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Freitag, 03. Juli 2009

Neustart für Pay-TV

Aus Premiere wird Sky

Premiere für Sky. Mit einer großen Party samt Staraufgebot feiert der Bezahlsender Premiere seinen Neustart als Sky Deutschland in München. Erwartet werden unter anderem die Sängerin Katy Perry, Hollywoodstar Samuel L. Jackson sowie Franz Beckenbauer und Vitali Klitschko. Umrahmt wird der "Sky Launch Event" um Mitternacht von vielen Showeinlagen und einer großen Portion Aufbruchstimmung. Die ist auch bitter nötig, denn Großaktionär Rupert Murdoch und der von ihm entsandte Vorstandschef Mark Williams haben sich für die kommenden Jahre viel vorgenommen. Sie wollen aus dem chronisch defizitären Sender ein florierendes Unternehmen machen.

Dafür wird erst einmal Geld ausgegeben. Allein im zweiten Halbjahr soll laut Marketingchef Marcello Maggioni mit einem Werbevolumen von rund 100 Millionen Euro für Sky getrommelt werden, davon allein rund 40 Millionen Euro im Fernsehen. Die Kosten für die Umbenennung, angefangen von der Eintragung des neuen Namens bis hin zu neuen Briefköpfen, Firmenschildern und Visitenkarten, sind hier noch gar nicht eingerechnet. Obendrein belastet die komplette Abschreibung des alten Namens Premiere das Ergebnis im zweiten Quartal mit 256,1 Millionen Euro.

Preise steigen

Viel Geld also für einen Sender, der vor einem halben Jahr fast Pleite war. 2008 hatte Premiere unter anderem wegen Sicherheitslecks bei der Verschlüsselung und hoher Programmkosten einen Verlust von fast 270 Millionen Euro eingefahren. Dies war eher die Regel als die Ausnahme. Seit dem Start 1991 hatte der von Medienmogul Leo Kirch aus der Taufe gehobene Sender fast nur Verluste eingefahren. Sie waren einer der Hauptgründe für den Zusammenbruch der Kirch Gruppe im Jahr 2002. Dennoch verteidigte Williams vor kurzem die kostspielige Umtaufaktion. "Wir glauben, dass wir so schneller wachsen", sagte er. Der Name Premiere sei belastet. Seine Renovierung wäre weitaus teurer.

Während Pay-TV in anderen Ländern gut funktioniert, ist die Lage in Deutschland schwieriger. Neben den Gebühren für das öffentlich- rechtliche Fernsehen wollen viele Kunden nicht auch noch für einen Bezahlsender in die Tasche greifen. Mit einer neuen Angebots- und Preisstruktur sowie deutlich verbessertem Kundenservice will Williams nun aber trotzdem die Wende schaffen. Einer der Programmschwerpunkte bleibt die Fußball-Bundesliga. Und die gibt es künftig nicht mehr auch einzeln für 19,99 Euro, sondern nur zusammen mit dem Basis-Paket Sky Welt. Damit müssen Bundesliga-Fans künftig mindestens 32,90 Euro im Monat zahlen. Bereits bestehende Premiere-Verträge behalten ihre Gültigkeit.

Ehrgeizige Ziele

Die Zutaten bleiben mit viel Sport, Filmen und Serien im Prinzip also die gleichen, das Ergebnis soll aber wesentlich besser schmecken, versichert Williams. Langfristig halte er trotz der höheren Preise sogar eine Abdeckung von bis zu 20 Prozent der Haushalte für möglich, kündigte er vollmundig an. Das wären bei rund 37 Millionen Fernseh-Haushalten in Deutschland bis zu 7,4 Millionen Kunden. "Es gab bereits fünf Millionen Premiere-Abonnenten, aber die sind alle wieder abgesprungen", sagt Premiere-Star-Chef Wolfram Winter.

Zuletzt allerdings waren es bei Premiere gerade mal 2,4 Millionen Kunden. Dies aber auch, weil Williams selbst kurz nach seinem Amtsantritt im vergangenen Herbst mit der optimistischen Zählweise des alten Managements um Georg Kofler Schluss machte und knapp eine Million Karteileichen aus den Büchern warf. Bis 2011 hat der Australier nun Zeit, Sky zum Erfolg zu machen. Das Minimalziel sind 3 bis 3,4 Millionen Kunden. Diese sind nötig, damit der Sender die Verlustzone verlässt. Sollte dies nicht gelingen, wäre das wahrscheinlich nicht nur das Aus für Williams, sondern auch für das Experiment Sky in seiner jetzigen Form.

dpa

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