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Finanzen

Montag, 28. September 2009

Nach der Wahl

Gute Stimmung an der Börse

Der deutsche Aktienmarkt reagiert positiv auf das Ende der großen Koalition in Deutschland. Der Leitindex Dax legte am Montag wesentlich stärker als die anderen europäischen Börsen zu. "Aus Börsensicht ist eine schwarz-gelbe Koalition die Idealkonstruktion, weil man mehr Impulse für die Wirtschaftspolitik erwartet", sagte Marktanalyst Christian Schmidt von der Helaba.

Ein Punkt aus Sicht internationaler Investoren sei sicher auch, dass Angela Merkel Kanzlerin bleibe. "Mit diesem Namen kann man inzwischen etwas anfangen. Das ist bei Steinmeier anders." Die Union und ihr Wunschpartner FDP haben bei der Bundestagswahl dem vorläufigen Endergebnis zufolge zusammen eine komfortable Mehrheit zur Regierungsbildung erreicht.

Der unter einer christlich-liberalen Regierung absehbare Richtungswechsel in der Atompolitik sorgte für einen Run auf Versorgeraktien. Die erwartete Verlängerung der Laufzeiten bei den Atomkraftwerken trieb Eon in der Spitze um 4,75 Prozent und RWE um bis zu vier Prozent. "So würde etwa eine Laufzeitverlängerung um zehn Jahre bei gleichzeitiger staatlicher Abschöpfung von 50 Prozent der Zusatzgewinne den fairen Wert der Eon-Aktie um rund 2,80 Euro erhöhen", rechnete DZ-Bank-Analyst Mario Kristl vor. Bei RWE erhöhe sich der Wert um rund 6,70 Euro je Aktie. Aus heutiger Sicht ergebe sich damit ein Kurspotenzial von jeweils rund zehn Prozent.

Auf der Kehrseite dieser Medaille steht der Sektor der erneuerbaren Energien. Für die Solarbranche sei der Wahlausgang das am wenigsten wünschenswerte Ergebnis, urteilte Analyst Sven Kürten von der DZ Bank. Conergy, Q-Cells und Solarworld & Co. führten so auch die Verliererliste des TecDax an. "Wir erachten eine zusätzliche Einmalkürzung der Einspeisevergütung von 20 Prozent im Jahre 2011 als ein realistisches Szenario", prognostizierte Kürten. Die Branche selber gab sich am Tag nach der Bundestagswahl gelassen. "Sowohl die CDU als auch die FDP haben sich ganz klar zum Erneuerbare-Energien-Gesetz bekannt", sagte Solarworld-Chef Frank Asbeck.

Kaum Spielraum für große Reformen

Trotz der generellen Erleichterung an der Börse warnten Analysten vor übertriebener Euphorie. Wegen der angespannten Haushaltslage sei der Spielraum für Steuerentlastungen oder die Erhöhung von Infrastruktur- und Bildungsausgaben eng begrenzt, sagte Volkswirt Jörg Lüschow von der WestLB. "Wesentliche Wachstumsimpulse erwarten wir daher für die kommende Legislaturperiode nicht."

Dennoch wussten Börsianer weitere potenzielle Gewinner und Verlierer der Wahl zu benennen. "Wir gehen davon aus, dass der Bausektor - inklusive Hochtief und Bilfinger Berger - von der bei CDU/FDP eher verbreiteten Neigung zu Privatisierung und Public-Private-Partnership profitieren sollte", hieß es in einer UBS-Studie.

Einzelhändler wie Metro oder Adidas könnten bei Steuerentlastungen von volleren Geldbeuteln der Verbraucher profitieren. Auch aus Bankensicht ist der Wahlausgang nach Meinung des Chefvolkswirts der Liechtensteiner VP Bank, Jörg Zeuner, positiv zu werten, "da sich der Regulierungsdruck zumindest nicht weiter erhöhen dürfte." Mit einer gewissen Vorsicht ist der UBS zufolge das Wahlergebnis bezüglich der Deutschen Börse zu sehen. Die eigentlich von der SPD geforderte Einführung einer Börsenumsatzsteuer bleibe auch unter einer CDU-geführten Administration ein Thema, hieß es.

rts

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