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Anleger setzen auf neue US-Schulden: Trump-Schock? Dax schließt fester

Der Wahlsieg Trumps hinterlässt am deutschen Aktienmarkt einen denkwürdigen Handelstag. Der Dax bricht zum Handelsstart ein, erholt sich danach rasend schnell und schafft am Ende ein Plus. Auch der Dow Jones legt zu. Dennoch bleiben Fragen offen.

"Trump wird neue Schulden machen. Das weiß die Börse." So kommentiert n-tv-Börsenexperte Frank Meyer den denkwürdigen Handelsverlauf zur Wochenmitte am deutschen Aktienmarkt. Der überraschende Sieg des Republikaners Donald Trump ließ die Kurse am Morgen zunächst abrutschen. Doch die Erholung setzte sehr schnell ein. Am Mittag stand nur noch ein kleines Minus, nach der Wall Street-Eröffnung drehte der Dax ins Plus – und hielt es bis Handelsende. "Es kam anders, als alle gedacht haben - mal ehrlich: Wir wissen nicht, was nun kommt", sagte Meyer weiter. "Der erste Schock ist erst einmal verdaut", lautete n-tv-Börsenexpertin Sabrina Marggrafs Kommentar.

Der Dax verabschiedete sich 1,6 Prozent fester aus dem Handel mit 10.646 Punkten. Bei 10.175 Punkten hatte er das Tagestief markiert, bei 10.553 das Tageshoch. Am Montag hatte er rund 200 Punkte zugelegt, als Umfragen einen größeren Vorsprung Hillary Clintons gegenüber ihrem Kontrahenten Trump vorhergesagt hatten. Am Dienstag gab es nochmals einen leichten Aufschlag. Der MDax legte 0,2 Prozent auf 20.665 Zähler zu. Der TecDax schloss 1,2 Prozent höher bei 1751 Stellen.

Erst der Schock, ...

Die Investoren hatten auf Clinton als erste US-Präsidentin gesetzt und reagierten zunächst entsprechend nervös auf den überraschenden Wahlsieg Trumps, denn die Unklarheit unter anderem über dessen künftige Wirtschaftspolitik ist groß. "Die Folgen der Wahl sind - wie der Kandidat Trump - völlig unberechenbar", kommentierte Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank. Einige seiner Pläne seien radikal, viele nur rudimentär bekannt.  Meinungen über Folgen von Trump-Sieg gehen auseinander.

"Einige Börsianer haben den Umfragen zum Ausgang der US-Wahl ein stückweit misstraut", führte n-tv-Börsenexpertin Marggraf an. Sie hätten aus dem Brexit-Votum im Sommer gelernt. Damals hatten Umfragen einen Verbleib in der Europäischen Union prognostiziert. Der Dax war danach um rund 10 Prozent abgesackt, brauchte rund einen Monate, seine Verluste wieder aufzuholen.

... dann: "Alles halb so wild"

"'Make America great again"? Die Anleger haben sich nach einem extrem kurzen Schock offenbar gesagt: 'Make Stock Market great again'", kommentiert Daniel Saurenz von Feingold Research die Wendung im Handelsverlauf. "Oder anders gesagt: Alles halb so wild."

Im Handel wurden diverse Gründe für die rasche Erholung ausgemacht. Zum einen zeichne sich ein totaler Triumph der Republikaner ab - nicht nur bei den Präsidentschaftswahlen sondern auch im Kongress. Das könnte die jahrelange Blockade zwischen Weißem Haus und Repräsentantenhaus auflösen, hieß es. Daneben werde ein Zinserhöhungszyklus in den USA gerade ausgepreist. Gleichzeitig habe die Siegesrede von Trump ihre beruhigende Wirkung nicht verfehlt. Sie habe "präsidial" geklungen und nichts vom Aufbau von Mauern enthalten, so ein Händler.

USA: Als wäre nichts gewesen

Von dem überraschenden Wahlergebnis war an der Wall Street nichts zu spüren, im Gegenteil. Lagen die Indizes am Vormittag noch leicht im Minus, schloss der Dow-Jones-Index am Abend mit 18.590 Punkten 1,4 Prozent im Plus. Zwischenzeitlich hatte er gar an seinem Rekordhoch aus dem August gekratzt. Auch der breiter gefasste S&P-500 legte 1,1 Prozent auf 2163 Zähler zu. Der Nasdaq100 verbessert sich leicht um 0,4 Prozent auf 4823 Stellen.

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Hinter dem ausgebliebenen Kursrutsch steckt nicht nur die Überlegung, dass Trump seine protektionistischen Vorstellungen wohl nicht vollständig in die Tat umsetzen kann. Beobachter verwiesen auch darauf, dass ein Zinserhöhungszyklus in den USA gerade ausgepreist werde.

Unter den Einzelwerten wurden Gopro etwa 7 Prozent schwächer indiziert. Das Unternehmen ruft seine Kamera-Drohne "Karma" zurück, weil einige Exemplare abgestürzt waren. Während des Betriebs sei die Stromzufuhr ausgefallen, hieß es.

Auch die Aktien von Gefängnisbetreibern legten kräftig zu. Corrections Corp of America haussierten um 43,1 Prozent und GEO Group um 21,2 Prozent. Sie hatten im bisherigen Verlauf des Jahres unter den Plänen der amtierenden Regierung gelitten, die Nutzung privater Haftanstalten zugunsten staatlicher Gefängnisse aufzugeben.

Die Kurse von Waffenherstellern profitieren dagegen nicht vom Wahlergebnis. Hier seien vielmehr Gewinne mitgenommen worden, so ein Teilnehmer. Weil die Regierung Obama strengere Waffengesetze anstrebte, hatte die Branche von der Furcht vor baldigen Einschränkungen der Waffenverkäufe profitiert. Diese dürften nun vorerst vom Tisch sein. Smith & Wesson fielen um 15,2 Prozent und Sturm Ruger um 14,4 Prozent.

Dax: Autowerte verlieren

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Das größte Plus im Dax wiesen Fresenius mit rund 5 Prozent auf. Zu den deutlichsten Verlierern zählten dagegen die Autowerte - allen voran VW, deren Titel rund 3 Prozent einbüßten. BMW gaben etwa 2 Prozent ab, Daimler noch rund 1 Prozent. "Trump steht für Protektionismus. Die exportorientierte Autobranche gerät dadurch besonders stark unter Druck", sagte n-tv-Börsenexpertin Marggraf.

Eon-Titel verloren etwa 1 Prozent. Hohe Abschreibungen auf die abgespaltene Tochter Uniper belasten Eon: Der Energiekonzern hat in den ersten neun Monaten einen Verlust von rund 9,3 Milliarden Euro geschrieben. RWE rutschten 1,6 Prozent ab.

Der Rückversicherer Munich Re hatte angesichts eines geringeren Preisdrucks und eines guten dritten Quartals die Jahresprognose erhöht und rechnet nun mit einem Nettogewinn, der deutlich über den ursprünglich anvisierten 2,3 Milliarden Euro liegt. Die Aktien kamen 0,6 Prozent zurück.

Als "ordentlich bis gut" wurden die Zahlen und Aussagen von Heidelcement im Handel beschrieben. "Dass der Ausblick zwar nur bestätigt, jetzt aber auch für Italcementi mit gilt, ist sehr gut und sollte im Fokus stehen", sagte ein Händler. Dies gebe Kalkulationssicherheit und zeige, dass die Integration schneller als erhofft vor sich gehe. Das spiegele sich auch in dem erneut erhöhten Synergieziel, dass nun über 400 Millionen Euro liege. Die wichtige Gewinnkennziffer OIBD sei im erwarteten Rahmen ausgefallen. Die Papiere legten mehr als 2 Prozent zu.

MDax: Brenntag größter Verlierer

Als leicht enttäuschend wurden die Quartalszahlen von Brenntag im Handel bezeichnet. Vor allem der auf das untere Ende der Erwartungsspanne gesenkte Gewinnausblick für das Gesamtjahr dürfte belasten, hieß es. "Allerdings gibt es keine neuen außer den bekannten Belastungsfaktoren wie Währung und schwache Nachfrage durch Kunden aus der Ölbranche", so ein Marktteilnehmer. Auch falle die Senkung der Prognosespanne prozentual nur sehr gering aus. Die Aktien sackten 6,5 Prozent ab und waren damit größter Verlierer im MDax.

Rohstoffe: Gold gesucht

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Ein Gewinner des Tages war anfangs Gold. Im Tageshoch stieg der Preis der Feinunze auf ein Sechswochenhoch von gut 1337,50 Dollar, entsprechend einem Plus zum US-Späthandel am Dienstag von fast 5 Prozent. Allerdings kam der Preis mit der Erholung der Aktienmärkte wieder deutlich zurück und rutschte sogar ins Minus. Händler sprachen von einer ersten panikartigen Reaktion der Investoren. Zum US-Settlement fiel der Goldpreis um 0,1 Prozent auf 1.273 Dollar.

Der erneute Anstieg der wöchentlichen Öllagerdaten belastete die Ölpreise nur kurz. Nach Angaben der Energy Information Administration (EIA) legten diese um 2,4 Millionen Barrel gegenüber der Vorwoche zu. Analysten hatten nur einen Anstieg um 0,9 Millionen erwartet. Vielmehr setzten Anleger laut Marktteilnehmern darauf, dass dem Umweltschutz unter Trump weniger Bedeutung zugemessen wird. Beobachter warnten aber, dass es in den kommenden Wochen am Ölmarkt volatil zugehen wird, bis klar wird, welchen außenpolitischen Kurs Trump verfolgt, besonders mit Blick auf den Nahen Osten. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI erhöhte sich nach anfänglichen deutlichen Verlusten zum US-Settlement um 0,6 Prozent auf 45,27 Dollar und damit den höchsten Stand seit einer Woche. Für Brent ging es um 0,7 Prozent auf 46,36 Dollar aufwärts.

Devisen: Euro mit enormer Spanne

Der US-Dollar machte seine deutlichen Anfangsverluste komplett wett. Der Dollar-Index, der die US-Devise im Vergleich zu anderen wichtigen Währungen misst, lag 0,4 Prozent im Plus bei 98,2130 Punkten. Zuvor war er bis zu 2 Prozent nach unten gerauscht. Der Euro fiel dagegen auf 1,0916 Dollar zurück, ein Abschlag von 0,9 Prozent zum Dienstagabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Mittag noch auf 1,1022 Dollar fest. Das Tageshoch markierte der Euro bei 1,1299 Dollar.

Versöhnliche Töne in der Siegesrede Trumps hatten die Nerven der Anleger beruhigt. In den Wochen zuvor hatten Börsianer Turbulenzen im Fall eines Sieges des Republikaners wegen umstrittener Reformen vorausgesagt. Für den Moment vertreibe aber die Eindeutigkeit des Ergebnis die Ungewissheit der vergangenen Monate. "Das ist gut für die Börsen", sagte Marktexperte Jochen Stanzl von CMC Markets.

Asien: Kurseinbrüche

Die Aktienmärkte in Fernost gaben angesichts des US-Wahlergebnisses auf breiter Front nach. In Tokio sank der Nikkei-Index 5,4 Prozent auf 16.252 Punkte. Die Regierung in Tokio erklärte vorsorglich, für etwaig erforderliche Stützungsaktionen bereit zu stehen.

Auch in Shanghai gaben die Kurse nach, der Composite gab 0,6 Prozent auf 3129 Zähler ab. Der südkoreanische Kospi verlor 2,2 Prozent auf 1959 Stellen. Der MSCI-Index für die Region Asien/Pazifik unter Ausschluss Japans fiel 3 Prozent.

Unternehmensnachrichten spielten angesichts des Wahldramas in den USA vorerst keine Rolle. Dabei waren auch hier die Bewegungen dramatisch: So rutschten die Aktien von Toyota über 6 Prozent ab. Der Automobilhersteller ist extrem abhängig vom Export und könnte unter einem US-Präsidenten Trump leiden, sollte dieser seine protektionistischen Vorstellungen umsetzen. Finanzwerte gaben in Tokio teils noch dramatischer ab.

Quelle: n-tv.de

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