Mittwoch, 12. Mai 2010
Trotz Konsolidierungs-Keule
Volkswirte säen Optimismus
Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal überraschend gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Januar bis März um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Volkswirte hatten dagegen mit Stagnation gerechnet. Das Ergebnis ist umso überraschender, weil es nach neuen Berechungen auch im Schlussquartal 2009 ein Plus von 0,2 Prozent gegeben hatte. Bislang waren die Statistiker von Stagnation ausgegangen.
Jörg Krämer von der Commerzbank sieht die deutsche Wirtschaft damit nicht nur wirtschaftlich an der Spitze im Euro-Raum, sondern auch bei Anlegern. " Nachdem das 750 Mrd. Euro schwere Rettungspaket einen Unsicherheitsschock wie nach der Lehman-Pleite verhindert hat, sollte die im Export gut aufgestellte deutsche Wirtschaft sich auch in den kommenden Quartalen besser entwickeln als der Rest des Euro-Raums. Wenn man schon europäische Aktien kaufen will, dann deutsche."
Auch Sal. Oppenheim-Ökonomin Ulrike Kastens sieht die Zahlen positiv: ""Das Ergebnis ist besser als gedacht. Das liegt wohl daran, dass wir im März einen kräftigen Schub bei der Industrieproduktion hatten. Und die Stimmung bei den Unternehmen ist gut. Wir sehen nun ein starkes zweites Quartal auf uns zukommen, sogar ein Wachstum von einem Prozent ist möglich." Getrieben wir das Wachstum Kastens zufolge vom steigenden Welthandel und dem rapiden Wachstum in Asien. "Allerdings werden die Konsolidierungsbemühungen der Staaten, die nun auf uns zukommen, das Wachstum dämpfen", so Kastens.
Konsolidierung bremst
Wasser in den Wein gießt hingegen Jörg Zeuner von der VP Bank: "Trotz der stark verbesserten Vorlaufindikatoren vermag die reale Wirtschaftsleistung derzeit noch nicht nachzuziehen. Die Industrieproduktion entwickelte sich seit längerem wenig dynamisch, verzeichnete jedoch im März wieder einen stärkeren Anstieg. Die Auftragseingänge entwickeln sich nun ebenfalls etwas besser." Trotz des kleinen Wachstums sieht Zeuner andere Länder im Vorteil: "Dennoch dürften Deutschland und die Eurozone der weltweiten Dynamik und den Vorgaben aus den USA weiter hinterherhinken. Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist nach wie vor hoch und die immer noch vorherrschende Arbeitsplatzunsicherheit belastet den privaten Konsum. Die Sparprogramme zur Konsolidierung der Staatsschulden in der Eurozone werden auch an der Exportnation Deutschland nicht spurlos vorbeigehen. Dies wird auch ein schwacher Euro nicht verhindern können."
Andreas Rees von der Unicredit findet hingegen, dass sich Deutschlands Stärke noch nicht ausreichend in den Zahlen widerspiegelt: "Die deutsche Wirtschaft hat sich unter Wert geschlagen. Die Dynamik ist deutlich stärker, als die Zahl nahe legt. Vor allem das schlechte Winterwetter dürfte viel Wachstum gekostet haben. Allein der Einbruch am Bau hat etwa 0,4 Punkte weggenommen. Es wird dafür Nachholeffekte geben. Deshalb rechnen wir im Frühjahr mit einem Plus von etwa einem Prozent. Zudem dürften die Exporte weiter kräftig zulegen. Hier hilft die Euro-Schwäche, aber auch die sehr starke Konjunktur in den asiatischen Schwellenländern. Davon profitiert die deutsche Wirtschaft besonders stark."
rts