Notenbank reagiert: Chinas Preise galoppieren davon
China bekommt seine Inflation nicht in den Griff - trotz massiver und fortgesetzter Bremsmanöver der Notenbank. Im Mai klettert die jährliche Teuerungsrate auf 5,5 Prozent, nach 5,3 und 5,4 Prozent in den beiden Vormonaten.
Trotz Preiskontrollenund Zinserhöhungen bekommt China die Inflation nicht in den Griff. DieTeuerungsrate erreichte im Mai mit 5,5 Prozent den höchsten Stand seit knappdrei Jahren. Vor allem Lebensmittel kosteten deutlich mehr. "DerInflationsdruck bleibt hoch", sagte der Sprecher des Statistikamtes, ShengLaiyun, in Peking.
Experten sagen für Junisogar eine Sechs vor dem Komma voraus. Das von der Regierung angestrebteInflationsziel von vier Prozent rückt damit in weite Ferne. Die Notenbankreagierte umgehend, indem sie Geld aus dem Wirtschaftskreislauf zog.
Größter Preistreiberwaren Lebensmittel, die durchschnittlich 11,7 Prozent mehr kosteten als einJahr zuvor. Allein Schweinefleisch verteuerte sich um 40 Prozent. Auch fürviele Grundnahrungsmittel mussten die Chinesen tief in ihre Taschen greifen,zumal eine Dürre in wichtigen Anbaugebieten das Angebot verknappte. Das trafHunderte Millionen Arme, die den größten Teil ihres Geldes fürs tägliche Essenausgeben. Aus Furcht vor Unruhen hat die Regierung bereits im vergangenen JahrPreiskontrollen eingeführt und das Horten von Lebensmitteln untersagt. Auchviele Rohstoffe wurden deutlich teurer.
"Ziemlichhartnäckig"
Experten zufolge trifftaber auch die Regierung eine Mitschuld an den kräftig steigenden Preisen, weilsie während der Finanzkrise Hunderte Milliarden in die Wirtschaft pumpte, umeinen Abschwung zu verhindern. Die Zentralbank versucht nun, einen Teil diesesGeldes wieder einzusammeln: Sie hob zum sechsten Mal in diesem Jahr dieMindestreserveanforderungen für die Banken an. Die Kreditinstitute müssen nun21,5 statt bislang 21 Prozent ihrer Einlagen bei der Notenbank hinterlegen - soviel wie nie zuvor. "Das zielt darauf ab, die Inflation einzudämmen",sagte Ökonom Du Zhenzheng von Bohai Securities in Peking.
Außerdem dürfte dieZentralbank noch in diesem Monat ihren Leitzins anheben - zum sechsten Mal seitOktober. Dadurch werden Kredite für Konsum und Investitionen teurer, was dieNachfrage und damit auch den Preisanstieg dämpfen kann. "Die Inflation istziemlich hartnäckig, während das Wachstum robust ist", sagte Analyst WeiYao von der Societe General. "Die können den Leitzins jederzeitanheben."
"Wirtschaft kühltsich schrittweise ab"
Trotz derZinserhöhungen wächst die Wirtschaft stark, wenn auch merklich langsamer als2010. Die Industrieproduktion legte im Mai um 13,3 Prozent zu. Das war daskleinste Wachstum seit November. Der Einzelhandelsumsatz stieg mit 16,9 Prozenteinen Tick langsamer als erwartet, während die Anlageinvestitionen mit 25,8Prozent überraschend kräftig zulegten. "Chinas Wirtschaftswachstum kühltsich schrittweise ab", sagte Xu Gao von der China Everbrigth Securities."Die Notenbank wird in diesem Monat nochmals die Zinsen anheben, für denRest des Jahres aber stillhalten."
In den kommendenMonaten dürfte die Inflation hoch bleiben. Die Erzeuger von Nahrungsmitteln,Energie und anderen gewerblichen Produkten schraubten ihre Preise im Mai umdurchschnittlich 6,8 Prozent und damit deutlich stärker als erwartet an. DieErzeugerpreise geben einen frühen Hinweis auf die Entwicklung derLebenshaltungskosten, weil der Handel höhere Kosten zumindest teilweise anseine Kunden weitergibt. Experten der Denkfabrik Chinese Acadamy of SocialSciences rechnen im Juni mit einer Inflationsrate von mehr als sechs Prozent.
Quelle: n-tv.de