Auf verlorenem Posten?: Metro kämpft gegen Dax-Abstieg
Bei der nächsten Überprüfung der Zusammensetzung des deutschen Aktienindex' droht Metro der Rausschmiss aus der höchsten Börsenliga. Schuld ist der gesunkene Börsenwert. Dabei sind allein die Immobilien mehr wert als die Börsenbewertung.
Der Handelskonzern Metrostemmt sich gegen den Abstieg aus Deutschlands wichtigstem Börsenindex Dax. Gutzwei Wochen bleiben Finanzchef Mark Frese, um den Börsenwert der Aktie soweit zusteigern, dass die Aufstiegsaspiranten Continental und Lanxess auf Abstand gehaltenwerden. "Wenn es so bliebe wie jetzt, würden wir aus dem Dax ausscheiden", sagte Freseder "Börsen-Zeitung".
Derzeit liege die Metro bei der Marktkapitalisierungdes Streubesitzes - also dem Gesamtwert der Aktien, die nicht den Großaktionärengehören - mit rund 3,2 Mrd. Euro auf Rang 36 der deutschen börsennotierten Firmen.Um sicher im 30 Werte umfassenden Dax zu bleiben, muss die Kaufhof- und Real-Muttermindestens einen Rang auf 35 klettern.
Die Deutsche Börse entscheidetam 5. September über die Zusammensetzung des Börsenbarometers. Die besten Aufstiegs-Chancenhat derzeit die im MDax notierte Continental mit einem Börsenwert des Streubesitzesvon 6,6 Mrd. Euro. In der Dax-Abstiegszone befindet sich auch der Lkw-Bauer MAN.Neben dem Börsenwert des Streubesitzes entscheidet der Aktienumsatz darüber, inwelchen Index ein Unternehmen einsortiert wird. Bei dieser Messlatte liegt die Metronach Freses Aussagen auf dem sicheren 22. Platz. Vor allem institutionelle Investorenwie Fonds orientieren sich bei der Zusammenstellung ihrer Portfolios an der Indexzugehörigkeit,ein Abstieg würde Verkaufsdruck auf die Metro-Aktie auslösen.
Goodwill-Tour nach Aktienabsturz
Metro will die Märkte unbedingt von seiner Leistungsfähigkeit überzeugen, aber konkrete Maßnahmen, um die Aktie anzuschieben, hat auch Frese nicht. Seit November hat die Aktie des Konzerns kräftig verloren. Während sie im Weihnachtsgeschäft, der umsatzstärkstenZeit der Handelsbranche, noch bei 37 Euro notierte, lag sie Ende Juli bei nur rund20 Euro. Seitdem hat sich der Kurs allerdings wieder in Richtung der 25-Euro-Markebewegt.
"Mit der aktuellen Bewertung der Metro-Aktie können wir natürlichnicht zufrieden sein, sie liegt nur knapp über dem Buchwert des Konzerns von 6,5Mrd. Euro", sagte Frese. Allein der Verkehrswert der Immobilien liegedeutlich über dem Gesamt-Börsenwert von acht Mrd. Euro. "Zugeben: Unsere Glaubwürdigkeithat in den vergangenen Jahren aus verschiedenen Gründen gelitten. Aber wir setzenalles daran, unsere Glaubwürdigkeit zu stärken."
Den jüngsten Anstieg derAktie haben Frese und Konzernchef Olaf Koch ihrem Quartalsbericht und einem Erfolgin einer langen juristischen Auseinandersetzung zu verdanken. Ende Juli überzeugtedie Metro-Führung die Anleger mit den Zahlen des zweiten Quartals, in dem eine Preisoffensiveund florierende Geschäfte im deutschen Heimatmarkt und in Asien die Umsätze steigenließen. Im zweiten Halbjahr sollen die Gewinne steigen, kündigte Koch an. So willer seine Jahresprognose doch noch erreichen. Investoren hatten gefürchtet, Kochkönne seine Ziele angesichts der Konsumflaute in weiten Teilen Europas kippen.
Punktsieg bei Media-Saturn-Streit
Im Rechtsstreit mit Media-Saturn-GründerErich Kellerhals um das Sagen bei Media-Saturn landete die Metro außerdem einenPunktsieg, was ebenfalls Druck von der Aktie nahm. Die Debatte, ob Metro Europasgrößte Elektrohandelskette wegen mangelnden Durchgriffs des Düsseldorfer Managementsaus den Bilanzen nehmen muss, ist laut Koch damit vom Tisch.
Doch auch falls die Metro den Dax-Platz räumen muss, geht für Finanzvorstand Fresedie Welt nicht unter: "Wir haben ein extrem gutes Standing am Kapitalmarkt.Ob mit oder ohne Dax-Zugehörigkeit bleiben wir am Ende, was wir sind: der viertgrößteHändler der Welt."
Quelle: n-tv.de