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Dienstag, 13. Oktober 2009

Problembank im Norden

HSH Nordbank im Kreuzfeuer

Die HSH Nordbank kommt nicht nur zur Ruhe. Seit Monaten sieht sich die Landesbank für Hamburg und Schleswig-Holstein mit zweifelhaften Zweckgesellschaften, umstrittenen Millionenzahlungen und einer Serie von Affären konfrontiert.

Einen bisherigen Höhepunkt markieren die jungst bekannt gewordenen Geschäfte in der Londoner Niederlassung. Im Rahmen von Kreditersatzgeschäften soll hier ein vorläufiger Verlust von rund 500 Mio. Euro entstanden sein. Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher soll die riskanten Investments Medienberichten zufolge sogar selbst genehmigt haben.

Kreditersatzgeschäfte zählen dabei selbst im ruhigen Fahrwasser der Landesbanken längst zum Alltag. Vereinfacht dargestellt, handelt es sich dabei um Investionen aus dem Bereich der hauseigenen Anlageentscheidungen einer Bank. Sie investiert Mittel am Finanzmarkt, die nach dem klassischen Geschäftsmodell eines Kreditinstituts in die Kreditvergabe fließen sollten. Wenn alles gut geht, verdient die Bank mit den riskanten Geschäften mehr als mit Kreditzinsen.

Bei der HSH Nordbank scheint es diesmal nicht gut gegangen zu sein. Doch das ist nicht das einzige Problem der Landesbank mit Doppelsitz in Kiel und Hamburg. HSH-Chef Nonnenmacher kämpft an vielen Fronten.

Krisenmanager in der Krise

Mitten in der schwierigen Umbauphase, einem Großprojekt, das die Landesbank zurück auf festen Boden führen soll, agiert er gleichzeitig und in Personalunion als Vorstand, Finanz- und Risikochef. Daneben kümmert er sich um das operative Geschäft. Das ruft nicht nur im näheren Umfeld der Bank Zweifel hervor.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat längst die nicht nur die HSH Nordbank schwer getroffen. Generell leiden beinahe alle verbleibenden deutschen Landesbanken mehr oder minder schwer unter den direkten und indirekten Folgen der Krise. Bei der HSH Nordbank kommt zu den Affären und Ungereimtheiten jedoch erschwerend hinzu, dass die Einbrüche im Welthandel am wichtigen Standbein Schiffsfinanzierung sägen.

Tiefe Kratzer

Die Bank machte 2008 einen Verlust von 2,7 Mrd. Euro, für 2009 erwartet sie früheren Angaben zufolge ein Minus von rund einer Milliarde Euro. Die Eigner Schleswig-Holstein und Hamburg stellten ihr drei Milliarden Euro Kapital und zehn Milliarden Euro Garantien für die Auslagerung riskanter Anlagen und nicht mehr zum Kerngeschäft gehörender Sparten zur Verfügung.

Zudem hatte die HSH vom Rettungsfonds Soffin Garantien in Höhe von 30 Mrd. Euro für die Emission von Anleihen bezogen. Der EU-Kommission hat sie bereits einen Restrukturierungsplan vorgelegt, den diese nun genehmigen muss. Geplant ist ein radikaler Umbau: Jeder vierte Arbeitsplatz wird gestrichen, die Bank wird aufgespalten in eine Abbaubank und eine Kernbank.

Die HSH Nordbank AG ist am 2. Juni 2003 aus der Fusion der Hamburgischen Landesbank mit der Landesbank Schleswig-Holstein (LB Kiel) hervorgegangen. Sie verfügt nach eigenen Angaben über eine Bilanzsumme im Konzern von rund 198 Mrd. Euro und beschäftigt weltweit rund 4500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Politische Sprengkraft

Aufgrund der Eigentumsverhältnisse - das Land Schleswig-Holstein und die Hansestadt Hamburg halten insgesamt 85,5 Prozent der Anteile - werden Entscheidungen des Managements schnell zum Politikum.

Die Sparkassen, als deren Dachinstitut die Landesbanken ursprünglich gedacht waren, kommen über den Sparkassen- und Giroverband Schleswig Holstein (SGVSH) und die Kieler Schleswig-Holsteinischen Sparkassen-Vermögensverwaltungs- und Beteiligungs GmbH & Co. KG (SVB) nur auf einen Anteil von 5,3 Prozent. Die übrigen Anteile liegen in Händen von privaten Investoren, die von dem US-Vermögensverwalter J.C. Flowers beraten werden.

mmo/dpa/rts

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