sogar noch höher. Da die Computerprogramme Aktien kaufen und innerhalb von Millisekunden wieder mit minimalem Kursgewinn verkaufen, täuschen sie Handelsumsätze vor, die es so gar nicht gibt. Häufig platzieren HFT-Händler auch massenweise Kauf- oder Verkaufsorder und ziehen diese umgehend vor ihrer Ausführung wieder zurück. Dadurch sollen andere Anleger zum Vorteil der Hochfrequenzhändler in die Irre geführt werden.

Daher weichen große institutionelle Investoren immer häufiger auf Handelssysteme aus, auf denen HFT-Händler nicht zugelassen sind. So verhindern sie, dass sie von den Hochfrequenzhändlern abkassiert werden. Die alternativen Handelssysteme, auch Dark Pools genannt, haben aber den Nachteil, dass sie nur wenig reguliert sind. In den USA laufen bereits rund 20 Prozent des Aktienhandels über Dark Pools, bei denen Käufer und Verkäufer anonym bleiben.

Unter dem Strich verlieren herkömmliche Anleger, die Beteiligungen an realen Firmen kaufen und verkaufen, immer mehr an Bedeutung. Der Anteil intransparenter und spekulativer Investoren wächst dagegen. Dies erklärt auch, warum sich die Finanzmärkte zumindest zwischenzeitlich weit von der Realwirtschaft abkoppeln (können). Denn das, was an der Börse abläuft, ist paradox: Aktien steigen, Gewinne fallen.

Dies alles bedeutet für den Privatanleger, dass die Risiken von Kursverlusten sehr wohl gestiegen sind. Die Richtungswechsel vollziehen sich an den Finanzmärkten deutlich schneller und heftiger als früher. Vor diesem Hintergrund schadet es nicht, in der jetzigen Marktphase einen höheren Anteil an Liquidität zu halten und damit auf niedrigere Einstiegskurse zu setzen. Außerdem bieten sich generell Investitionen in Gold an. Das Edelmetall hat Jahrhunderte lang bewiesen, dass es zu den stabilsten Wertspeichern überhaupt zählt.

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Quelle: n-tv.de

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