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Wall Street schließt im Minus: Turbulente Dax-Woche endet rot

Auf die Jahresendrally am deutschen Aktienmarkt müssen die Anleger weiter warten. Ein Versuch ist da, aber er endet abrupt. Zum Wochenschluss steht ein Minus, das hätte größer sein können.

"Der Run auf die 10.800 ist abgeblasen." "Wir haben etwas Zinsangst." So haben die beiden n-tv-Börsenexperten Susanne Althoff und Frank Meyer den Handel am deutschen Aktienmarkt zum Wochenschluss kommentiert. Die Kurse fielen auch, weil Daten zum US-Wirtschaftswachstum nicht vollends überzeugen konnten.

Der Dax schloss 0,2 Prozent schwächer bei 10.696 Punkten. Das Tagestief markierte er bei 10.584 Zählern, das Tageshoch bei 10.711. Am Donnerstag hatte er nach einer Gegenbewegung am Nachmittag zum Handelsende noch minimal fester geschlossen. Der MDax gab 0,4 Prozent auf 21.162 Zähler nach. Der TecDax büßte 0,7 Prozent auf 1730 Stellen ein.

Konjunktur: Zinsängste?

Frische Daten zum US-Wirtschaftswachstum konnten keinen neuen Kaufimpuls auslösen. Das BIP-Plus war zwar mit annualisierten 2,9 Prozent deutlich stärker ausgefallen als von Analysten erwartet (2,5 Prozent). "Die Konjunktur profitiert aber vor allem vom Lageraufbau und von den Exporten", sagte ein Händler. Der für die USA so wichtige Konsum habe dagegen schwach abgeschnitten. Er wuchs lediglich um 2,1 Prozent.  "Die Zinserwartungen verändern sich kaum", so der Händler. Eine Zinserhöhung im Dezember sei zu 73,1 Prozent eingepreist. Mitte der Woche waren es schon etwa 78 Prozent gewesen.

Zinsängste hält Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research dennoch für übertrieben. Er verwies sie ins "Reich der Fabel". Vielmehr rechnet er nach den US-Wahlen mit einer Jahresendrally: "Diese dürfte den Dax zumindest kurzfristig über die 11.000er-Marke schieben, da dieser auch noch vom schwachen Euro und einer im Vergleich zu den US-Börsen günstigen Bewertung gestützt wird", erläuterte er.

Wall Street mit Abstrichen

Trotz augenscheinlich guter Wachstumsdaten haben sich die US-Börsen mit kleinen Verlusten aus der Woche verabschiedet. Beobachter machten dafür neue Ermittlungen des FBI in der Email-Affäre von US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton verantwortlich. Damit scheint kurz vor der Wahl am 8. November deren Ergebnis wieder offen. Zuletzt hatte Clinton, die auch Favoritin der Wall Street ist, in den Umfragen klar vor ihrem Konkurrenten Donald Trump gelegen. Die nun angekündigten Ermittlungen gegen die Kandidatin lasteten nicht nur auf den Aktienkursen, sondern auch auf dem Dollar. Gold und Anleihekurse legten dagegen zu.

Der Dow-Jones-Index fiel um 0,1 Prozent auf 18.161 Punkte. Der S&P-500 zeigte sich 0,3 Prozent niedriger, und der Nasdaq-Composite verlor 0,5 Prozent.

Die jüngsten Quartalsausweise gaben ein gemischtes Bild ab. Die Google-Mutter Alphabet hat im dritten Quartal das starke Wachstum fortgesetzt. Die Umsätze legten fast ausschließlich dank weiterhin sprudelnder Werbeeinnahmen um 20 Prozent zu. Der Gewinn je Aktie vor Sonderposten erhöhte sich auf 9,06 Dollar und übertraf damit die Analystenprognose von 8,62 Dollar klar. Für die Aktie ging es um 0,3 Prozent nach oben.

Dagegen fielen Amazon um 5,2 Prozent. Im dritten Quartal verdiente der Konzern zwar mehr als dreimal so viel wie im Vorjahreszeitraum, doch hatten Analysten deutlich mehr erwartet. Der Grund für die verfehlten Erwartungen liegt in den Versandkosten, die im Quartal unerwartet stark stiegen.

Der Ölkonzern Exxon Mobil hat im dritten Quartal wegen der hartnäckig niedrigen Ölpreise und schwacher Raffineriemargen deutlich weniger verdient als im Vorjahreszeitraum. Gleichwohl übertraf Exxon die niedrigen Gewinnerwartungen der Analysten. Die Aktie gab um 2,5 Prozent nach. Auch Chevron hat im abgelaufenen dritten Quartal wegen der gefallenen Ölpreise weniger umgesetzt und verdient. Im Vergleich zu den ersten beiden Quartalen laufe das Geschäft aber schon wieder besser, sagte Chevron-Chef John Watson. Die Aktie gewann 3,9 Prozent.

Baker Hughes profitierten von einem geplanten Zusammenschluss. Der US-Mischkonzern General Electric plant, sein Öl- und Gasgeschäft mit dem Ölfeldausrüster zu fusionieren, wie Baker Hughes bestätigte. Für die Baker-Hughes-Aktie ging es um 8,4 Prozent aufwärts. General Electric erhöhten sich um 2,1  Prozent.

Die Amgen-Aktie verlor 9,6 Prozent. Zwar hat das Unternehmen die Erwartungen bei Gewinn und Umsatz übertroffen und die Ziele angehoben. Doch gab es einige negative Nachrichten bei einzelnen Präparaten. So ist etwa der Absatz des Krebsmedikaments Neupogen wegen der Konkurrenz eines Novartis-Produkts um 36 Prozent gefallen.

Übernahmespekulationen trieben den Kurs von Dean Foods um 10,7 Prozent nach oben. Angeblich ist der chinesische Getränkehersteller Hangzhou Wahaha an dem Lebensmittelkonzern interessiert. Ein Sprecher von Dean Foods wollte das Gerücht nicht kommentieren.

Advanced Micro Devices (AMD) verbesserten sich um 1,3 Prozent. Apple wird sein neues MacBook Pro mit AMD-Chips ausstatten.

Dax: Linde liefert

Bei den Einzelwerten im deutschen Börsenleitindex sorgte wie schon an den Vortagen eine ganze Reihe von Quartalsergebnissen für Bewegung. Keinen Kurstreiber machten Händler dabei hinter den Zahlen der Deutschen Börse aus. Sie lägen im erwarteten Rahmen. "Kosteneinsparungen bleiben weiter ein Treiber bei den Gewinnen, operativ ist da nicht viel Bewegung drin", sagte ein Händler. Deutsche Börse schlossen etwa 0,5 Prozent fester.

Linde setzten sich mit einem Plus von etwa 3,5 Prozent an die Spitze der Dax-Gewinner. "Die Zahlen waren knackig", kommentierte n-tv Börsenexperte Meyer. Die Zahlen waren sowohl bei den Umsätzen als auch auf der Ergebnisseite besser als erwartet ausgefallen. Daneben hatte Linde ein gruppenweites Kostensenkungsprogramm gestartet. Linde mache sich hübsch für mögliche Fusionspartner in der Zukunft, hieß es im Handel.

Deutsche Bank konnten ihren am Donnerstag durch die guten Zahlen gestarteten Aufwärtstrend nicht fortsetzen. Einem Kursplus von 0,6 Prozent am Donnerstag folgte ein Abschlag von 0,5 Prozent.

TecDax: Ein Auge auf die Konkurrenz

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Dialog Semicondutor drehten im Handelsverlauf deutlich ins Minus und schlossen 1,7 Prozent schwächer - trotz positiver Vorgaben des Konkurrenten Cirrus. Neben den klar besseren Umsatz- und Gewinnzahlen bei Cirrus gefalle vor allem der Ausblick des Branchenkonkurrenten, hieß es im Handel.

Nordex gaben etwa 0,8 Prozent ab - trotz mehrerer Aufträge aus Frankreich. So liefert das Unternehmen insgesamt 38 Anlagen mit einer Kapazität von rund 93 Megawatt für sechs Windparkprojekte. Zudem wird Nordex die Turbinen für 10 bis 15 Jahre warten.

SDax: Insiderkäufe bei KWS

KWS machten die nach den Zahlen entstandenen Kursverluste zum großen Teil wett und näherten sich wieder der 300-Euro-Marke. "Der Kurs profitiert von Insiderkäufen", sagte ein Händler. Der Aufsichtsrat Arend Oetker habe Aktien aus dem Markt genommen, im Volumen von gut 15 Millionen Euro und zu einem Durchschnittskurs von 286,50 Euro. "Das spricht für die Aktie", so der Händler. Zur Geschäftsentwicklung merkte er an, die jüngsten Zahlen seien "in Ordnung gewesen, der Ausblick durchwachsen". KWS kletterten fast 4 Prozent.

Europa: Banken im Blick

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Sehr gut kamen dagegen die Zahlen der UBS an, die Aktien gewannen mehr als 3 Prozent. Die positiven Überraschungen bei Europas Banken setze sich damit fort, hieß es im Handel. Der Nettogewinn sei zwar im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückgekommen, dies sei jedoch erwartet und entsprechend eingepreist worden. Das nun vorgelegte Ergebnis liege über den Schätzungen.

BNP Paribas schlossen leicht fester. Als "sehr ordentlich" wurden die Zahlen im Handel bezeichnet. Bis auf den französischen Heimatmarkt sei es überall gut gelaufen, Gewinn und Umsatz hätten im erwarteten Rahmen gesteigert werden können. Auffallend sei, dass auch hier der Bondhandel deutlich besser gelaufen sei als befürchtet. "Nach den US-Banken, den Briten und der Deutschen Bank setzt sich das als globale Entwicklung fort", sagte ein Marktteilnehmer.

Rohstoffe: Ölpreis fällt leicht

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Die Ölpreise bauten anfangs leichte Abgaben im späten Handel deutlich aus. Laut informierten Kreisen weigern sich der Irak und Iran, ihre Fördermenge einzufrieren. Das schürte Nervosität unter den Akteuren, denn am Wochenende soll ein informelles Treffen der Opec stattfinden, auf dem Details einer möglichen Fördermengenbegrenzung vor dem nächsten regulären Opec-Treffen am 30. November diskutiert werden sollen. Daten des Ölfeldausrüsters Baker Hughes zu den in Betrieb befindlichen Ölförderanlagen verpufften, obwohl deren Zahl sich in der vergangenen Woche um zwei verringert hat. Es handelte sich um den ersten Rückgang seit neun Wochen. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI fiel zum Settlement um 2,1 Prozent auf 48,70 Dollar. Brent ermäßigte sich um 1,5 Prozent auf 49,71 Dollar.

Devisen: Euro deutlich über 1,09

Der Euro legte dagegen deutlich zu. Am Abend kostete die europäische Gemeinschaftswährung 1,0938 Dollar. In der Nacht hatte der Euro noch zeitweise unter 1,09 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0922 Dollar nach 1,0927 Dollar am Donnerstag fest.

Gestützt wurde der Eurokurs durch robuste Konjunkturdaten aus der Eurozone. So war der von der EU-Kommission erhobene Geschäftsklimaindikator BCI im Oktober auf den höchsten Stand seit Juli 2011 gestiegen. Zudem hatte sich die Wirtschaftsstimmung (ESI) überraschend und deutlich verbessert. In Deutschland war zudem die Jahresinflationsrate auf den höchsten Stand seit zwei Jahren gestiegen. In Spanien hatte zudem die Inflationsrate im Oktober stärker als erwartet angezogen. Schwache Daten zum US-Verbrauchervertrauen im Oktober belasteten den Dollarkurs zusätzlich.

Asien: Schwacher Yen stützt Nikkei

Uneinheitlich verabschieden sich die ostasiatischen Aktienmärkte ins Wochenende. Der HSI in Hongkong büßte 0,8 Prozent ein, der Shanghai Composite gab dagegen 0,2 Prozent nach. Minuszeichen standen auch beim südkoreanischen Kospi und beim S&P/ASX200 in Sydney mit je 0,2 Prozent. Die japanische Börse stützte vor allem der schwächere Yen. Der verlor als vermeintlich sicherer Hafen an Attraktivität, so dass sich der Dollar der 105-Yen-Marke näherte. Der Tokioter Nikkei-Index legte 0,6 Prozent auf 17.446 Punkte zu.

Bei  den Einzelwerten waren Finanztitel gefragt. Teilnehmer sagten, dass steigende Renditen der japanischen Staatsanleihen die Erträge der Banken voraussichtlich aufpolstern. Mitsubishi UFJ Financial Group gewannen rund 2 Prozent und Dai-ichi Life etwa 3 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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