"Nun regiert die Angst": Wall Street schließt tiefrot
Miese Arbeitsmarktdaten geben den ohnehin pessimistischen Börsianern am US-Aktienmarkt den letzten Rest. Die Kurse rauschen in den Keller und bescheren dem Markt den schwärzesten Handelstag des Jahres. Im Leitindex Dow sind die im gesamten Jahr angefallenen Kursgewinne futsch.
Talfahrt an den US-Börsen:Zu den Sorgen über die europäische Schuldenkrise haben sich am Freitag auch nochmassive Konjunktursorgen gesellt. Die US-Arbeitsmarktdaten waren so schlecht ausgefallenwie selten. Mit einem Stellenplus von nur 69.000 im Mai wurde die Erwartung vonplus 155.000 mehr als deutlich verfehlt - und das bereits zum dritten Mal in Folge.Der Stellenaufbau war zugleich der niedrigste seit einem Jahr. Dazu wurden auchnoch die Vormonatsdaten nach unten revidiert. Mit einem Wert von 8,2 Prozent stiegdie Arbeitslosenquote erstmals seit einem Jahr wieder an. Abgerundet wurde das düstereKonjunkturbild von enttäuschenden Wirtschaftsdaten aus Europa und China.
Entsprechend negativ fieldie Reaktion der Anleger am Aktienmarkt aus. Der Dow-Jones-Index verzeichnete den höchsten Verlust im laufenden Jahrund gab 2,2 Prozent auf 12.119 Punkte ab. Zudem rutschte der US-Leitindex auf Jahressichtdamit ins Minus. Der S&P-500 reduziertesich um 2,5 Prozent auf 1.278 Zähler und der technologielastige Nasdaq-Composite sank gar um 2,8 Prozentauf 2.748 Stellen. Alle drei Indizes durchbrachen damit deutlich ihre 200-Tagelinien."Das erste Quartal an den Börsen verlief exzellent, nun aber regiert die Angst.Und die ist wirklich gewaltig", beschrieb Marktstratege Greg Peterson von BallentinePartners das Sentiment.
Eine ganze Serie schlechterNachrichten überraschte Investoren am Berichtstag. Aus China wie aus Europa prasseltenschwache Einkaufsmanager-Indizes hernieder. Das immer lautere Stottern des Wachstumsmotorsin Fernost und die in eine Rezession rutschende Eurozone dämpften weltweit die Hoffnungenauf eine Stabilisierung der Wirtschaft. Etwas Entlastungen lieferte zumindest temporärder ISM-Index für das verarbeitende US-Gewerbe, der im Mai die Markterwartungennur knapp verfehlte. Die Bauausgaben stiegen im April moderat und legten hinsichtlichder Marktprognosen eine Punktlandung hin. Die Ausgaben der US-Verbraucher zogenim April im vorhergesagten Rahmen an. Trotz dieser Lichtblicke dominierte jedochdie Tristesse am Arbeitsmarkt.
"Was wir am Markt sehenist ganz klar das Einpreisen eines synchronisierten globalen Konjunkturabschwungs",ließ Marktstratege Joe Quinlan von U.S. Trust keine Zweifel an den Befürchtungender Marktteilnehmer aufkommen. Nutznießer der negativen Stimmung an den US-Märktenwaren einmal mehr die US-Staatsanleihen, deren Notierungen deutlich anzogen.
Kein Sektor am Aktienmarktein positives Vorzeichen auf, es regierte die Farbe Rot. Im Dow wurde die Listeder Verlierer von Hewlett-Packard miteinem Abschlag von 6,3 Prozent auf 21,25 Dollar angeführt. Die Analysten von Jefferieshatten die Titel abgestuft. Walt Disneyernannte Alan Horn zum Chairman der Walt Disney Studios. Horn war zuvor Präsidentund COO von Warner Brothers Entertainment, wo er für Filmlizenzen einschließlichder "Harry-Potter-Serie" zuständig war. Walt Disney fielen um 2,9 Prozentauf 44,40 Dollar. Händler schrieben die Kursentwicklung aber mehr dem schwachenMarktsentiment zu.
Der TelekommunikationskonzernVerizon Communications übernimmt Hughes Telematics, einen Entwickler vonStimm- und Datendiensten in Fahrzeugen, für 12 Dollar je Aktie. Verizon verbilligtensich um 1,5 Prozent auf 41,03 Dollar, Hughes Telematics katapultierten um 171 Prozentauf 11,79 Dollar in die Höhe.
Im breiteren Wall-Street-Universumbrachen OmniVision Tchnologies um 17,2Prozent auf 13,40 Dollar ein. Das im Bereich Bildtechnologie tätige Unternehmenverschreckte Anleger mit einem schwachen Gewinnausblick. Die Umsatzprognose rangiertedagegen deutlich über dem Marktkonsens. Im berichteten vierten Quartal verbuchtedas Unternehmen einen Gewinn- und Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Vera Bradleysanken um 9,4 Prozent auf 19,81 Dollar. Der Hersteller von Handtaschen und Mode-Accessoiressenkte seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr, hielt an seiner Gewinnschätzungallerdings fest. Groupon maschiertenum 8,9 Prozent auf 9,69 Dollar gen Süden, am Berichtstag endete die Haltefrist fürbestimmte Aktionäre nach dem Börsengang des Gutscheinvermittlers. Sara Lee will nach der Ausgliederung desinternationalen Kaffee- und Teegeschäfts eine Sonderdividende ausschütten. Die Titelsanken mit dem Gesamtmarkt um 2,2 Prozent auf 20,44 Dollar und hielten sich damitrecht wacker.
Quelle: n-tv.de