Schlecker-Kuchen wird aufgeteilt: Alle bekommen etwas ab
Mit Schlecker verschwindet der langjährige Drogerie-Marktführer von der Bildfläche. Die verbliebenen Drogerieketten dm, Rossmann und Müller bringen sich in Stellung, um einen großen Teil von dem Kuchen zu erhaschen. Aber auch die Discounter buhlen um die Verbraucher. Das Geschäft mit Drogerieartikeln ist hart umkämpft.
Mit dem endete in der abgelaufenen Woche nicht nur ein Kapitel deutscherWirtschaftsgeschichte. Im Drogerie-Einzelhandel wurde auch der Platz desBranchenführers frei - ein Umsatzpotenzial, das sich Rivalen wie dm, und Müller nicht entgehen lassen wollen.
Seit Wochen bringt sich die Konkurrenz im Kampf umdas Geld der Verbraucher in Stellung, das diese bisher bei Schlecker ließen.Doch nicht nur Drogeriemärkte haben es auf Stücke von diesem Umsatzkuchenabgesehen. Auch Supermärkte und Fachhandel wollen ihren Anteil.
Für Drogerieketten wie auch den übrigen Einzelhandelmit Drogeriewaren im Sortiment gehe es "jetzt darum, die Schlecker-Kundenan das eigene Unternehmen zu binden", sagt Einzelhandelsexperte WolfgangAdlwarth von der Marktforschungsfirma GfK in Nürnberg. Im Drogerie-Einzelhandelist dm künftig Marktführer mit einem Jahresumsatz von 6,2 Milliarden Euro. AufPlatz zwei folgt Rossmann mit 5,6 Milliarden Euro, danach kommt Müller mit überdrei Milliarden Euro.
"Wir gehen davon aus, dass 40 Prozent desfrüheren Schlecker-Umsatzes an Drogeriemärkte wandern, 20 Prozent an Discounterund 40 Prozent an sogenannte Sonstige Einkaufsstätten", sagte GfK-ExperteAdlwarth. Zu diesen übrigen Einkaufsstätten zählen die KonsumforscherSupermärkte und SB-Warenhäuser, aber auch den Kosmetik-Fachhandel.
Das Geschäft mit Drogerieartikeln ist hart umkämpft,wie Einzelhandelsexperte Matthias Queck vom Marktanalyse-Unternehmen PlanetRetail sagt. 2000 habe es in Deutschland noch acht größere, unabhängigeDrogeriemarkt-Ketten gegeben, heute seien es noch drei große Anbieter. Kaiser'sDrugstore als Teil der Tengelmann-Gruppe etwa wurde von Rossmann geschluckt,die Kette drospa von der Schlecker-Tochter Ihr Platz. Die bis heute verbliebenendrei großen Anbieter wachsen jedoch von Jahr zu Jahr.
"Drogeriemärktesind Fachmärkte"
GfK-Experte Adlwarth sieht das Geschäft mitDrogerieartikeln als ein "Wachstumssegment in einem wertmäßig insgesamtwachsenden Markt" mit Produkten des täglichen Bedarfs. Zwar sei dasGeschäft der Drogeriemärkte zwischen Januar und Mai dieses Jahres um 0,6Prozent geschrumpft. "Das sind jedoch Bremsspuren, die sich durch dieSituation von Schlecker erklären lassen." Der Lebensmittel-Einzelhandelinklusive Drogeriewaren habe in den ersten fünf Monaten des Jahres einUmsatzplus von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum verzeichnet.
Speziell aber der Lebensmittel-Einzelhandel musssich im Kampf um die Schlecker-Kunden einiges einfallen lassen, wie MatthiasQueck von Planet Retail betont. In den vergangenen Wochen hätten zwar auchKetten wie Rewe oder Netto auf ihren Handzetteln verstärkt mit Drogerieartikelngeworben. Jedoch sei es "am Ende nicht einfach damit getan,Drogerieartikel ins Regal zu stellen", sagt Queck. "Drogeriemärkte sindFachmärkte. Wer da mithalten will, muss mit seiner Kompetenz gegen einenFachhändler bestehen."
Die Drogerieketten wiederum seien klar positioniert,sagt Queck. dm etwa locke mit günstigen und transparenten Preisen sowieansprechend gestalteten Filialen. Zudem demonstriere das Unternehmen durch eingroßes Angebot an Artikeln eigener Marken Kompetenz im Drogerie-Bereich.Rossmann versuche gezielt, durch Werbung für Aktionsangebote zu punkten sowiedurch ein insgesamt breiteres Sortiment - auch jenseits herkömmlicher Drogerieartikel.Müller wiederum habe eine "lukrative Nische für sich aufgetan" undersetze heute gerade in vielen kleinen und mittleren Städten das örtlicheKaufhaus.
Für Wolfgang Adlwarth von der GfK stellt sich da dieFrage, wie der verbliebene Rest des Schlecker-Imperiums, die ebenfallsinsolvente Drogeriemarkt-Tochter Ihr Platz, künftig überleben kann. In derDrogeriebranche seien "alle Kompetenzfelder besetzt", sagt Adlwarth."Da wird es eine anspruchsvolle Aufgabe, ein Alleinstellungsmerkmalherauszuarbeiten."
Quelle: n-tv.de