Bill Gross.
Bill Gross.(Foto: REUTERS)

"Magische Wohltaten": Anleihe-Guru warnt vor Trump-Hype

Star-Investor Bill Gross hält die Trump-Rally an den Aktienmärkten für überzogen – und sieht Rückschlagspotenzial. Doch die viel größere Gefahr sei etwas anderes.

Freunde werden Donald Trump und Bill Gross wohl nicht mehr: Der Star-Investor findet, dass Investoren viel zu begeistert vom neuen US-Präsidenten seien. "Lassen Sie sich nicht von der Illusion eines Wirtschaftswachstums von drei bis vier Prozent sowie den magischen Wohltaten von Steuersenkungen und Deregulierung in Versuchung führen", schrieb Gross in seinem jüngsten Ausblick.

Die wichtigsten Börsenindizes in den USA sind seit Trumps Wahlsieg kräftig gestiegen und bewegen sich derzeit im Bereich von Allzeithochs. Hintergrund ist die Annahme vieler Anleger, dass Trumps Politik das Wirtschaftswachstum kräftig ankurbeln und so für weitere Kursgewinne am Aktienmarkt sorgen wird. Doch Gross ist davon überzeugt, dass Trump seine ökonomischen Versprechen nicht erfüllen kann.

Gross hatte 1971 den Vermögensverwalter Pimco gegründet, der Ende der 90er Jahre von der Allianz gekauft wurde. Er verwaltete dort bis 2014 den weltweit größten Rentenfonds und erwarb sich den Ruf als "Anleihe-Guru". Er verließ das Unternehmen im Streit und ist derzeit für Janus Capital tätig. 

Für Gross ist allerdings nicht Trump das größte Kursrisiko an den Märkten. Vielmehr ist er davon überzeugt, dass die weltweite Verschuldung eine gewaltige Gefahr  - nicht nur für Investoren - darstellt. Der weltweite Schuldenberg sei größer als zu Beginn der Finanzkrise 2008, so Gross: "In den USA entsprechen die ausstehenden Kredite in Höhe von 65 Billionen Dollar dem dreieinhalbfachen der jährlichen Wirtschaftsleistung." Und das Verhältnis nehme weiter zu.

"Unser stark kreditfinanziertes System ist wie eine Ladung Nitroglycerin auf einer holprigen Straße", schrieb der Investor weiter. Ein Fehler könne eine Kredit-Implosion auslösen, wenn Gläubiger plötzlich gleichzeitig ihr Geld zurückverlangen würden – also ihre Investitionen in Aktien, Anleihen und Hypotheken loswerden wollen.

Das sei 2008 passiert, so Gross. Damals hätten die Zentralbanken die Leitzinsen drastisch senken und im Rahmen von ultra-lockerer Geldpolitik Billionen ins Finanzsystem pumpen müssen. Heute hätten die Notenbanken aber nicht mehr die Möglichkeiten wie damals, so Gross. Die Zinsen seien weltweit nahe null, manchmal sogar negativ. Außerdem stoße die ultra-lockere Geldpolitik an ihre Grenzen.

"Die US- und die Weltwirtschaft bewegen sich auf einem schmalen Grat", schreibt der Investor. "Seien Sie mehr darüber besorgt, ob Sie ihr Geld wiederbekommen – und nicht so sehr darüber, wieviel Sie für Ihr Geld bekommen."

Quelle: n-tv.de

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