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Auch Dax im Abwärtssog: "Trump-Trauma" lässt Wall Street abstürzen

Die Präsidentschaft von Donald Trump droht immer mehr im Chaos zu versinken. Anleger macht dies zunehmend Sorgen, an der Wall Street gibt der Dow Jones deutlich nach. Auch der Dollar gerät unter Druck und erreicht neue Tiefstände.

Die zahlreichen Polit-Affären des US-Präsidenten Donald Trump haben auch die US-Börsen unter Druck gesetzt. Wachsende Zweifel an einer baldigen Umsetzung seiner Steuersenkungs- und Investitionspläne drückten den Dollar auf ein Sechs-Monats-Tief. Einem Insider zufolge soll der US-Präsident den inzwischen entlassenen FBI-Chef James Comey gedrängt haben, die Untersuchung der Verbindungen des ehemaligen Nationalen Sicherheitsberaters Michael Flynn zu Russland einzustellen.

Anleger hätten große Hoffnungen auf Trumps Pläne zur Ankurbelung der Konjunktur gesetzt, sagte Analyst David Madden vom Online-Broker CMC Markets. "Der jüngste Skandal verzögert seine Pläne im günstigsten Fall und im schlimmsten Fall werden sie nicht umgesetzt."

Hans Peterson, Anlageexperte bei der Vermögensverwaltung der SEB Bank, betonte, seine Klienten diskutierten bereits über eine mögliche Amtsenthebung Trumps. Ein US-Abgeordneter kündigte über Twitter an, ein solches Verfahren beantragen zu wollen. Britische Buchmacher taxieren die Wahrscheinlichkeit eines vorzeitigen Abgang Trumps auf 55 Prozent.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab 1,8 Prozent auf 20.606 Punkte nach. Der breiter gefasste S&P-500 sank ebenfalls 1,8 Prozent auf 2357 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verringerte sich um 2,6 Prozent auf 6011 Punkte.

Von Panikverkäufen könne aber nicht die Rede sein, sagte Justin Wiggs, Aktienexperte bei Stifel Nicolaus. Er sprach lediglich von einer fehlenden Käuferseite, weil sich viele Akteure zunächst an die Seitenlinie zurückgezogen hätten und die Nachrichten aus Washington abwarteten.

Der bereits am Dienstag gefallene ICE-Dollarindex gab um weitere 0,6 Prozent nach. Der Euro kletterte auf 1,1151 Dollar nach Wechselkursen um 1,1064 am Vorabend. So hoch stand er zuletzt zur Wahl Trumps Anfang November. Gleichzeitig fiel der Dollar auf unter 111 Yen zurück, nachdem er am Dienstag noch bis zu 113,70 gekostet hatte.

Deutscher Markt gerät in den Sog der USA

Hat der Dax am Dienstag bei 12.842 Punkten noch ein neues Allzeithoch markiert, lag der Leitindex zur Wochenmitte im Tagestief gut 250 Zähler darunter. Nur um die Mittagszeit verringerten sich die Verluste etwas. "Trump entzaubert sich von Tag zu Tag mehr", kommentierte n-tv-Börsenexperte Frank Meyer. Daniel Saurenz von Feingold Research sagte: "Trump könnte der Auslöser für eine merkliche Korrektur an den Börsen sein. Es könnte ein ungemütlicher Sommer werden."

Der Dax schloss 1,4 Prozent im Minus bei 12.362 Punkten. Das Tagestief lag bei 12.587. Am Montag war der Leitindex fester aus dem Handel gegangen, am Dienstag hatte er 2 Zähler eingebüßt. Der MDax gab 1,7 Prozent auf 24.686 Stellen ab. Der TecDax verlor 1,5 Prozent auf 2198 Punkte.

Dax: Probleme für Thyssenkrupp

Bei den Einzelwerten im Dax verteuerten sich Thyssenkrupp 3,5 Prozent. Der Wettbewerber German Naval Yards hatte laut Medienberichten beim Kartellamt erfolgreich gegen die Vergabe eines 1,5 Milliarden Euro schweren Auftrags zum Bau von fünf Korvetten geklagt, der unter anderem an Thyssenkrupp gegangen war. Die Anleger habe das scheinbar kalt gelassen, hieß es aus dem Handel.

Deutsche Börse schlossen rund 1,5 Prozent schwächer. Das Unternehmen hatte die Aktionäre zur Hauptversammlung geladen. Dort musste sich Firmenchef Carsten Kengeter wegen eines Ermittlungsverfahren gegen ihn und der geplatzten Fusion mit dem Londoner Konkurrenten LSE kritischen Fragen stellen.

SAP zeigten sich kaum verändert. "Die Sapphire-Konferenz hat bei SAP meistens für Bewegung gesorgt", sagte ein Händler. Diese wichtigste unter den SAP-Technologie-Konferenzen startet am Berichtstag in Florida. Im Blick stünden vor allem Themen wie Künstliche Intelligenz und Maschinen-Lernen im Zusammenhang mit der automatischen Analyse und Auswertung von Big Data.

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VW fielen fast 1,5 Prozent. Volkswagen-Chef Matthias Müller gerät im Dieselskandal ins Visier der Behörden. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hatte ein Ermittlungsverfahren gegen Müller und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch eingeleitet. Es bestehe der Verdacht der Marktmanipulation, so die Behörde. Auch gegen den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn sei ein entsprechendes Verfahren eingeleitet worden.

MDax: Interesse an Stada aus China

Stada büßten 0,6 Prozent ein. Shanghai Pharma hatte sein Interesse am Generikahersteller aus Bad Vilbel bestätigt, aber auch gesagt, ein offizielles Angebot sei bisher noch nicht übermittelt worden. Der Kurs der Aktie war am Dienstag auf den neuen Rekordstand von 66,50 Euro gestiegen und schloss nur knapp darunter. Bloomberg hatte berichtet, dass der Finanzinvestor Advent zusammen mit Shanghai Pharmaceuticals die Abgabe einer Gegenofferte prüfe. Im Gespräch sei ein mögliches Angebot in Höhe von rund 70 Euro je Aktie.

TecDax: Pfeiffer auf Allzeithoch

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Positiv für Dialog Semiconductor wurde an der Börse gewertet, dass sich Tsinghua mit 3 Prozent an dem Halbleiterunternehmen beteiligt hat. Das chinesische Staatsunternehmen ist unter anderem an SpreadTrum beteiligt, mit der Dialog erst im März eine strategische Partnerschaft eingegangen ist. Damit dürfte Dialog zum einen der Weg auf den chinesischen Markt geöffnet werden, hieß es an der Börse. Der Kurs verlor dennoch 1,6 Prozent.

Pfeiffer Vacuum indes zogen 1,6 Prozent an. Die Aktien hätten einen Lauf, sagte ein Händler. Seit Jahresbeginn legten sie 40 Prozent zu. Nun steigt sie mit zeitweise 125,70 Euro auf Allzeithoch. Die Frage sei, ob Busch das Angebot noch einmal erhöhen werde, so ein Marktteilnehmer. Passiere das nicht, könne die Luft aus dem Titel weichen.

Unter Abgabedruck litten Evotec. Das Minus betrug 8,5 Prozent. "Einen direkten Auslöser gibt es nicht", so ein Aktienhändler. Der Wert sei extrem gut gelaufen, auf dem Weg nach unten würden nun Sicherungsstops ausgelöst. Das Volumen war am Nachmittag mit knapp 3 Millionen Aktien bereits mehr als doppelt so hoch wie am Duebsraf.

USA: Druck auf Trump und die Kurse

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Die zunehmenden Kontroversen um US-Präsident Trump setzten auch der Wall Street zu. Die Kurse gaben bis zum Vormittag (Ortszeit) deutlich nach. "Die Anleger machen sich allmählich Sorgen über die innenpolitische Situation", sagte Volkswirt Peter Cardillo vom Broker First Standard Financial.

Der Dow-Jones-Index gab 1,2 Prozent auf 20.735 Punkte nach. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 1,0 Prozent auf 2375 Zähler nach. Der Nasdaq100 verlor 1,6 Prozent auf 5650 Stellen.

Zu den Verlierern zählten Finanzwerte, die von der Rally nach Trumps Wahlsieg besonders profitiert haben. Die Aktien der Bank of America gaben rund 3 Prozent nach. Die Titel von Goldman Sachs bü0ten etwa 2 Prozent ein. Gut 3 Prozent zulegen konnten dagegen die Papiere von Target. Die Anleger waren erleichtert, dass der Einzelhändler im ersten Quartal weniger Umsatz einbüßte als befürchtet.

Rohstoffe: Gold gefragt, Öl auch

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Die politischen Risiken in den USA trieben die Anleger in so genannte sichere Häfen und damit auch wieder in den Goldpreis. Der überwand die charttechnisch wichtige 1250-Dollar-Marke und notierte am späten Abend bei 1259 Dollar. Das bedeutete einen Aufschlag zum Dienstag von mehr als 1 Prozent. Es war zudem der höchste Stand seit mehr als zwei Wochen.

Der Ölpreis konnte im Handelsverlauf seine Anfangsverluste abschütteln und damit den Anstieg der vergangenen Tage fortsetzen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent drehte ins Plus. Er kletterte 1,5 Prozent auf 52,46 Dollar. Ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) verteuerte sich 0,9 Prozent auf 49,13 Dollar.

Die Aussicht auf weiter fallende Lagerbestände an Rohöl in den USA konnte die Preise erneut stützen, hieß es. Sie gingen in der Vorwoche nach frischen Ministeriumsdaten um 1,77 Millionen Barrel zurück.

Asien: Schwacher Dollar, schwache Kurse

Der schwache Dollar belastete zur Wochenmitte auch die Kurse an den Börsen in Asien. Dazu kamen die Entwicklungen im Weißen Haus in Washington, die für eine erhöhte Verunsicherung sorgten. Der Tokioter Nikkei-Index schloss 0,5 Prozent tiefer bei 19.815 Punkten. Der Shanghai Composite fiel 0,1 Prozent auf 3.110 Punkte. Das Schlusslicht bildete der Aktienmarkt in Sydney, wo der S&P/ASX200 0,9 Prozent nachgab.

In Tokio zeigten sich mit dem schwachen Dollar die Exportwerte mit Abgaben. So ging es für Toyota 1,3 Prozent nach unten. Daneben standen auch die Versicherer unter Druck mit den weiterhin fallenden Renditen am Anleihemarkt. Dai-Ichi Life fielen 3,7 Prozent, T&D Holdings 3,2 Prozent. An der Börse in Schanghai ging es für die an Stada interessierte Shanghai Pharmaceuticals 0,5 Prozent nach unten.

Quelle: n-tv.de

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