Donnerstag, 07. April 2011
"Wirtschaft wettbewerbsfähiger"
Spanien fühlt sich stark genug
Spaniens Regierung hält es für ausgeschlossen, dass Madrid nach Lissabon um Finanzhilfen bitten muss. Die wirtschaftliche Lage unterscheide sich stark, sagt die spanische Wirtschaftsministerin Salgado.
Im Gegensatz zum kleineren Nachbarn Portugal wird Spanien nach den Worten von seiner Wirtschaftsministerin Elena Salgado seine Euro-Partner nicht um Hilfskredite bitten. Die sozialistische Regierung in Madrid werde nicht dem Beispiel ihres Nachbarlandes folgen, weil die spanische Volkswirtschaft viel wettbewerbsfähiger sei, sagte Salgado. Auch die Märkte hätten dies registriert. Ein Überspringen der Krise von Portugal auf Spanien sei deshalb "absolut ausgeschlossen".
"Wir haben in der Vergangenheit Haushaltsüberschüsse erzielt und jahrelang ein hohes Wirtschaftswachstum gehabt. So etwas gab es in Portugal nicht", sagte die Ministerin. Die spanische Wirtschaft sei diversifizierter, kräftiger und konkurrenzfähiger als die portugiesische. "Die Märkte wissen zwischen den Volkswirtschaften Spaniens und Portugals zu unterscheiden, ergänzte Salgodo mit Blick auf die jüngste Auktion spanischer Anleihen. Die Risikoaufschläge, die das Land für seine Anleihen an Zinsen zahlen muss, seien seit Jahrebeginn um 30 Prozent gesunken.
Mit Anleihe günstig weggekommen
Spanien war mit einer Anleihe am Donnerstag auf reges Interesse gestoßen. Das Euro-Land zahlte für ein Papier mit dreijähriger Laufzeit sogar einen etwas geringeren Risikoaufschlag als noch vor einem Monat. Die Rendite lag bei 3,568 Prozent nach einem Durchschnittszins von 3,592 Prozent für eine ebenfalls dreijährige Anleihe Anfang März. Der Bond war 1,8-fach überzeichnet und spült Spanien 4,13 Mrd. Euro in die Kassen. "Das sollte die Sorgen vor einer Ansteckungsgefahr zerstreuen", sagte ein Analyst. Spanien habe mit 4,1 Mrd. Euro ein solides Volumen erreicht.
Das größte Problem der spanischen Wirtschaft ist die hohe Arbeitslosigkeit, die mit einer Quote von knapp über 20 Prozent die höchste der Europäischen Union ist. Daran wird sich nach Einschätzung der Regierung in nächster Zeit wenig ändern.
Spanien hatte seine Wachstumsprognose für die kommenden beiden Jahre gesenkt. Wegen steigender Zinsen und Ölpreise wird die spanische Wirtschaft 2012 wohl nur um 2,3 Prozent wachsen. Zuvor hatte die Regierung noch ein Plus von 2,5 Prozent angepeilt. 2013 soll das Wachstum 2,4 und nicht 2,7 Prozent betragen.
Auf Reformkurs
Die Regierung in Madrid hat in den vergangenen Monaten Reformen des Arbeitsmarktes, des Rentensystems und der Banken auf den Weg gebracht. Die erfolgreiche Refinanzierung belegt die Überzeugung vieler Investoren, dass Spanien dem Schicksal seines kleineren Nachbarn entrinnen kann. Der befürchtete Dominoeffekt und ein weiteres Ausufern der Schuldenkrise im Euro-Raum kann nach Meinung von Analysten verhindert werden. Auch die EU-Kommission sieht Spanien auf Kurs, seine Ziele beim Schuldenabbau zu erreichen. Das Land galt noch zum Jahreswechsel als einer der nächsten Kandidaten für den Euro-Rettungsschirm nach Griechenland, Irland und Portugal.
Aus dem Schneider ist das schuldengeplagte südeuropäische Land damit aber nicht. "Man hat das Gefühl, die Sache ist mit drei Ländern abgearbeitet. Wenn es aber zu neuen Verspannungen an den Finanzmärkten kommt, könnte das auf andere Länder wie Spanien übergreifen", betonte Eugen Keller, Analyst des Bankhauses Metzler. "Wir sehen jedoch eine gute Chance, dass es Spanien ohne fremde Hilfe schaffen wird", sagte Christoph Weil von der Commerzbank. Dies setze aber voraus, dass sich keine weiteren Löcher in den spanischen Bankbilanzen auftäten und der Staat wie versprochen das Defizit 2011 auf sechs Prozent des Bruttoinlandsproduktes senke.
Tourismus hilft
Der Tourismus dürfte seinen Beitrag dazu leisten. Wegen der politischen Unruhen in Nordafrika weichen derzeit viele Urlauber aus: Statt Tunesien und Ägypten stehen nun Länder wie die Türkei und Spanien oben bei den Urlaubszielen.
Die großen deutschen Reiseveranstalter Tui und Thomas Cook verzeichnen bei den Buchungen nach Spanien hohe Zuwächse für die Sommersaison. "Spanien ist mit der große Gewinner", sagte eine Tui-Sprecherin. Über Ostern und Pfingsten habe der Reisekonzern die Flugkapazitäten nach Mallorca und auf die Kanaren massiv aufgestockt. Über alle spanischen Zielgebiete hinweg lägen die Buchungen im Vergleich zum Vorjahr zweistellig im Plus. Auch Cook meldete zuletzt steigende Buchungszahlen für Spanien. Der Tourismus trägt in Spanien zwischen zehn und zwölf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei.
rts