Automesse in Peking: Premiummarken hoffen auf China
Die deutschen Autokonzerne treiben ihr Geschäft in China voran. Aus gutem Grunde: Denn auf dem größten Automarkt der Welt sind teure Oberklasse-Fahrzeuge besonders beliebt.
Seit langem ist China fürAutobauer aus aller Welt das gelobte Land. Doch zur Automesse in Peking, die inder kommenden Woche ihre Tore öffnet, reisen viele Manager auch mit Sorgen: Im weltgrößtenAutomarkt hat sich das Wachstum abgeschwächt. Im ersten Quartal gingen die Verkäufesogar zurück - für China, das in den vergangenen Jahren schier unglaubliche Wachstumsratenhinlegte, ungewohnt.
Die deutschen Autoherstellerkönnen dies vergleichsweise entspannt sehen, denn teure Oberklasse-Fahrzeuge findennach wie vor reißenden Absatz. Und der Premiummarkt wächst weiter rasant, da sindsich alle sicher. Das ist für die deutschen Hersteller ein gutes Geschäft.
Die Zahl der Millionärein China steigt, die kaufkräftige Mittelschicht wächst - und mit ihr der Hungernach Mobilität und dem Statussymbol Nummer 1, dem Auto. Auf der großen Produktshowin der Hauptstadt rücken Audi, BMW oder Daimler deshalb die neuesten Langversionenihrer Limousinen ins Rampenlicht oder andere, speziell auf den Geschmack der dortigenKundschaft abgestimmte Fahrzeuge. Viele Modelle gibt es außerhalb Chinas gar nichtzu kaufen.
"Die Automesse in Pekingist wichtig - nicht, weil großartig Neues gezeigt würde, sondern als Stimmungsbarometer",sagt Ralf Kalmbach von der Unternehmensberatung Roland Berger. "Sie kann Sicherheitgeben." Von den jüngsten Absatzrückgängen - ausgelöst durch das Neujahrsfest,das niedrigere Wirtschaftswachstum und die höheren Benzinpreise - waren neben lokalenPkw-Bauern auch Massenhersteller wie General Motors, Ford oder Honda betroffen.
Viele Chinesen dürften dieMesse einfach als Gelegenheit nutzen, die neuesten Modelle aus aller Welt zu bestaunen.Den deutschen Herstellern, die ein exzellentes Image in China genießen und fastalle seit Jahren mit Gemeinschaftsunternehmen vor Ort präsent sind, können volleHallen nur recht sein. Im weltgrößten Automarkt wird wohl der Kampf um die Premium-Kroneentschieden, weil die Stückzahlen dort besonders hoch sind, und dank der Vorliebevieler Chinesen für teure Extras auch die Renditen.
Im vergangenen Jahr wurdenin China rund 14,5 Millionen Limousinen, Geländewagen und Kombis verkauft. Die Steigerungfiel dabei mit gut fünf Prozent so niedrig aus wie noch nie seit der Jahrtausendwende.Für 2012 gehen Experten davon aus, dass der Markt wieder zweistellig zulegt. Auchdanach wird weiteres Wachstum erwartet.
VW baut neue Fabrik
Während sich die Autobranchebislang vor allem auf den prosperierenden Ostteil des Landes konzentrierte, tunsich jetzt in einem anderen Teil des Riesenreiches neue Chancen auf: im bisher weitgehendunerschlossenen Westen. Gerade kündigte VW den Bau eines Werkes dort an. Die Verträgesollen am Montag, wenn Premierminister Wen Jiabao in Wolfsburg weilt, unterzeichnetwerden. Außerdem will VW dann den Vertrag über sein Gemeinschaftsunternehmen mitdem chinesischen Hersteller FAW um 25 Jahre verlängern. Die Wolfsburger betreibenein weiteres Joint Venture mit SAIC. Mit Chinas größtem Autohersteller ist auchder US-Konzern GM verbandelt, den VW in einigen Jahren als Weltmarktführer als Weltmarktführervom Thron stoßen will.
Als erster deutscher Herstellerwagte VW schon in den 1980er Jahren den Sprung nach China. Für Europas größten Pkw-Konzern,der vor Ort weder als billiger Massen-, noch als absoluter Oberklasse-Anbieter gilt,ist das Land längst der größte Markt. Auch Konzerntochter Audi verkauft in Chinaso viele Autos wie nirgendwo sonst auf der Welt. Unter den drei großen Premiumrivalenhaben die Ingolstädter die Nase vorn.
Dass die chinesischen Behördenunlängst die ausländischen Autohersteller von den offiziellen Einkaufslisten fürStaatsdiener verbannt haben, dürfte den erfolgreichen Deutschen nichts anhaben.Nur ein paar tausend Stück gehen noch an Behördenmitarbeiter - bei mehr als 313.000verkauften Audis, gut 217.000 BMWs und rund 193.000 Mercedes-Benz-Limousinen istdas verschmerzbar. Die Führung in Peking will den lokalen Anbietern auf die Sprüngehelfen, die wegen ihrer mauen Qualität in China nicht besonders hoch angesehen sind.Wer Geld hat, kauft sich gern ein westliches, lieber ein deutsches und am allerliebstenein in Deutschland gefertigtes Auto.
Quelle: n-tv.de