Kalter Wirtschaftswind in Peking: China-Industrie verliert Schwung
Beunruhigende Signale aus dem produzierenden Gewerbe schrecken die Wirtschaftslenker in der chinesischen Hauptstadt auf: Zwei wichtige Indikatoren zur Lage in der Industrie deuten auf eine unerwartet starke Abkühlung der chinesischen Wirtschaft hin.
Die chinesische Industrie muss einen kräftigenDämpfer hinnehmen: Der amtliche Einkaufsmanager-Index für die Großunternehmen fielnach Angaben der nationalen Statistikbehörde im Mai überraschend kräftigauf 50,4 Punkte und damit den tiefsten Stand in diesem Jahr.
Zwar liegt der Wertnoch über der Marke von 50 Punkten, die Wachstum signalisiert. Doch hatten Expertennur mit einem Rückgang auf 52,2 Punkte gerechnet, nachdem der Index noch im Aprilein 13-Monatshoch von 53,3 Punkten erklommen hatte.
Ein deutlich dunkleres Bild ergibt sich im Zusammenhang mit einem weiteren, stark beachteten Indiaktor: Zugleich mit dem offiziellen Barometer zur Lage der Großkonzerne sackte auch der Einkaufsmanager-Indexder britischen Großbank HSBC, der vor allem chinesische Mittelständler erfasst,deutlich ab.
In der endgültigen Fassung fiel der HSBC-Index mit 48,4 Punkten noch schlechter aus, als in der erstenSchätzung mit 48,7 Punkten befürchtet. Im April lag er bei 49,3 Punkten. Damit schrumpftder Sektor den siebten Monat infolge. Sorgen bereitet Experten zufolge vor allem, dass nach der amtlichen Statistik, dieNeuaufträge gesunken und die Lagerbestände ungewöhnlich schnell gewachsen seien.
Motor der Weltwirtschaft
Trotz aller Stützungsmaßnahmen der Regierung mehren sich damit die Anzeichen füreine deutliche Abkühlung der chinesischen Wirtschaft. Experten rechnen damit, dasssich das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft im zweiten Quartal auf das Jahrhochgerechnet auf 7,9 Prozent verlangsamt. Damit würde es erstmals seit 2009 unterdie Marke von acht Prozent fallen.
Für das Gesamtjahr gingen Analysten zuletzt voneinem Plus von 8,2 Prozent aus. Das wäre der schwächste Anstieg seit 1999. China zählt zu den wichtigsten Handelspartnern der deutschen Wirtschaft. Zahlreiche Unternehmen - darunter auch prominente Namen wie etwa der Automobilkonzern - haben ihre Wachstumsstrategien auf einen anhaltenden Wirtschaftsaufschwung in dem aufstrebenden Schwellenland ausgerichtet.
Quelle: n-tv.de