Marktberichte
Etwas schwächer am Nachmittag: Der Dax zur Wochenmitte.
Etwas schwächer am Nachmittag: Der Dax zur Wochenmitte.(Foto: REUTERS)

Dax-Anleger sichern die 10.000: US-Börsen geben deutlich nach

Seit Wochenbeginn kommt der Dax auf eine Handelsspanne von mehr als 500 Punkten. Die Nervosität der Anleger in der verkürzten Karwoche ist hoch, die Umsätze dünnen mehr und mehr aus. In New York wirft der Ölpreis konjunkturelle Fragen auf.

In der verkürzten Handelswoche ist der deutsche Aktienmarkt auch am Mittwoch seinem Schema treu geblieben: Große Handelsspannen, wilde Auf- und Abbewegungen und am Ende ein minimaler Ab- oder Aufschlag. Zur Wochenmitte stand am Ende ein Plus, aber es hätte wie bereits am Dienstag deutlich mehr drin sein können. "Man spürt den Respekt der Anleger vor der 10.000", zog n-tv Börsenexperte Frank Meyer bereits am Vormittag das richtige Fazit. "Die Börsianer konzentrieren sich auf die fundamentalen Fakten, wie den fallenden Euro", sagte Meyers Kollegin Katja Dofel.

Der Dax ging mit einem Aufschlag von 0,3 Prozent und 10.023 Punkten aus dem Handel. Das Tagestief markierte er bei 10.112 Zählern, das Tagestief bei 9986. Am Dienstag war er nach einer Berg- und Talfahrt mit einem Aufschlag aus dem Handel gegangen. Am Montag hatte sich ein ähnliches Bild abgezeichnet: Ein wildes Auf und Ab, am Ende dann allerdings nahezu unverändert. Der MDax schloss am Mittwoch 0,3 Prozent fester bei 20.257 Stellen. Der TecDax legte 0,8 Prozent auf 1616 Stellen zu.

Wohl und Wehe

Weiter ausdünnende Umsätze und die Charttechnik mahnen weiterhin zur Vorsicht. Viele Aktienindizes sind mittlerweile an wichtigen Widerständen angekommen. So hat der S&P-500 den November-Abwärtstrend erreicht, ein Bruch könnte einen Test des November-Hochs bei knapp 2120 Punkten auslösen. Allerdings drückt von unten auch der Aufwärtstrend, mit dem der Index seit dem Tief vom 10. Februar steigt. Ein Bruch würde als Verkaufssignal gesehen. IG Markets sprach angesichts der sich anbahnenden Entscheidung von einem kritischen Punkt.

"Gegen den US-Markt wird der Dax die 10.000er Marke aber nicht nachhaltig überwinden", warnte ein Marktteilnehmer. Der Dax kämpfe nun seit Tagen mit diesem Niveau. Wichtige Konjunkturdaten aus Europa standen zudem nicht auf der Agenda und konnten somit den Markt auch nicht zusätzlich stützen.

Dax: Nike-Zahlen ziehen Adidas in den Fokus

Bei den Einzelwerten schauten die Anleger auf den Topgewinner 2015 Adidas. Hauptkonkurrent Nike hatte für das dritte Geschäftsquartal zwar ein starkes Ergebnis vorgelegt, beim Umsatz und Ausblick aber enttäuscht. "Jammern auf hohem Niveau", nannte das Börsenexperte Meyer. Adidas gewannen 1,5 Prozent.

Ein weiteres Auge warfen Anleger mal wieder auf VW. Dem Konzern steht im Abgasskandal in den USA vor einer weiteren Klage. Der Bundesstaat Kentucky tritt diesmal als Kläger auf. VW drehten im Handelsverlauf ins Minus, schlossen rund 0,4 Prozent leichter. BMW gaben 0,7 Prozent Prozent zu, Daimler verteuerten sich 0,2 Prozent.

Deutsche Post zapft Kapitalmarkt an

Immerhin 0,2 Prozent ging es für Deutsche Post nach oben. Der Konzern will zwei Anleihen platzieren und so 1,25 Milliarden Euro aufnehmen. Das Kapital soll zur langfristigen Ausfinanzierung von Pensionsverpflichtungen und für generelle Unternehmenszwecke verwendet werden. Die Deutsche Post will damit vom derzeitigen "attraktiven Kapitalmarktumfeld profitieren".

Größter Verlierer waren erneut Deutsche Bank. Die Titel, die bereits am Dienstag neben Lufthansa schwächster Dax-Wert waren, büßten fast 3 Prozent ein. Coba gaben etwa 2 Prozent ab. Bei den Versorgern hinkten RWE hinterher und schlossen 0,7 Prozent leichter.

MDax: Norma hebt Dividende an

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Norma sackten 2,7 Prozent ab. Gewinnmitnahmen führten Händler als Grund an. Das Unternehmen will seine Dividende nach einem deutlichen Gewinnwachstum im vergangenen Jahr erhöhen. Der Hauptversammlung soll eine Ausschüttung von 0,90 Euro je Aktie vorgeschlagen werden, das sind 15 Cent mehr als im Vorjahr. Auf das laufende Jahr blickt Norma mit Zuversicht. Das Unternehmen sei breit genug aufgestellt, um vom Wachstum in den verschiedenen Endmärkten und Regionen zu profitieren.

Etwas verwundert äußerten sich Händler zum deutlichen Kursminus von rund 6 Prozent bei Leoni. "Der Dividendenschnitt war erwartet worden und auch bei den Zahlen gab es eigentlich nichts Neues mehr", sagte ein Händler. Lediglich das Ebit habe noch etwas tiefer gelegen. Das Kursminus könne mit der auf 1,00 Euro gesenkten Dividende nicht begründet werden, da die Erwartungen sogar nur noch bei rund 0,95 Euro gelegen hätten. "Das Minus sollte ohnehin nicht überbewertet werden, da wir damit nur die Kursgewinne von gestern wieder raushandeln."

Kuka stiegen auf ein neues Rekordhoch und schlossen 2 Prozent im Plus. Damit steckte das Unternehmen die skeptischen Analystenaussagen erst einmal weg. Hauck & Aufhäuser hatte den Titel auf die Verkaufsliste genommen, bereits am Dienstag hatte der Ausblick skeptische Reaktionen hervorgerufen. Der Kurs hatte da nach schwacher Eröffnung zu einem Intraday-Reversal angesetzt. "Nun gibt es Anschlusskäufe", kommentierte ein Händler.

TecDax: Aixtron im Hoch

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Aixtron stiegen über das jüngste Zwischenhoch bei gut 3,70 Euro und schlossen damit die Bodenbildung aus technischer Sicht erfolgreich mit dem Anstieg darüber ab. "Die Neubewertung hat begonnen", sagte ein Marktteilnehmer. In der Aktie gebe es große Short-Positionen, die nun wegen positiver Nachrichten zum Schließen gezwungen würden. Der Anlass für den Kursschub sei der Durchbruch in der OLED-Technologie, in die Aixtron viel Geld investiert habe. Equinet hatte die Aktien auf "Akkumulieren" heraufgestuft. Der Kurs sprang rund 16 Prozent an.

Senvion gibt Börsendebüt

Der Windanlagenbauer Senvion stolperte an die Börse. Der deutlich heruntergeschraubte Emissionspreis lag bei 15,75 Euro und damit am unteren Ende der Preisspanne. Der erste Kurs: 16,00 Euro. Am Ende verabschiedete sich das Papier um 15,90 Euro aus dem Handel. "Bereits am Dienstag hat es im Handel per Erscheinen fast nur Verkaufsanfragen gegeben, vor allem aus London", sagte ein Marktteilnehmer.

Wall Street: Schwäche zur Wochenmitte

Chart

In den USA blickten Börsianer auf leicht fallende Kurse. Nach den Anschlägen in Brüssel und aufgrund der verkürzten Handelswoche vor Ostern scheuten Investoren das Risiko, hieß es aus dem Handel. Der Rückgang der Ölpreise lastete zudem auf dem in New York schwer gewichteten Energiesektor.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab um 0,45 Prozent nach und beendete den Handelstag bei 17.502,59 Punkten. Am Vortag hatte der US-Leitindex den Anschlägen in der belgischen Hauptstadt Brüssel weitgehend getrotzt und kurzzeitig bei 17.648,94 Punkten ein Jahreshoch erreicht. Der marktbreite S&P-500-Index verlor im Mittwochshandel 0,64 Prozent auf 2036,71 Punkte. Der Technologiewerte-Index Nasdaq 100 büßte 0,79 Prozent auf 4402,56 Zähler ein.

Die Ölpreise waren nach unerwartet hohen Lagerbeständen in den USA deutlich gesunken. Dies dürfte die Sorgen der Anleger vor überquellenden Öltanks in den USA weiter schüren, hieß es in einer Einschätzung von Rohstoffexperten der Commerzbank. Mit der Entwicklung einher gingen Befürchtungen, dass die Wirtschaft an Schwung verlieren könnte.

Börsianer taten sich auch schwer mit der Beurteilung der weiteren Geldpolitik der US-Notenbank Fed. Der Chef der Federal Reserve Bank von Philadelphia, Patrick Harker, sprach sich für mindestens drei Zinserhöhungen in diesem Jahr aus. Die Fed selbst hat zwei Schritte in Aussicht gestellt. Fed-Mitglied James Bullard aus St. Louis spekulierte öffentlich über eine Zinserhöhung im April.

Bei den Einzelwerten zählen Nike zu den Verlierern. Die Aktien des Sportartikelriesen büßten 3,8 Prozent an Wert ein. Der Adidas-Rivale steigerte seinen Umsatz in dem Ende Februar abgelaufenen Geschäftsquartal zwar um knapp acht Prozent auf rund acht Milliarden Dollar, verfehlte damit aber die Erwartungen seiner erfolgsverwöhnten Anleger.

Rohstoffe: Volle US-Öllager belasten

Der Ölpreis gab deutlich nach. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am frühen Abend 40,73 Dollar. Das waren 2,5 Prozent weniger als am Dienstag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank sogar 3,2 Prozent auf 40,13 Dollar.

Die vom amerikanische Energieministerium veröffentlichten wöchentlichen Lagerzahlen warteten mit einem deutlichen Anstieg um mehr als 9,3 Millionen Barrel auf einen neuen Rekordwert auf. Am Dienstagabend hatte bereits das privatwirtschaftliche US-Institut API einen starken Aufbau der Rohölvorräte gemeldet. Das viele überschüssige Erdöl, das in den USA zurzeit gelagert wird, gilt als ein wichtiger Grund für das geringe Preisniveau am Ölmarkt.

Deutlich schwächer präsentierte sich der Goldpreis. Nachdem er am Dienstag nach den Terroranschlägen in Brüssel deutlich geklettert war und die Marke von 1250 Dollar genommen hatte, kam er nun wieder zurück. Eine Feinunze kostete am Abend 1222 Dollar. Das waren rund 2 Prozent weniger als noch am Dienstag.

Devisen: Euro unter 1,12

In den vergangenen Tagen hatte der Dollar im Trend zugelegt. Dieses Szenario setzte sich zur Wochenmitte weiter fort. Am Abend kostete die Gemeinschaftswährung 1,1177 Dollar und damit 0,4 Prozent weniger als am Dienstagabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,1171 Dollar fest nach 1,1212 Dollar am Dienstag.

Der Grund für die Dollar-Stärke ist, dass sich einige US-Notenbanker für eine baldige Fortsetzung der Zinswende ausgesprochen haben. An den Märkten sind die Erwartungen an eine weitere Zinserhöhung in den USA deshalb etwas gestiegen, was dem Dollar Rückenwind verliehen hat. Die Terroranschläge von Brüssel hatten den Eurokurs nur am Dienstag zeitweise belastet. "Bereits am Vorabend normalisierte sich die Risikostimmung am Devisenmarkt", sagte Devisenexpertin Esther Reichelt von der Commerzbank. Eine andauernde Euro-Schwäche als Reaktion auf die Anschläge ist ihrer Einschätzung nach nicht zu erwarten. "Das haben bereits die Anschläge von Paris gezeigt", unterstrich Reichelt.

Asien: Börsen reagieren besonnen

Die Bewegungen an den Börsen in Südostasien und Australien hielten sich am Mittwoch in Grenzen. Vor allem Anleger aus Übersee zögen sich in der Karwoche peu à peu aus dem Aktienmarkt zurück und seien nicht bereit, größere Positionen aufzubauen, hieß es im Handel. Marktteilnehmer sprachen von einem relativ ruhigen Handel und einer besonnenen Reaktion auf die Terroranschläge in Brüssel.

In Australien schloss der A&P/ASX-200 mit einem Abschlag von 0,5 Prozent, nachdem vor allem Energiewerte Verluste verbucht hatten. Ursächlich für die Entwicklung sind leicht nachgebende Ölpreise.  Auch an den Leitbörsen in Tokio und Shanghai tat sich wenig. Während der Nikkei im späten Geschäft 0,3 Prozent auf 16.995 Punkte nachgab, büßte der Shanghai-Composite 0,2 Prozent auf 2994 Zähler ein. Die chinesische Börse bewegt sich damit aber noch immer in Reichweite des jüngsten Zweimonatshochs.

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Quelle: n-tv.de

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