Nachrichten
(Foto: dpa)

Finanzinvestoren fehlt Vertrauen: Spanien gerät in Krisensog

Die Alarmsignale aus Madrid häufen sich. Das Vertrauen an den Märkten in die Krisenbewältigung der spanischen Regierung schwindet weiter. Bei der EU und den Ländern der Eurozone ist man alarmiert. In Brüssel werden Beruhigungspillen verteilt. Doch die Finanzmärkte nehmen Spanien immer stärker ins Visier.

Related contentSpanien hält die Finanzmärkte weiter in Atem. Das Misstrauender Investoren in die Krisenbewältigung der konservativen Regierung in Madrid wächst.Als Folge stieg die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen erstmals in diesem Jahrüber die Marke von sechs Prozent. Damit wird es Spanien droht Gefahr immer teurer, Kapital aufzunehmen. Auch die Prämien für Ausfallversicherungenauf spanische Staatsanleihen (CDS) kletterten auf Rekordwerte. Auch der Euro gerietunter Druck. In Brüssel versuchte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, dieLage zu entspannen.

Als Reaktion auf die nervösen Finanzmärkte sprach erSpanien sein Vertrauen aus: "Ich bin absolut überzeugt davon, dass Spanienin der Lage sein wird, die Herausforderungen zu meistern." Er sei "vollkommenzuversichtlich", dass die spanische Regierung alle Schwierigkeiten bewältigenwerde. Er vertraue in die Finanzkraft des Landes, betonte Barroso.

Doch die Finanzmärkte nehmen Spanien in der Euro-Schuldenkriseimmer stärker ins Visier. Zwar verkündet die konservative Regierung vonMinisterpräsident Mariano Rajoy ein Sparvorhaben nach dem anderen, aber Finanzinvestorenfehlt das Vertrauen. Hintergrund ist, dass die Wirtschaft immer weiter abrutschtund der Bankensektor in anhaltenden Problemen steckt.

Mehr als sechs Prozent Effektivzinsen für zehnjährigeSaatsanleihen sind ein deutliches Alarmsignal. Zu Wochenbeginn stieg die Renditebis auf 6,13 Prozent, Anfang Februar hatte sie noch deutlich niedriger bei unterfünf Prozent gelegen. Ab einem Zinssatz von sieben Prozent gilt die Geldaufnahmefür Staaten auf Dauer als zu teuer. Noch stärker gerieten Staatspapiere in den kurzenLaufzeiten unter Druck. Im zweijährigen Bereich stieg die Rendite - ein Maßstabfür das Misstrauen der Investoren - auf bis zu 3,68 Prozent. Anfang April hattesie mit 2,5 Prozent über einen ganzen Prozentpunkt niedriger gelegen.

An den Märkten für Ausfallversicherungen (Credit DefaultSwaps/CDS) auf Staatsanleihen stiegen die Prämien für spanische Titel sogar aufeinen neuen Rekordwert. Die CDS-Prämie für eine fünfjährige spanische Anleihe umrund 18 Stellen auf 521 Basispunkte zu. Das bedeutet, dass die Absicherung einerspanischen Anleihe über beispielsweise 10 000 Euro derzeit 521 Euro pro Jahr kostet- so viel wie noch nie.

AuchItaliener mit Problemen

Viele Investoren gehen davon aus, dass Spanien letztlichnicht ohne internationale Hilfe auskommen wird. Deshalb verstummt der Ruf nach einerAufstockung des Euro-Rettungsfonds nicht. Barrosos Sprecherin wies diesallerdings zurück. Die Finanzminister der Euro-Länder hatten sich Ende März daraufverständigt, den neuen Euro-Rettungsfonds ESM von den bisher geplanten 500 auf rund800 Milliarden Euro aufzustocken.

Im Fahrwasser Spaniens verschlechterte sich auch dieLage am Rentenmarkt Italiens, allerdings nicht ganz so stark wie im südeuropäischen Land.Auch liegt das Renditeniveau mittlerweile unter dem Niveau in Spanien.

Widersprüchliche Aussagen aus den Reihen der EuropäischenZentralbank (EZB) heizten zuletzt die Nervosität an den Anleihemärkten noch an.Dabei geht es um die Frage, ob die Notenbank künftig wieder am freien Markt mitAnleihekäufen intervenieren will, um die Euro-Krisenländer zu entlasten. Das entsprechendeProgramm ruht seit mehreren Wochen. Dass Spanien am Geld- und Kapitalmarkt dieseWoche weitere Anleiheauktionen plant, beunruhigt zusätzlich.

Bereits in den vergangenen Wochen hatte sich die Lageam spanischen Anleihemarkt deutlich verschlechtert. Allerdings ist sie noch nichtganz so trübe wie im November 2011, als neben Spanien und Italien auch wichtigeKernländer Europas bis hin zu Frankreich in die Schusslinie geraten waren.

Einige europäische Anleihemärkte standen damals kurzvor dem Kollaps. Erst eine gemeinsame Aktion führender Notenbanken sorgte für sichtlicheEntspannung. Schließlich beruhigte die EZB die Lage, in dem sie den europäischenBankensektor seit Dezember mit zwei riesigen Geldspritzen über insgesamt eine BillionEuro versorgte.

Quelle: n-tv.de