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Wenn die Bürger in der Hoffnung auf niedrige Preise sparen, sackt die Wirtschaft weiter in den Keller.

Wenn die Bürger in der Hoffnung auf niedrige Preise sparen, sackt die Wirtschaft weiter in den Keller.

Donnerstag, 26. Februar 2009

Preise steigen zögerlich

Geldentwertung droht

Seit Ende letzten Jahres steigen die Preise in Deutschland nur noch zögerlich. Wenn die Inflationsrate in den nächsten Monaten sogar unter null sinkt, dann droht eine Deflationsspirale. Gewinnt aber die Wirtschaft bald wieder an Fahrt, wird angesichts der derzeitigen Konjunkturmaßnahmen das Gegenteil wahrscheinlicher - eine massive Geldentwertung.

Im Februar sind die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahreszeitraum voraussichtlich so gering gestiegen wie seit fünf Jahren nicht mehr. Analysten erwarten im Schnitt eine Inflationsrate von 0,8 Prozent. Das ist langsamer als die Europäische Zentralbank anstrebt.

Wie die Autofahrer es an der Zapfsäule längst bemerkt haben, sind vor allem die Energiepreise gefallen. Kurzfristig könnte dieser Effekt die Wirtschaft ankurbeln, weil die Haushalte effektiv mehr Einkommen zur Verfügung haben. Doch sollte auf längere Zeit alles immer billiger werden, könnten sich die Verbraucher mit Anschaffungen in der Hoffnung auf noch geringere Preise zurückhalten. Damit würden sie die Wirtschaft weiter nach unten stoßen. Die OECD warnte bereits im Dezember vor einer derartigen Deflation.

"Preise sinken nicht, sie werden steigen"

Das schätzt der Präsident des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts, Thomas Straubhaar, anders ein: "Nach 2010 werden die Preise in Deutschland wieder stärker steigen, etwa fünf Prozent pro Jahr." Im kommenden Jahr erwartet er eine Wiederbelebung der weltweiten Konjunktur, was unter anderem Energie wieder verteuern würde. Zum anderen würde die Niedrig-Zins-Politik etwa erst in anderthalb Jahren wirken und die enormen Staatsschulden würden ihren Tribut fordern. Dann ständen die europäischen Zentralbanker mit ihrer Zinspolitik vor einem Dilemma: "Entweder sie akzeptieren eine höhere Inflation oder eine Beschäftigungs- und Wachstumskrise in den schwachen Euro-Ländern", sagte Straubhaar.

Joachim Scheide vom Institut für Weltwirtschaft Kiel glaubt dagegen nicht, dass die EZB eine so starke Geldentwertung zulasse. Er hofft auf einen "Aufstand gegen den politischen Druck, der entstehen wird, wenn die Konjunktur wieder anläuft".

Solange im Aufschwung keine neuen Konjunkturprogramme aufgelegt werden, hält das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung die Inflationsrisiken für vernachlässigbar. "Die Staatsaktivität füllt in der Krise lediglich eine Nachfragelücke aus. Beim Aufschwung, der 2010 noch nicht kommen wird, geht die staatliche Kreditnachfrage automatisch wegen höherer Steuereinnahmen zurück", sagt IMK-Ökonom Gustav Horn. Er rät, in den nächsten Monaten auf die Löhne zu achten. Wenn diese sinken, droht eine abwärts laufende Lohn-Preis-Spirale. Diese sei die wirkliche Gefahr.

Anita Demuth, Reuters

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Preise steigen zögerlich: Geldentwertung droht

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