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Zurück zu den Wurzeln: TNT legt Fokus auf Briefe

Der niederländische Logistikkonzern TNT will nach der anstehenden Trennung seiner Sparten teilweise aus dem Expressgeschäft aussteigen und nur das Briefgeschäft behalten. An dem Expressgeschäft wolle zunächst mit knapp 30 Prozent beteiligt bleiben.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der vom Staatskonzern zum Logistikriesen avancierteDeutsche-Post-Rivale TNT kehrtzu seinen Wurzeln als Briefdienstleister zurück. Das niederländische Unternehmentrennt sein Expressgeschäft von der traditionellen Briefsparte ab. Grund für dieAufspaltung in zwei börsennotierte Unternehmen sind nach Unternehmensangaben unterschiedlicheStrategien und begrenzte Synergien zwischen beiden Geschäften.

Das Expressgeschäft derNiederländer gilt als Übernahmeziel, auf das Analysten zufolge die beiden WeltgrößenFedex und UPS ein Auge werfen könnten. Für die Briefsparte gelte auch nach der Aufspaltungweiter das Ziel der Umstrukturierung, sagte TNT-Chef Peter Bakker. Der Briefbereichumfasst die Geschäfte in den Niederlanden, Deutschland, Italien und Großbritannien.TNT Brief will vor allem im Ausland und mit dem Paketdienst wachsen.

Das Expressgeschäft konzentrieresich auf die besonders schnelle Zustellung von Sendungen sowie auf Fracht und Mehrwertangebote,teilte das Unternehmen weiter mit. Die seit längerem erwartete Umstrukturierungsoll bis Anfang kommenden Jahres abgeschlossen werden. Damit reagieren die Niederländerauf das rückläufige Postgeschäft mit dem klassischen Brief. Der stetig wachsendeGebrauch elektronischer Post macht vielen Anbietern traditioneller Briefdienstezu schaffen.

Die Aufspaltung ist eineneue Wendung in der wechselvollen Geschichte des Unternehmens. Aus der Privatisierungdes niederländischen Post- und Telefondienst ging 1994 das Unternehmen KPN hervor.Mit dem Kauf des damals australischen Konzerns TNT 1996 wagte sich KPN ins Expressgeschäftvor. Zwei Jahre später wurde die Postsparte vom KPN-Telekommunikationskonzern abgespaltenund 2005 in TNT umbenannt.

Aktie deutlich im Plus

Der Expressbereich werdewohl vom 1. Juni an der Börse gehandelt, sagte TNT-Chef Bakker. TNT behalte aberzunächst noch einen knapp 30-prozentigen Anteil. So könne verhindert werden, dassTNT für die Aufspaltung zunächst noch sein Kapital erhöhen müsste. Der Anteil von29,9 Prozent könne verkauft werden, wenn ein von den Aktionären gutgeheißenes Übernahmeangeboteingehe.

Laut ING-Analyst Axel Funhoffkönnte TNT Express für insgesamt etwas weniger als zehn Mrd. Euro den Besitzer wechseln.Das TNT-Briefgeschäft bewertet Funhoff zwischen drei bis vier Mrd. Euro. Der Preishänge davon ab, ob dieser Bereich an der Börse bleibe oder vorher von Finanzinvestorenübernommen werde. Derzeit beläuft sich der Marktwert von TNT auf sieben Mrd. Euro(neun Mrd. Dollar). UPS wird mit 70 Mrd. US-Dollar und Fedex mit 28 Mrd. US-Dollarbewertet. Mit den Einnahmen könnte TNT seine Schulden abbauen.

Bis die Aufspaltung abgeschlossenist, bleibt Bakker den Angaben zufolge Chef des Unternehmens. Die Führung des Expressgeschäftsübernehme Marie-Christine Lombard, das Briefgeschäft Harry Koorstra. Die Expressabteilungsolle bis 2015 einen Vorsteuergewinn (Ebit) von 900 Mio. bis 1,0 Mrd. Euro erreichen.Das Briefgeschäft peilt 300 bis 370 Mio. Euro an.

Die Details der Aufspaltungtrieben TNT-Aktien kräftig in die Höhe. Erleichtert zeigten sich die Anleger vorallem, dass TNT für die Trennung keine Kapitalerhöhung für notwendig erachte. DiePapiere starteten 6,5 Prozent höher in den Handel und notierten später noch gutfünf Prozent im Plus.

Quelle: n-tv.de