Alle Hoffnung auf Notenbanken: Wall Street schließt im Plus
Die Zentralbanken sollen es richten, wenn es in Griechenland kracht: das ist die Hoffnung, die die Kurse an der Wall Street nach oben trägt. Von der US-Konjunktur kommt ein Dämpfer: der Empire-State-Index liegt deutlich niedriger als erwartet.
Die Aussicht auf eine konzertierteAktion der wichtigsten Zentralbanken nach der Wahl in Griechenland hat zu Kursgewinnenan der Wall Street geführt. Für einen Dämpfer sorgten allerdings enttäuschende Zahlenvon der US-Konjunktur. Zudem bleibt die Sorge um spanische Banken.
Aus Kreisen der 20 führendenIndustrie- und Schwellenländer war bereits am Donnerstag verlautet, dass die Notenbankendie Finanzmärkte notfalls stabilisieren und eine Kreditklemme verhindern würden.Die Griechen wählen am Sonntag ein neues Parlament. Möglicherweise entscheiden sieindirekt auch über den Verbleib ihres Landes in der Eurozone.
Der Dow-Jones-Index der30 Standardwerte stieg um 0,9 Prozent auf 12.767 Punkte. Während des Tages pendelteer zwischen den Marken von 12.651 und 12.774. Beim S&P 500 betrug das Plus einProzent auf 1342 Stellen. Der Index der Technologiebörse Nasdaq legte sogar um 1,3Prozent auf 2872 Zähler zu. Auch die Woche insgesamt schlossen die Indizes mit Gewinnenab: Beim Dow betrug das Plus 1,7 Prozent, beim S&P 1,3 Prozent und beim Nasdaq-Index0,5 Prozent.
Börsianer bezeichneten dieGewinne der Wall Street am Freitag als nicht nachhaltig, da sich viele Anleger wegender Wahl nicht aus der Deckung wagten. "Leider sind die Märkte und politischenEntscheidungsträger so sehr von geldpolitischen Lösungen entzückt, dass sie vergessenhaben, wie die Dinge eigentlich funktionieren sollen", kritisierte der DerivateexpertePeter Cecchini von Cantor Fitzgerald. Wichtig seien Innovationen und eine wachsendeProduktivität.
Zur Enttäuschung der Börsianerbelegten neue Daten die Schwäche der US-Wirtschaft. Die Industrie im Staat New Yorkverlor im Juni deutlich an Fahrt: Der Index für das Verarbeitende Gewerbe sank unerwartetkräftig auf den tiefsten Stand seit November. Auch die Industrieproduktion im gesamtenLand ging überraschend etwas zurück.
Einige Investoren gegendavon aus, dass die enttäuschenden Konjunkturdaten die US-Notenbank dazu bewegenkönnte, in der kommenden Woche eine lockere Geldpolitik zu signalisieren. Die FederalReserve wird am Mittwoch nach einem zweitägigen Treffen ihre Politik erklären.
Bei den Einzelwerten standder Softwarekonzern Microsoft im Interesse der Anleger. Das Unternehmen will nacheinem Bericht des "Wall Street Journals" die Internetfirma Yammer für1,2 Mrd. Dollar kaufen. Die Microsoft-Aktien stiegen um 2,3 Prozent.
Im Kampf gegen eine feindlicheÜbernahme durch den britischen Pharmariesen GlaxoSmithKline drängt das Biotech-UnternehmenHuman Genome andere Interessenten zu einem Gegengebot und legte hierfür eine Fristfest. Die Aktien von Human Genome legten 0,7 Prozent zu.
Weniger positiv reagierteder Markt dagegen auf einen Führungswechsel beim Baby-Nahrungshersteller Mead Johnson- die Titel gaben um 0,5 Prozent nach, nachdem der Konzernchef seinen Rückzug ankündigte.
Deutlich nach oben ginges mit Papieren des angeschlagenen Lastwagenherstellers Navistar: Sie verteuertensich um 7,6 Prozent. Die Investmentfirma MHR Fund Management hatte bekanntgeben,einen Anteil in Höhe von 13,6 Prozent des Unternehmens gekauft zu haben. Die Aktiewar schon in der vergangenen Woche gefragt, als Fiat Industrial sein Interesse bekundete.Einem Zeitungsbericht zufolge soll auch Volkswagen einen Einstieg prüfen.
An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,5Milliarden Aktien den Besitzer. 2063 Werte legten zu, 913 gaben nach, und 117 bliebenunverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,96 Milliarden Aktien 1759im Plus, 755 im Minus und 99 unverändert.
Quelle: n-tv.de