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Der Euro kletterte zum Dollar auf ein Dreimonatshoch.
Der Euro kletterte zum Dollar auf ein Dreimonatshoch.(Foto: dpa)

Wall Street rettet sich ins Plus: Starker Euro drückt Dax ins Minus

Dritter Tag der Handelswoche, drittes Minus für den deutschen Leitindex. Belastend wirkt diesmal die Stärke des Euro, die wiederum aus einem schwachen Dollar resultiert. Eine Achterbahnfahrt erlebt derweil die Wall Street.

Es ist bisher eine Woche voller Rückschläge für den deutschen Aktienmarkt: Auch am dritten Tag in Folge ging es mit dem Dax nach unten. Der Leitindex büßte am Ende 1,5 Prozent auf 9435 Punkte ein. Damit hat der Dax in dieser Woche bereits mehr als 350 Punkte verloren - oder 3,7 Prozent seines Schlusswertes vom vergangenen Freitag.

Auf die Kurse drückte unter anderem ein starker Euro, der mit 1,1080 Dollar auf ein Dreimonatshoch kletterte. Nur kurz konnte ein guter ADP-Arbeitsmarktbericht aus den USA die Kurse stützen. Die Ölpreise, deren Verfall bisher als Hauptbelastungsfaktor für die Börsen ausgemacht worden war, erholten sich hingegen wieder deutlich, konnten den Kursen aber keinen Halt geben.

Auch die Sorgen um Kreditausfälle im europäischen Bankensektor lasteten auf den Börsen Europas. Der Bankensektor büßte rund 3,5 Prozent ein und stand damit unter den Branchen am stärksten unter Druck. Als Grund machten Händler die Bedenken über ein zu großes Engagement der Geldhäuser in hochverzinsten Anleihen aus dem Ölsektor in den USA aus. Laut einer Studie des US-Vermögensverwalters Bernstein beträgt das mögliche Ausfallrisiko bis 2019 rund 73 Milliarden Dollar. Davon entfielen allein 13,5 Milliarden Dollar auf 13 europäische Banken.

Zudem beschäftigte eine geplante Übernahme die Börsen: Der chinesische Chemieriese ChemChina hat dem Schweizer Agrarchemiekonzern Syngenta eine Barofferte über 43 Milliarden US-Dollar unterbreitet. Nachdem Syngenta dem Werben von Monsanto 2015 noch die kalte Schulter gezeigt hatte, scheint ein Deal mit ChemChina nun über die Bühne gehen. "Der große Unterschied ist, dass Syngenta nun den Aktionären die Annahme des ChemChina-Gebots empfiehlt", sagte ein Aktienhändler. Es wäre die bisher größte chinesische Übernahme im Ausland. Syngenta-Aktien legten an der Börse in Zürich 2,9 Prozent zu.

Frankfurt: Deutsche Bank sinken ans Dax-Ende

Der Dax schloss am Ende 1,5 Prozent leichter und sackte damit auf 9345 Punkte. Sein Tagestief hatte er bei 9351 Punkten markiert. Mit dem MDax ging es 1,3 Prozent nach unten auf 18.833 Zähler. Der TecDax fiel 1,9 Prozent auf 1646 Punkte. Einen Abschlag von ebenfalls 1,9 Prozent verzeichnete der Euro-Stoxx-50, der auf 2896 Stellen nachgab.

Gößter Dax-Verlierer waren infolge des schwächelnden Bankensektors die Aktien der Deutschen Bank mit einem Abschlag von 6,0 Prozent. An der Spitze landeten hingegen Linde mit einem Plus von 0,9 Prozent.

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Volkswagen büßten 2,3 Prozent ein. Vor dem Hintergrund des Skandals um manipulierte Abgaswerte bei Dieselmotoren hat der Autobauer in den USA im Januar erneut deutlich weniger Autos verkauft.

Im MDax verlor das Osram-Papier 1,7 Prozent. Die endgültigen Geschäftszahlen zum ersten Quartal 2016 hätten keine Überraschung mehr gebracht, kommentierte die DZ-Bank.

Im TecDax rutschten Drägerwerk nach anfangs deutlicheren Verlusten noch um 6,8 Prozent ab – der Medizintechnik-Konzern streicht nach einem Gewinneinbruch die Dividende drastisch zusammen.

Nur wenig Neues entdeckten Händler in den Geschäftszahlen von Qiagen. Der adjustierte Gewinn liege allerdings nur am unteren Ende der bereits zuvor gesenkten Unternehmenserwartungen. Zudem sei der Ausblick auf das erste Quartal präzisiert worden und sei eher zurückhaltend. Die Aktie gab im TecDax 4,3 Prozent nach.

USA: Wall Street dreht nach Anfangsgewinnen ins Minus

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Ein volatiler Ölpreis und widersprüchliche Konjunkturdaten haben die US-Börsen auf eine Achterbahnfahrt geschickt. Hatte es kurz nach der Startglocke noch so ausgesehen, als könnten die Kurse an der Wall Street wenigstens einen Teil ihrer jüngsten Abgaben wettmachen, so begannen die Gewinne schon bald zu bröckeln. Mit der Veröffentlichung schwacher Wirtschaftsdaten und überraschend hoher US-Ölvorräte, die vorübergehend einen Rücksetzer des Ölpreises zur Folge hatten, ging es dann rasant abwärts. Die Aktienkurse berappelten sich aber rasch wieder, als der Ölpreis plötzlich in die Höhe schoss und der Dollar auf breiter Front schwächelte.

Der Dow-Jones-Index schloss um 1,1 Prozent höher bei 16.337 Punkten. Zeitweise hatte der Index um über 1 Prozent im Minus gelegen. Der S&P-500 stieg um 0,5 Prozent. Der Nasdaq-Composite verlor dagegen 0,3 Prozent.

Der sehr solide ausgefallene ADP-Arbeitsmarktbericht signalisierte nicht nur eine robuste US-Konjunktur, sondern diente auch als Argument für all jene, die auf steigende Zinsen setzen. In der US-Privatwirtschaft wurden im Januar 205.000 Stellen geschaffen. Der von Markit ermittelte Service-Einkaufsmanagerindex in zweiter Lesung und vor allem der ISM-Index für das nicht-verarbeitende Gewerbe im Januar zeugten unterdessen von einem spürbar schwächeren Wachstum in den USA. Letzterer übte zwischenzeitlich spürbaren Druck auf die Aktienkurse aus.

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Bei den Einzelwerten gilt es erneut eine Flut an Quartalszahlen zu verdauen. Im Fokus stehen unter anderem Yahoo, nachdem das Unternehmen mit Vorlage der Quartalszahlen nachbörslich am Dienstag mitteilte, radikale Einschnitte vornehmen zu wollen. Unter anderem sollen fünf Niederlassungen im Ausland geschlossen und die Zahl der Mitarbeiter bis Ende des Jahres um 15 Prozent auf 9.000 verringert werden. Yahoo verloren 4,7 Prozent.

Merck & Co geben um 2,9 Prozent nach. Der Pharmariese hat im vierten Quartal bei etwas niedriger als erwartet ausgefallenen Umsätzen zwar deutlich weniger verdient als im Vorjahr, aber mehr als von Analysten erwartet.

General Motors (GM) hat im vierten Quartal vom anhaltenden Boom auf dem heimischen Automarkt profitiert und die Gewinnerwartungen übertroffen. Umsatz und Ergebnis des Opel-Mutterkonzerns legten kräftig zu. Die Aktie verliert dennoch 2,5 Prozent.

Devisen: Euro steigt auf über 1,10 Dollar

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Der Kurs des Euro hat stark von einer breit angelegten Schwäche des US-Dollar profitiert. Zeitweise notierte der Euro mit 1,1145 Dollar fast zweieinhalb Cent über seinem Tagestief. Das ist der höchste Stand seit drei Monaten. Im späten US-Handel wurden für die Gemeinschaftswährung rund 1,11 Dollar gezahlt.

Rückenwind erhielt der Euro vor allem seitens des Dollar, der zu vielen Währungen deutlich nachgab. Auslöser waren abermals enttäuschende US-Konjunkturdaten. So hat sich die Stimmung im großen Dienstleistungssektor, gemessen am ISM-Index, im Januar deutlich eingetrübt.

Zudem kamen einmal mehr vorsichtige Äußerungen aus den Reihen der US-Notenbank. Der Chef der einflussreichen Fed von New York, William Dudley, sprach davon, dass die derzeitige Börsenschwäche die Wachstumsaussichten dämpfen könnte. Besonders stark lasten auf dem Dollar die fallenden Zinserwartungen. So fiel am Mittwoch die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed ihre Ende 2015 eingeleitete Zinswende noch in diesem Jahr fortsetzt, an den Finanzmärkten auf weniger als 40 Prozent.

Rohstoffe: Daten übertreffen Befürchtungen

Zwar hatten die schon am Vorabend veröffentlichten Daten des American Petroleum Institute auf eine neuerliche Zunahme der US-Ölvorräte hingedeutet, doch übertrafen die Daten der Regierung die schlimmsten Befürchtungen. Das US-Energieministerium meldete einen doppelt so starken Anstieg seiner Rohöllagerbestände wie erwartet. Auch die Benzinvorräte legten kräftig zu. Der WTI-Ölpreis reagierte volatil: Er fiel zunächst unter die Marke von 30 Dollar zurück, die er nach seinem Einbruch vom Dienstag erst im frühen Handel zurückerobert hatte. Schon bald drehte der WTI-Preis aber ins Plus, was Marktteilnehmer mit dem schwächeren Dollar erklärten, der Öl für Käufer aus dem Nicht-Dollarraum verbilligte.

Einige Händler brachten auch die Möglichkeit einer Opec-Sondersitzung ins Spiel, die schon in der vergangenen Woche zeitweise Hoffnungen auf eine Fördermengenkürzung geweckt hatte, ehe Opec-Vertreter entsprechende Erwartungen dämpften. Zum Settlement kostete das Barrel WTI 32,28 Dollar. Das waren 8 Prozent bzw 2,40 Dollar mehr als zum Settlement am Dienstag. Brentöl verteuerte sich um 7,1 Prozent bzw 2,32 Dollar auf 35,04 Dollar.

Asien: Japans Nikkei bricht ein

Die anhaltende Talfahrt der Ölpreise sorgt auch an den asiatischen Börsen für deutliche Abgaben. Die rote Laterne trägt dabei der Aktienmarkt in Tokio, wo der Nikkei-225 um 3,2 Prozent auf 17.191 Punkte einbricht. Hier kommen als zusätzliche Belastungsfaktoren noch schwache Unternehmensergebnisse hinzu.

Im australischen Sydney, wo der Handel ebenfalls bereits beendet ist, geht es um 2,3 Prozent nach unten. Besser hält sich noch die Börse in China, der Shanghai Composite fällt um 0,4 Prozent und schließt bei 2739 Punkten. In Hongkong verliert der Hang-Seng-Index 2,7 Prozent.

Die neusten Konjunkturdaten aus China sorgen für wenig Bewegung an den Aktienmärkten. Der Caixin-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor ist im Januar mit 52,4 auf den höchsten Stand seit Juli gestiegen, nach einem Stand von 50,2 im Dezember. Die Aktivität im Dienstleistungssektor ist im Dezember damit so schnell gewachsen wie seit sechs Monaten nicht mehr. Volkswirte werten dies als Beleg dafür, dass die Stimulierungsmaßnahmen der Regierung das Wachstum in einigen Bereichen unterstützten.

Allerdings hatten die Daten aus China zuletzt enttäuscht, erst am Wochenende war der offizielle Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe zum sechsten Mal in Folge und auf ein Dreijahrestief gesunken.

Quelle: n-tv.de

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