Private Finanzen
Wie geht es an den Aktienmärkten weiter?
Wie geht es an den Aktienmärkten weiter?(Foto: dpa)
Dienstag, 04. Juli 2017

Kleine Renditen, große Risiken: Aktienmärkten droht Korrektur

Ein Gastbeitrag von Thomas Buckard

Die Anleger sammeln derzeit Kleingeld vor einer Dampfwalze auf. Die Metapher von Nassim Taleb beschreibt anschaulich das aktuell herrschende Umfeld an den Finanzmärkten.

In den kommenden Monaten dürfte es schwerfallen, an den Börsen große Gewinne einzufahren. Anleger müssen sich eher mit Kleingeld begnügen. Dafür ist gerade in den Sommermonaten eine spürbare Korrektur durchaus denkbar. Die Fakten im Einzelnen:

Der Deutsche Aktienindex ist in den zurückliegenden zwölf Monaten um 27 Prozent gestiegen und hat im Juni ein Allzeithoch erreicht. Normalerweise brauchen die deutschen Standardwerte für solch ein Plus rund vier Jahre. In den Vereinigten Staaten notieren Aktien ebenfalls auf Rekordniveau.

Die rasante Rally der vergangenen Monate hat dazu geführt, dass Aktien mittlerweile hoch bewertet sind. Europäische Titel kommen auf ein durchschnittliches Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 16. Das ist deutlich mehr als in den vergangenen Jahren. US-Werte werden sogar mit dem  achtzehnfachen eines Jahresgewinns bewertet. Diese hohen Bewertungen machen Aktien für eine Korrektur anfällig. Das gilt gerade für die Sommermonate, in denen viele Anleger im Urlaub und die Handelsumsätze niedrig sind.

Anleihen und Immobilien ebenfalls teuer

Thomas Buckard ist seit dem Jahr 2000 Gründungsmitglied und Aktionär der MPF AG. Als Vorstand ist er für die Kundenakquisition und -betreuung zuständig. Zuvor arbeitete der passionierte Bergsteiger im Private Banking der Deutsche Bank AG.
Thomas Buckard ist seit dem Jahr 2000 Gründungsmitglied und Aktionär der MPF AG. Als Vorstand ist er für die Kundenakquisition und -betreuung zuständig. Zuvor arbeitete der passionierte Bergsteiger im Private Banking der Deutsche Bank AG.

Bei den anderen Vermögenswerten sieht es kaum besser aus. Amerikanische Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit rentieren derzeit gerade einmal mit 2,3 Prozent. Ihr "KGV" liegt damit bei 44 – also mehr als doppelt so hoch wie das KGV von US-Aktien. Deutsche Bundesanleihen mit zehn Jahren Restlaufzeit werfen sogar nur 0,5 Prozent Zinsen ab. Zieht man die Inflation ab, rentieren sie also netto negativ.

Immobilien sind derzeit ebenfalls hoch – vielleicht sogar zu hoch bewertet. In den Metropolen kostet ein Quadratmeter einer Neubauwohnung in guter Lage 5000, 6000 oder zum Teil noch mehr Euro. Das sind reine Wetten auf weitere Preissteigerungen. Denn richtig gerechnet lässt sich bei diesen Preisen mit einer Fremdvermietung kaum eine Rendite erzielen, die richtig Spaß macht.

Den niedrigen zu erwartenden Renditen stehen nennenswerte Risiken gegenüber. Das größte ist wohl, dass die Anleger nicht mehr bereit sein könnten, die überhöhten Bewertungen bei Aktien, Anleihen und Immobilien zu zahlen. Als Auslöser für ein solches Szenario kommen die Fehlschläge Trumps in den USA, Kollateralschäden beim Brexit, die unruhige Lage in der Ukraine und im Mittleren Osten, ein zu niedriger Ölpreis oder sogenannte schwarze Schwäne infrage. Damit bezeichnet der ehemalige Finanzmathematiker Taleb Ereignisse, die künftig die Finanzmärkte erschüttern, die heute aber noch niemand auf der Rechnung hat.

Dotcom-Blase, Lehman, China und was jetzt?

In den Jahren 2000 bis 2003 war es das Platzen der Internet-Blase, die die Aktienmärkte erschütterte. 2007 und 2008 folgte dann die Lehman-Pleite, die eine weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise auslöste. Schließlich sorgten 2015 der Ölpreisverfall und die Angst vor einer Bruchlandung der chinesischen Wirtschaft für deutlich fallende Kurse an den Aktienmärkten. Was die nächste Korrektur auslöst? Leider werden wir es erst im Nachhinein wissen und erklären können.

Was wir jedoch wissen ist: Es gibt kaum etwas schwierigeres, als den richtigen Zeitpunkt für den Ein- und Ausstieg an den Finanzmärkten zu bestimmen. Es ist absehbar, dass irgendwann eine erneute Abwärtsbewegung einsetzt, den Zeitpunkt kennen wir dagegen nicht.

Für den Anleger heißt das: Es ergibt durchaus Sinn, bis dahin weiter an den Finanzmärkten "Kleingeld einzusammeln". Das ist allemal besser, als das Geld auf unverzinsten Sparbüchern und Festgeldkonten zu bunkern. Denn dort sind 10.000 Euro bei der derzeitigen Inflation von 1,6 Prozent in zehn Jahren nur noch 8300 Euro wert. Um sich gleichzeitig vor einem Kursabschwung zu schützen, sollten Anleger jedoch damit beginnen, ihre Gewinne abzusichern und Stoppkurse zu setzen. Dann kann auch die nächste Dampfwalze anrollen.

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Quelle: n-tv.de

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