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Der Bulle blickt in Zeiten wie diesen eher auf Einzelwerte als auf den Index.
Der Bulle blickt in Zeiten wie diesen eher auf Einzelwerte als auf den Index.(Foto: picture alliance / Frank Rumpenh)
Dienstag, 12. September 2017

Auf die Einzelwerte kommt es an: Dax & Co. führen in die Irre

Ein Gastbeitrag von Carsten Riehemann

Nach seinem Rekord hat der Dax in der Spitze fast 1000 Punkte eingebüßt. Adidas ist im selben Zeitraum fast zehn Prozent gestiegen. Derzeit ist es besser auf Einzelwerte zu setzen, als den breiten Markt zu kaufen.

Alle Jahre wieder stecken die Aktienmärkte in einem Sommerloch. Die Gründe dafür sind immer wieder andere, aber das Ergebnis das gleiche: Fallende Märkte auf Index-Ebene. In diesem Jahr machen uns insbesondere politische Themen zu schaffen. Wo wir hinschauen gibt es Bedrohungen. Eine mögliche Zinswende, unberechenbare Präsidenten in der Türkei und den USA, die ungelöste Flüchtlingsproblematik in Europa und derzeit wahrscheinlich am gefährlichsten: eine reale Kriegsgefahr im Zusammenhang mit dem Atomwaffenprogramm von Nordkorea.

Grund genug für Investoren, die Köpfe am Kapitalmarkt einzuziehen und ihre Aktienquoten zu reduzieren. Oftmals mit dem Argument, dass ja unter dem Strich auch kein sonderlicher Ertrag rauskommen würde. Doch Indexbetrachtung ist ein Fehler, der Rendite kostet.

Die wichtigsten Indizes traten zuletzt mehr oder weniger auf der Stelle. So liegt der Dax inklusive Dividendenzahlungen nach den fulminanten ersten sechs Monaten seit Jahresanfang nur noch rund sieben Prozent im Plus. Und der Dow Jones oder S&P 500 haben nur in Dollar betrachtet zugelegt. Anleger aus dem Euroraum haben dagegen mit amerikanischen Index-Investments in diesem Jahr Verlust gemacht, da der Dollar noch stärker gefallen ist als der Dow Jones oder der S&P 500 gestiegen sind.

Indexzusammensetzung täuscht

Setzt man die Indizes mit den entsprechenden Aktienmärkten gleich, drängt sich der Eindruck auf, dass Investments hier in diesem Jahr ein Nullsummenspiel sind. Doch diese Einschätzung trügt. Denn tatsächlich verzerren die Indizes den Blick auf die Aktienmärkte. Die einzelnen Indexwerte entwickeln sich nämlich ganz anders als es Dax & Co. widerspiegeln.

Carsten Riehemann ist Geschäftsführender Gesellschafter bei der Vermögensverwaltung Albrecht, Kitta & Co. und seit Mitte der 90er Jahre als Vermögensverwalter und Vermögensberater für Unternehmer, Privatkunden und Stiftungen tätig.
Carsten Riehemann ist Geschäftsführender Gesellschafter bei der Vermögensverwaltung Albrecht, Kitta & Co. und seit Mitte der 90er Jahre als Vermögensverwalter und Vermögensberater für Unternehmer, Privatkunden und Stiftungen tätig.

So liegen Daimler, BMW und VW alle seit Jahresanfang im Minus. Gründe sind die Befürchtungen der Anleger, dass die deutschen Autoproduzenten die Elektromobilität verschlafen, und die Folgen von Dieselgate. Die Tesla-Aktie ist dagegen allein in diesem Jahr bereits um fast 40 Prozent gestiegen. Noch schlechter als die deutschen Autowerte ist die Aktie der Deutschen Bank gelaufen, die in zahlreiche kostspielige Skandale verwickelt ist und unter den niedrigen Zinsen leidet. Dagegen hat die Lufthansa-Aktie um rund 80 Prozent zugelegt. Auch die Versorger Eon und RWE feiern nach ihren Aufspaltungen ein fulminantes Comeback.

Diese Beispiele verdeutlichen, dass der Dax kaum ein passender Gradmesser für die Entwicklungen am deutschen Aktienmarkt ist. Das gilt übrigens analog auch für andere Indizes. Im Dow Jones sind zum Beispiel seit Jahresanfang Apple und Boeing mit einem Plus von 20 beziehungsweise 36 Prozent sehr gut gelaufen. Energiewerte wie Chevron und Exxon Mobile liegen dagegen 18 beziehungsweise 24 Prozent im Minus.

Einzelwerte besser als Indizes

Die sehr unterschiedlichen Entwicklungen haben für die Anleger zweierlei Bedeutung. Erstens stellt sich die Frage, ob ein Index die wichtigen Wachstums-Trends ausreichend abgebildet. Nur dann macht ein Investment kostengünstig via Indexfonds (ETF) Sinn. Beim Dax sind da Zweifel angebracht. Denn der Index ist recht Old-Economy-lastig. Bis auf SAP ist bei Technologiewerten Fehlanzeige. Wachstumsbereiche wie Industrialisierung 4.0, Big Data oder Biotechnologie bleiben beim Dax außen vor. Ein entsprechender ETF macht aus dieser Sicht wenig Sinn.

Zweitens ist vor allem in Märkten, die sich seitwärts entwickeln oder fallen, Stockpicking aussichtsreicher als ein Index-Investment. Mit der richtigen Auswahl von Einzelwerten ließ sich auch in diesem Jahr in den Phasen, in denen der Dax nicht von der Stelle kam, gutes Geld verdienen. Große Chancen bieten immer technologische Umbrüche wie sie in den genannten Wachstumsbereichen stattfinden, Trendwerte sowie Sondersituationen, die bei einzelnen Werten zu nicht nachvollziehbaren Kursentwicklungen führen.

Disclaimer

Diese Publikation dient nur zu Informationszwecken und zur Nutzung durch den Empfänger. Sie stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung seitens oder im Auftrag der Albrecht, Kitta & Co. Vermögensverwaltung GmbH zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Investmentfonds dar. Die in der vorliegenden Publikation enthaltenen Informationen wurden aus Quellen zusammengetragen, die als zuverlässig gelten. Die Albrecht, Kitta & Co. Vermögensverwaltung GmbH gibt jedoch keine Gewähr hinsichtlich deren Zuverlässigkeit und Vollständigkeit und lehnt jede Haftung für Verluste ab, die sich aus der Verwendung dieser Information ergeben. www.albrecht-kitta-co.de

Quelle: n-tv.de

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