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Nokia-Store in Helsinki: Lumia-Geräte sind zwar gefragt, aber die Konkurrenz verkauft das Vierfache an Geräten im Quartal.
Nokia-Store in Helsinki: Lumia-Geräte sind zwar gefragt, aber die Konkurrenz verkauft das Vierfache an Geräten im Quartal.(Foto: REUTERS)

Milliardenverlust in drei Monaten: Nokia kriegt die Kurve nicht

Vier Millionen Lumia-Smartphones verkauft und dennoch kann Nokia keinen Gewinn vorweisen. Der finnische Konzern steckt tief in der Krise und die scheint sich noch zuzuspitzen. In den vergangenen drei Monaten summiert sich das Minus des Apple- und Samsung-Konkurrenten auf 1,4 Milliarden Euro. Die Bar-Reserven liegen bei 4,2 Milliarden Euro.

Der Handy-Pionier Nokia gerät immer stärker in einen Abwärtsstrudel. Im vergangenen Quartal gab es ein Minus von 1,4 Mrd. Euro, wie das finnische Unternehmen mitteilte. Der Umsatz fiel um 18,7 Prozent auf 7,54 Mrd. Euro.

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Im vergangenen Quartal sank der gesamte Absatz von Nokia-Mobiltelefonen im Jahresvergleich um fünf Prozent auf 83,7 Millionen Geräte. Zudem werden sie immer billiger: Der durchschnittliche Handy-Preis sackte um fast ein Viertel auf 48 Euro ab. Bei einfachen Telefonen waren es zuletzt nur noch 31 Euro, aber auch bei Smartphones bekommt Nokia mit 151 Euro deutlich weniger als etwa Apple für seine iPhones.

Dementsprechend schmerzhaft sind die weiterhin sinkenden Zahlen im Smartphone-Geschäft: Der Absatz dieser Handys fiel um 39 Prozent auf 10,2 Millionen Geräte. Davon waren allerdings bereits 4 Millionen Smartphones der neuen Lumia-Reihe mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone. Der Ende 2011 eingeführte Hoffnungsträger konnte sein Ergebnis im Vergleich zum ersten Quartal damit zwar verdoppeln - allerdings verkaufen die Marktführer Samsung und Apple regelmäßig 35 bis 40 Millionen Smartphones in einem Vierteljahr.

Bar-Reserven relativ stabil

Nokia steckt schon seit mehreren Quartalen tief in den roten Zahlen fest. Das Jahr 2011 endete mit einem Verlust von 1,16 Mrd. Euro. Allein im vergangenen Vierteljahr gab es ein Minus von 929 Mio. Euro. Konzernchef Stephen Elop setzte im Juni ein drastisches Sparprogramm mit dem Abbau von 10.000 Arbeitsplätzen in Gang. Geschlossen wird unter anderem der Forschungsstandort in Ulm.

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Elop betonte, dass die Bargeld-Reserven mit 4,2 Mrd. Euro relativ stabil geblieben seien. Die Belastungen bei dem problembehafteten Netzausrüster Nokia Siemens Networks fielen diesmal mit 190 Mio. Euro noch vergleichsweise moderat aus.

Neuer Partner, alte Probleme

Nokia gab mehr als ein Jahrzehnt den Ton in der Handy-Branche an, bis das iPhone von Apple und das Google-Betriebssystem Android die Smartphone-Revolution einleiteten. In den vergangenen Jahren konnten sich die Finnen noch auf ihre starke Stellung bei einfachen Mobiltelefonen verlassen, inzwischen bekommen sie aber auch hier immer mehr Konkurrenz. Anfang des Jahres stieß Samsung Nokia vom Thron des weltgrößten Handy-Herstellers.

Nokia hatte im vergangenen Jahr deshalb den Wechsel von seiner betagten Symbian-Plattform zu Windows Phone beschlossen. Microsoft unterstützt den Partner mit 250 Millionen Dollar pro Quartal, zugleich muss Nokia aber Lizenzen für Windows Phone bezahlen.

Die Hoffnung von Nokia und Microsoft ist, Windows Phone als dritte starke Kraft im Mobilfunk-Markt neben Android und dem iOS-System von Apples iPhones und iPads zu etablieren. Das gelang den Lumias bisher nicht, die Partner versprechen jedoch einen langen Atem. Elop sagte, er setze auf die für Herbst erwartete nächste Software-Version Windows Phone 8 als Zugpferd. Immer wieder wurde auch über Tablets von Nokia spekuliert.

Gute Nachrichten herausgepickt

Am Markt versuchten die Experten die guten Nachrichten herauszulesen: sie nahmen mit Erleichterung auf, dass die Finnen durch den einschneidenden Sparkurs ihr Geld zuletzt zusammen hielten. Mit einer Barschaft von 4,2 Mrd. Euro hatten die meisten nicht mehr gerechnet. "Es gab einen kleinen Hoffnungsschimmer, der Barmittelbestand war besser als erwartet und das war eine wichtige Nachricht, die die Märkte beruhigt hat", sagte Analyst Mikael Rautanen von Inderes.

"Der Renditeschwund ist alarmierend, aber immerhin konnte Nokia seinen Handy-Absatz verteidigen und hat weitere Umsatzrückgänge vermieden", urteilte Analyst Geoff Blaber von CCS Insight. "Nach einer scheinbar endlosen Reihe von schlechten Nachrichten geben diese Nachrichten ein Fünkchen Hoffnung", sagte Nick Dillon von Ovum. "Das Unternehmen hat es geschafft, die Lumia-Verkaufszahlen seit dem vergangenen Quartal zu verdoppeln. Wenn sie diesen Schwung beibehalten, könnte das den Weg zur Erholung bereiten." Kollege Janardan Menun von Liberium Capital blieb dagegen skeptisch: "Der Ausblick für das dritte Quartal ist schwach. Die Hauptfrage bleibt, was im vierten Quartal geschehen wird, wenn sie ihre neuen Geräte mit Windows Phone 8 auf den Markt bringen."

An der Börse legten die Nokia-Titel, die gerade noch 1,58 Euro wert sind, um fast 16 Prozent zu. Der Aktienkurs des einstigen Highflyers ist in den vergangenen Jahren drastisch eingebrochen. Allein seit Jahresbeginn sackte der Kurs um 60 Prozent ab.

Quelle: n-tv.de