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Dossier

Montag, 02. Juni 2008

Telekom-Sektor in China

Peking sorgt für Fusionen

Der Telekom-Sektor in China kommt in Bewegung. Das chinesische Mobilfunkunternehmen China Unicom will die Festnetzgesellschaft China Netcom Group übernehmen. Das Geschäft soll in Form eines Aktientauschs erfolgen und hat einen Gesamtwert von 439,17 Mrd. Hongkong-Dollar (umgerechnet rund 56,3 Mrd US-Dollar). Zuvor war bekannt geworden, dass der Festnetzbetreiber China Telecom das so genannte CDMA-Mobilfunkgeschäft von China Unicom für 110 Mrd. Yuan (15,86 Mrd US-Dollar) übernehmen wird. CDMA (Code Division Multiple Access) ist ein Datenübertragungsverfahren, welches die Grundlage für den Mobilfunkstandard UMTS bildet.

Die von den Unternehmen angekündigten Vorgänge sind Teil eines Regierungsplans, den chinesischen Telekommunikationsmarkt zu restrukturieren. Das im vergangenen Monat veröffentlichte Vorhaben zielt auf die Schaffung von mehr Wettbewerb. Zu diesem Zweck sollen sich die sechs bestehenden Unternehmen der Branche zu drei größeren Einheiten zusammenfinden, die jeweils Festnetz- und Mobilfunktelefonie anbieten.

China Unicom wird China Netcom im Rahmen eines Aktientauschgeschäfts übernehmen. Die Aktionäre von China Netcom erhalten für je eine Aktie 1,508 neu ausgegebene China-Unicom-Aktien. Das Bezugsverhältnis wurde auf Basis der Schlusskurse beider Unternehmen am 23. Mai festgelegt. Nach Abschluss des Geschäfts wird China Netcom nicht mehr an der Börse gelistet und vollständige Tochter von China Unicom sein. Der Chairman von China Unicom, Chang Xiaobing, erwartet, die Übernahme bis Ende 2008 komplett abschließen zu können.

Die Übernahme des CDMA-Geschäfts von China Unicom durch China Telecom öffnet für die Festnetzgesellschaft den Zugang zum Mobilfunkmarkt. China Unicom ist bis jetzt der einzige CDMA-Anbieter in China und hatte Ende 2007 in diesem Geschäft 42 Mio. Kunden. Im ersten Quartal 2008 erzielte China Unicom in diesem Bereich einen Vorsteuergewinn von 240 Mio. Yuan, im Jahr 2007 von 1,2 Mrd Yuan.

Die von der Regierung in Gang gebrachte Restrukturierung richtet sich gegen das Quasi-Monopol der Mobilfunkgesellschaft China Mobile. Das Unternehmen ist mit nahezu 400 Mio. Kunden das weltgrößte Telekommunikationsunternehmen und hält in China einen Marktanteil von 70 Prozent. China Mobile soll nach den Plänen des Staates mit der Festnetzgesellschaft China Tietong Telecommunication fusionieren.

Die Auswirkungen auf den Wettbewerb sind bislang noch unklar. Einerseits erwarten Analysten eine Verschärfung der Konkurrenz für China Mobile. Andererseits gaben die bisherigen Verzögerungen bei der Restrukturierung des chinesischen Telekom-Marktes dem Quasi-Monopolisten die Möglichkeit, den beiden Festnetzgesellschaften weiter Kunden abzujagen und seinen Marktanteil auszubauen. Seit erste Anzeichen von Restrukturierungsplänen Ende 2007 aufgekommen sind, konnte China Mobile 30 Mio. neue Kunden gewinnen.

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